Heiliger Josefmaria Escrivá. Gründer des Opus Dei
 

Wie kann man die Auferstehung Jesu erklären?

Stichwörter: Lehre, Jesus Christus
Die Auferstehung Christi ist ein wirkliches Geschehen, das sich historisch belegen lässt. Die Apostel gaben Zeugnis von dem, was sie gesehen und gehört hatten. Ungefähr im Jahr 57 schrieb Paulus an die Korinther: „Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch in empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.“ (1 Kor 15, 3-5)

Wenn man heute auf diese Ereignisse blickt und versucht, die objektive Wahrheit des Geschehenen zu heraus zu finden, kann die Frage auftauchen: Woher kommt eigentlich die Behauptung, dass Jesus auferstanden ist? Ist dieses Faktum, das ein so außergewöhnliches Echo in der Menschheitsgeschichte hervorgerufen hat, Ergebnis einer Manipulation der Wirklichkeit oder handelt es sich um eine Tatsache, die heutzutage ebenso überraschend und unerwartet ist wie damals für die bestürzten Jünger?

Auf diese Fragen kann man nur eine der Vernunft entsprechende Antwort suchen, indem man Forschungen über die Glaubensvorstellungen jener Menschen über das Leben nach dem Tod anstellt, um dadurch abschätzen zu können, ob die Auferstehung, so wie sie selbst davon sprachen, eine Idee ist, die in ihre Denkschemata passt.

Um es gleich vorweg zu sagen: Die griechische Welt kannte Vorstellungen eines Lebens nach dem Tod, aber diese hatten ganz eigene Merkmale. Der Hades, ein bereits seit Homer gängiges Motiv, ist das Haus des Todes, eine Schattenwelt, die eine art vager Erinnerung an die Welt der Lebenden darstellt. Aus einer anderen Perspektive hatte Platon über die Reinkarnation spekuliert, aber er dachte dabei nicht an eine wirkliche Wiederbelebung des Leibes, nachdem er einmal gestorben war. Das heißt, auch wenn manchmal vom Leben nach dem Tod gesprochen wurde, kam doch niemandem in den Sinn, es könne sich um eine Auferstehung handeln, das heißt, um die Rückkehr irgendeines Menschen zum körperlichen Leben in der gegenwärtigen Welt.

Im Judentum ist die Lage teils anders, teils gleich. Die sheol, von der das Alte Testament und andere alte jüdische Texte sprechen, ist dem homerischen Hades recht ähnlich. Die Leute befinden sich dort in einem Zustand, der dem Schlaf ähnelt. Aber im Unterschied zur griechischen Auffassung gibt es Türen, die der Hoffnung offen stehen. Gott ist der einzige Gott, er ist der Gott der Lebenden wie der Toten, dessen Macht sich auf die Welt oben wie auf die sheol erstreckt. Ein Sieg über den Tod ist möglich. So findet man in der jüdischen Tradition, zumindest seitens einiger Vertreter, einen gewissen Glauben an eine Art Auferstehung. Auch erwartet man die Ankunft des Messias, aber beide Ereignisse scheinen nicht miteinander verknüpft zu sein. Für jeden jüdischen Zeitgenossen Jesu handelt es sich um zwei theologische Fragen aus unterschiedlichen Bereichen. Man vertraut darauf, dass der Messias die Feinde Gottes besiegen, den Tempelkult in all seiner Schönheit und Reinheit wiederherstellen und die Herrschaft Gottes über die Welt aufrichten wird. Aber niemand kommt auf die Idee, er würde nach seinem Tod auferstehen. Das käme normalerweise einem frommen und gebildeten Juden nicht in den Sinn käme und wäre für ihn auch nicht vorstellbar.

Den Leichnam wegzunehmen und die Geschichte zu erfinden, Jesus sei mit eben diesem Leib auferstanden, um damit zu belegen, dass er der Messias sei, ist einfach undenkbar. Am Pfingsttag, so lesen wir in der Apostelgeschichte, sagt Petrus, dass „Gott ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt hat“ (Apg 2, 24), um dann zu schließen: „ Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ (Apg 2, 36)

Die Erklärung für solche Behauptungen ist, dass die Apostel etwas gesehen hatten, was sie sich niemals hätten vorstellen können und sich daher verpflichtet sahen, Zeugnis abzulegen, trotz ihrer Verwirrung und trotz des Spotts, den sie damit, wie sie zu Recht vermuteten, hervorrufen würden.

BIBLIOGRAPHIE
- N. Tom Wright, “Jesus’ Resurrection and Christian Origins,” Gregorianum 83/4 (2002): 615-635;
- Benedikt XVI., Jesus von Nazareth 2, Herder, 2011.


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