Heiliger Josefmaria Escrivá. Gründer des Opus Dei
 

Theresia von Avila und der hl. Josefmaria

Zum fünfhundertsten Jahrestag der Geburt der heiligen Theresia von Avila (28. März 1515) stellen wir eine Auswahl von Texten vor, die die Liebe des hl. Josefmaria zu dieser Heiligen und den Einfluss ihrer Schriften aufzeigen.

Als der junge Josemaría Ende Dezember 1917 oder Anfang Januar 1918 in Logroño die Abdrücke nackter Füße im Schnee sah, die bei ihm eine tiefe innere Unruhe auslösten und ihn darin bestärkten, daß der Herr etwas mit ihm vorhatte (»Vorahnungen der Liebe« nannte er es später), vertraute er sich dem Karmelitermönch José Miguel an, von dem die Fußspuren stammten.

Der fromme Pater sah die exzellenten inneren Anlagen des Jungen und war davon überzeugt, daß der Herr ihn rief: Er schlug ihm deshalb vor, den Unbeschuhten Karmeliten beizutreten. Josemaría fand diese Möglichkeit nicht sonderlich attraktiv, aber auch nicht unangenehm. Er ließ sich die Angelegenheit in der Stille des Gebetes durch den Kopf gehen, dachte unter anderem an seine Pflichten gegenüber der Familie und wurde sich klar, das sei es nicht, worum der Herr ihn bat. Er erahnte damals, daß der beste Weg das Priestertum sei, um für das zur Verfügung zu stehen, was der Herr von ihm wollte.
So gab er Pater José Miguel als geistlichen Ratgeber auf, blieb jedoch dem Karmeliterorden für die Kontakte dankbar und zeitlebens sehr zugetan, denn er hatte eine besondere Verehrung für die heilige Theresia von Avila, den heiligen Johannes vom Kreuz und die heilige Theresia vom Kinde Jesu, wurde zu einem eifrigen Leser ihrer Bücher und bezog sich in der Predigt oft direkt oder indirekt auf diese geistlichen Klassiker. Wenn nötig, machte er natürlich deutlich, wo die Unterschiede zu seiner Art zu denken und Gott zu begegnen lagen.

Die Schriften der heiligen Karmelitin von Avila lernte der hl. Josefmaria während seiner Jahre im Priesterseminar besser kennen. Angetrieben von seinem Gefallen an der Literatur benutzte der junge Josemaría seine unterrichtsfreie Zeit zum Lesen. Dabei notierte er immer Sätze oder Gedanken aus seiner Lektüre. Er ging oft sehr spät schlafen. Nachts sahen die anderen Seminaristen unter seiner Tür das flackernde Lichte einer Kerze hervorscheinen, denn nicht alle Zimmer im Seminar von San Carlos hatten elektrisches Licht.

So verbrachte er zwei Jahre voll fruchtbarer Lesezeit. Später hatte der hl. Josefmaria nicht mehr so viel Muße und auch weniger geeignete Gelegenheiten für diese Art der Lektüre, außer es ergab sich eine Notwendigkeit, die Schriften der Klassiker zu konsultieren. Anhand ihrer mystischen und asketischen Schriften beschäftigte er sich intensiv mit den verborgenen Wirken der Gnade. Dabei sagten ihm die Werke von Theresia von Avila ganz besonders zu.

Seine Lektüre der spanischen Klassiker des Goldenen Jahrhunderts (16./17.Jh.) spiegelten sich später in seinen Büchern und in seiner mündlichen Verkündigung wider. Und auch in seinem Alltag und seinem Bemühen, das alltägliche Leben für seine Familie angenehmer zu machen. Im Jahr 1931, als er, ein junger Priester, in Madrid weilte, wo seine finanzielle Lage recht prekär war, fasste er den Entschluss, sich in seiner Blutfamilie noch mehr um einen liebevollen Umgang zu bemühen: „Ich werde in meiner Mutter die Gottesmutter Maria sehen, in meiner Schwester Carmen die heilige Theresia oder die kleine Theresia, und in Guitín (so nannte er seinen kleinen Bruder Santiago mit Kosenahmen) den heranwachsenden Jesus.“

In diesem selben Jahr brach die Religionsverfolgung in Spaniel aus. Am 14. Oktober wurde ihm bekannt, dass der berühmte Artikel 26 der Verfassung angenommen worden war, der die Vertreibung der Gesellschaft Jesu vorsah. Am selben Nachmittag noch suchte er seinen Beichtvater im Stadtteil Chamartín auf. Die Gefahr betraf allerdings nicht nur die Jesuiten. Alle Klöster und Gebäude von Ordensleuten waren von Überfällen bedroht. Katholische Studenten hielten zum Schutz Nachtwache vor diesen Gebäuden. Am 15. Oktober, dem Fest der heiligen Theresia von Avila, klopfte der Kaplan an die Tür der Klausur. Die Schwestern waren durch das bedrohliche Gemunkel verängstigt und er versuchte, sie mit Worten voller Wärme und Optimismus zu beruhigen.
“Heute war ich in der Klausur von Santa Isabel und habe die Schwestern aufgemuntert. Ich sprach vom Kreuz, von der Liebe und von der Freude, aber auch vom Sieg. Keine Angst zulassen! Das wäre der Anfang vom Ende. Die Freude, die ich heute habe, hat mir die heilige Theresia erwirkt, eine übernatürliche Freude, da ich doch, rein menschlich gesehen, traurig sein müsste – wenn ich bedenke, wie es um die Kirche und um meine eigenen Dinge (die nicht gut laufen) steht. Mehr Glauben, mehr Sühne und darüber hinaus, vor allem mehr Liebe! Heute morgen musste ich zwei Ziborien leeren, damit das Allerheiligste nicht in der Kirche verbleibt. Fast ein halbes Ziborium habe ich konsumiert, nachdem ich schon jeder der Schwestern mehrere Hostien gereicht hatte.“

Die Ordensfrauen dankten ihm auf ihre Weise für seine ermutigenden Worte: „Beim Verlassen der Klausur haben sie mir an der Pforte eine kleine Statue vom Jesuskind gezeigt, die wunderbar ist. Ich habe noch nie einen so schönen Jesus gesehen! Köstlich! Sie nahmen ihm das Stoffkleid ab, und da liegt er, die Arme über der Brust gekreuzt, die Augen halb offen. Wunderbar! Mehrmals habe ich ihn geküsst – gern hätte ich ihn mitgenommen!“

Der Weg, das bekannteste Buch des hl. Josefmaria, ist mit einigen Schriften des heiligen Johannes vom Kreuz verglichen worden, die einfach als „Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen“ bezeichnet werden. Einige Autoren wie Ibánez Langlois verkennen nicht die bestehende Verbindung zwischen Escrivá de Balaguer und den Klassikern der spanischen geistlichen Literatur, unter denen er jedoch mehr als Johannes vom Kreuz der heiligen Theresia von Avila den ersten Platz gibt. So schreibt er: „Im Siglo de Oro ist es die heilige Theresia, zu der sich eine spürbare literarische Nähe zeigt. Denn so wie sie eine umgangssprachliche und zugleich mitreißende Prosa schreibt, die weit entfernt ist von jedweder Anmaßung, Literatur zu schreiben und ohne dass wir wissen, ob es ihr Wunsch gewesen wäre, als Schriftstellerin zu gelten, so ist es auch bei Josemaría Escrivá. Er ist ein echter Literat, sprach aber selbst davon, lediglich Aufzeichnungen aus seiner Gewissenserforschung, Familienbriefe und persönliche Anmerkungen, die aus seinem Gebet erwuchsen, nieder zu schreiben...“

Dieser Einfluss der heiligen Theresia auf den Stil des Gründers des Opus Dei wird auch deutlich in einigen Punkten im Weg, in denen er die große Heilige von Avila zitiert.

Wille. - Energie. - Beispiel. - Tun, was zu tun ist... Kein Zaudern... Keine falsche Rücksicht...
Ohne das wäre Cisneros nicht Cisneros geworden, Theresia von Ahumada keine heilige Theresia von Avila und Iñigo von Loyola nicht der heilige Ignatius...
Gott und Kühnheit! »Regnare Christum volumus!«
Der Weg, 11

Freier Mensch, unterwirf dich zu freiwilligem Dienst, damit Jesus von dir nicht sagen muß, was Er der heiligen Theresia von anderen gesagt haben soll: »Theresia, ich wollte..., aber die Menschen haben nicht gewollt.«
Der Weg, 761

Kühnes Kind, rufe: Welche Liebe der Theresia von Avila! - Welcher Eifer des Franz Xaver! - Was für ein bewundernswerter Mann, der heilige Paulus! - Ach, Jesus, ich... liebe Dich mehr als Paulus, Xaver und Theresia!
Der Weg, 874

Bitte Jesus nicht allein für deine Schuld um Verzeihung; liebe Ihn nicht nur mit deinem Herzen... Biete Ihm Genugtuung an für alle Beleidigungen, die man Ihm angetan hat, Ihm antut, Ihm antun wird... Liebe Ihn mit der Kraft der Herzen aller Menschen, die Ihn am meisten geliebt haben.
Sei kühn: sage Ihm, daß du verrückter nach Ihm bist als Maria Magdalena, als die große und die kleine Theresia..., noch närrischer als Augustinus, Dominikus und Franzis-kus, mehr noch als Ignatius und Franz Xaver.
Der Weg, 402

Vom heiligen Joseph sagt die heilige Theresia in ihrer Lebensbeschreibung: »Wer keinen Lehrer für das Beten findet, der nehme sich diesen großen Heiligen als Lehrer, und er wird den Weg nicht verfehlen.« - Der Rat stammt von einem erfahrenen Menschen. Du kannst ihn ruhig annehmen.
Der Weg, 561

Eine schlechte Nacht in einem schlechten Wirtshaus. - So soll die heilige Theresia von Avila unser irdisches Leben genannt haben. - Ist das nicht ein treffender Vergleich?
Der Weg, 703

Langsam. - Bedenke, was du sagst, wer es sagt und zu wem. - Denn dieses eilige und unbedachte Sprechen ist Lärm, blecherner Lärm.
Ich sage dir mit der heiligen Theresia, daß ich das nicht beten heiße, auch wenn du die Lippen kräftig bewegst.
Der Weg, 85

Auch in anderen Schriften des hl. Josefmaria scheinen seine Verehrung der Heiligen von Avila und seine Zuneigung zu ihr durch:

Ich möchte diese Zeit des Gesprächs vor dem Herrn mit einer Notiz fortsetzen, die ich schon vor Jahren benutzt habe und die auch heute noch aktuell ist. Damals schrieb ich mir folgenden Gedanken der heiligen Theresia von Avila auf: Alles, was vergänglich ist und Gott mißfällt, ist nichts und weniger als nichts. Begreift ihr, warum eine Seele keinen Frieden und keine innere Ruhe mehr findet, wenn sie sich von ihrem Ziel entfernt und ver-gißt, daß Gott sie für die Heiligkeit geschaffen hat? Seht also zu, daß ihr niemals die Aus-richtung auf das Übernatürliche verliert, nicht einmal in Zeiten der Entspannung oder der Erholung, die ja ebenso nötig sind wie die Arbeit.
Freunde Gottes, 10

Dieses kleine Wort - immer - hat Theresia von Avila groß gemacht. Als sie noch ein kleines Mädchen war, verließ sie durch die Puerta del Adaja die ummauerte Stadt zu-sammen mit ihrem Bruder Rodrigo; sie wollte zu den Heiden gehen und für Christus ge-martert werden; und unterwegs flüsterte sie ihrem ermüdeten Bruder ins Ohr: für immer, für immer, für immer.
Freunde Gottes, 200

Ein Mensch, der glaubt, wird das Irdische richtig einschätzen; er weiß, daß - nach einem Wort der heiligen Theresia von Avila - das Leben hier wie eine schlechte Nacht in einer schlechten Herberge ist. Immer wieder erneuert er die Einsicht, daß unser Leben auf Erden eine Zeit der Arbeit und des Kampfes ist, uns gegeben, damit wir uns läutern und gegenüber der göttlichen Gerechtigkeit die Schuld für unsere Sünden tilgen. Der Glaubende weiß auch, daß die irdischen Güter nichts weiter als Mittel sind, und als solche setzt er sie ein, großzügig und heroisch.
Freunde Gottes, 203

Die heilige Theresia von Avila versichert uns: »Wenn jemand nicht betet, bedarf es nicht einmal des Teufels, um ihn zu versuchen. Wer jedoch auch nur eine Viertelstunde am Tag betet, gelangt mit Sicherheit zum Heil.«
Und zwar deshalb, weil das Gespräch mit dem Herrn - ein liebenswertes Gespräch auch zu Zeiten, da die Seele wie erstarrt und trocken ist - uns die wahre Perspektive und die eigentliche Dimension unseres Lebens erschließt.
Sei ein Mensch, der betet!
Im Feuer der Schmiede, 1003

Diejenigen, die mit ihm enger zusammen gelebt haben, wissen außerdem Geschehnisse und Worte aus seiner Verkündigung zu erzählen, in denen sich häufig die Spur, die die heilige Theresia in seiner Seele hinterlassen hatte, erkennen ließ. Der selige Alvaro del Portillo erinnert sich: „Schon den ersten Mitgliedern des Opus Dei empfahl der Vater, es sei ein guter Weg für das Wachsen im inneren Leben, »jedem Tag der Woche eine bewährte Andachtsübung zuzuordnen: die Verehrung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, die Eucharistie, das Leiden des Herrn, die Mutter Gottes, den heiligen Josef, den Schutzengel, die Armen Seelen im Fegfeuer.« Wie immer entstammte dieser Rat seiner persönlichen Erfahrung. So hielt er es schon seit vielen Jahren. Sein Leben der Frömmigkeit war vor allem auf die Allerheiligste Dreifaltigkeit ausgerichtet, auf den einen und dreifaltigen Gott, die drei Personen in Gott: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist; auf unseren Herrn Jesus Christus, vor allem in seiner Gegenwart unter den eucharistischen Gestalten, auf sein Leiden und auf die Jahre seines verborgenen Lebens in Nazareth; auf die Gottesmutter; den heiligen Josef; die heiligen Engel und Erzengel; die Heiligen, insbesondere die Apostel und jene Heiligen, deren Fürsprache er konkrete apostolische Aspekte des Werkes anvertraut hat: Katharina von Siena, Nikolaus von Bari, Thomas Morus, Papst Pius X., Johannes Maria Vianney und andere Heilige wie den Mönchsvater Antonius, Theresia von Avila … und die ersten Christen.”

Als Javier Echevarría sich auf den vertrauten Umgang des hl. Josefmaria mit Gott, seinem Vater, bezog, der auch Müdigkeit und Schwierigkeiten standhielt, erzählte er: „Niemals habe ich ihn mutlos, voller Zweifel oder unruhig erlebt. An seiner Seite spürte man förmlich die Wahrheit seiner Wort, die er von der heiligen Theresia von Avila übernommen hatte: ‚Wer Gott hat, dem fehlt nichts.’ 1966 fasste er gleichsam seine innere Verfasstheit zusammen: ‚Angst und Traurigkeit stehen im krassen Widerspruch zur natur Gottes selbst, der die Glückseligkeit im höchsten Grad ist. Wenn ihr müde seid, dann sagt es Gott; wenn ihr auf große Schwierigkeiten stoßt, überlasst alles den Händen Gottes. Vermeidet jedoch, darauf möchte ich bestehen, eine Haltung, aus der jemand schließen könnte, dass das Joch des Meisters nicht sanft und letztlich ein Joch der Liebe ist.“

Der hl. Josefmaria empfand zeit seines Lebens eine große Liebe zum Ordensstand. Immer, wenn er konnte, besuchte er die Klöster, die ihn einluden. Während seiner katechetischen Reise durch Chile handelte die Priorin des Karmelinnenklosters in Pedro de Valdivia entsprechend dem Ideal ihrer Gründerin, der heiligen Theresia von Avila: „Du erreichst so viel, wie du erhoffst“, und lud den Gründer des Opus Dei in ihr Kloster ein. Der widersetzte sich diesem Argument nicht und machte sich auf, den Schwestern noch am gleichen Morgen, an dem er ihren Brief erhalten hatte, einen Besuch abzustatten. „Ich habe eine große Liebe zur kontemplativen Berufung – so sagte er ihnen –, weil wir im Opus Dei mitten auf der Straße beschaulich sin. Wir verstehen euch daher sehr gut, und die Karmelittinnen der ganzen Welt verstehen uns sehr gut und helfen uns mit ihrem Gebet. Und um das Almosen des Gebetes zu bitten ist auch ein Grund meines Besuches: betet!“ Die Schwestern erinnern sich daran, dass seine Worte eine Wohltat für ihre Seelen waren und er ihnen außerdem den Gaumen mit den Pralinen verwöhnte, die er als Geschenk mitgebracht hatte.


*Quellen:
Andrés Vázquez de Prada, Der Gründer des Opus Dei, Bd. 1
Javier Echevarría: Entrevista con don Salvador Bernal, Memorias del Beato Josemaría
Álvaro del Portillo, Über den Gründer des Opus Dei
José Miguel Ibáñez Langlois, Josemaría Escrivá como escritor
Josemaría Escrivá de Balaguer, Der Weg
Josemaría Escrivá de Balaguer, Im Feuer der Schmiede
Josemaría Escrivá de Balaguer, Freunde Gottes
www.opusdei.org


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