Heiliger Josefmaria Escrivá. Gründer des Opus Dei
 

So wird die Liebe stark wie der Tod

Der hl. Josefmaria sprach oft davon, dass seine Eltern sich sehr gern hatten: „Man spürte förmlich ihre Liebe.“ In dieser Abschlussrede spricht der Prälat des Opus Dei über die Berufung zur Ehe, eines der wichtigen Themen der Botschaft des Opus Dei von der Berufung des normalen Christen zur Heiligkeit.

Die Familie ist eine Schule der Liebe, an erster Stelle für die Frau und den Mann, die beschließen zu heiraten. Dazu sagte der Gründer des Opus Dei: „Ich versäume keine Gelegenheit, um denen, die Gott zur Gründung einer Familie berufen hat, zu sagen, dass sie stets versuchen sollen, sich mit der gleichen freudigen Liebe zu begegnen, die sie als Brautleute zueinander hegten. Welch armselige Auffassung von der Ehe, die doch ein Sakrament, ein Ideal und eine Berufung ist, hat derjenige, der meint, die Liebe habe aufgehört, wenn die Sorgen und Schwierigkeiten beginnen, die das Leben stets mit sich bringt. Gerade dann festigt sich die Liebe. Selbst großes Leid und große Widrigkeiten können die wirkliche Liebe nicht zum Erlöschen bringen; im Gegenteil: das gemeinsame, großzügig getragene Opfer verbindet nur noch enger.“

„Die Ehe schließ eine Berufung ein“, sagt uns der hl. Josefmaria in diesen Zeilen und greift damit Gedanken auf, die er seit den ersten Zeiten der Gründung des Opus Dei predigte. Mit der Hilfe Gottes, die nie fehlen wird, können Mann und Frau in der Liebe ausharren, und durch diese Liebe wird es für sie möglich und zugleich anziehend, als Christen zu reifen, was mit einschließt, bessere Menschen zu werden.

Manchmal darf man sich streiten, aber nicht oft
Wenn diese Bereitschaft vorhanden ist, dann zeigt sich die Ehe wirklich als eine Berufung, als ein Weg, um Gott zu begegnen. Wie auf jedem Weg werden auch auf diesem die Schwierigkeiten nicht fehlen. Manchmal sind Mann und Frau verschiedener Meinung und können sich nicht einigen; vielleicht versucht auch der Egoismus, in ihren Herzen Land zu gewinnen. Darauf müssen sie gefasst sein und dürfen sich nicht überrumpeln lassen. Der hl. Josefmaria war sehr übernatürlich, aber zur gleichen Zeit sehr menschlich; daher sah er diese natürlichen Schwierigkeiten in der Ehe voraus: „Da wir Menschen sind, wird es schon einmal Streit geben; aber wenig. Und dann müssen beide zugeben, dass sie schuld sind und zueinander sagen: Verzeih mir! Und sich fest umarmen … Und weiter!"

So wird die Beziehung der Eheleute zu einer ständigen Gelegenheit, füreinander da zu sein. Der Alltag wird für sie zu einem Ort, an dem sie nach und nach lernen, dass sie einander ganz und gar gehören, wie sehr sie sich einander verdanken. In diesem wunderbaren Klima des Vertrauens, der Loyalität, der Aufrichtigkeit und der Liebe, der wirklichen Hingabe, werden sie zudem bereit, die Kinder anzunehmen, die Gott ihnen anvertrauen will, und die gleichzeitig Frucht ihrer Liebe sind.

Sich ehrlich ins Gesicht sehen
Wenn jemand ehrlich dieses Ideal in die Tat umsetzen will, dann ist es für ihn unabdingbar, feinfühlig die Keuschheit zu leben, auch in der Ehe. In keinem Fall darf die Ausübung der Sexualität – die etwas Gutes und Schönes und von Gott gewollt ist – ihren edlen und ursprünglichen Sinn verlieren. Ich erinnere euch mit Worten des hl. Josefmaria daran:“Wenn die Liebe die eheliche Keuschheit einschließt, ist das eheliche Leben Ausdruck einer wahrhaftigen Haltung, Mann und Frau verstehen sich und fühlen sich vereint. Wenn aber das göttliche Gut der Sexualität sittlich verfällt, geht die Intimität verloren, und Mann und Frau können sich nicht mehr in die Augen sehen.
Das Leben der Eheleute soll getragen sein von einer aufrichtigen und lauteren Liebe und von der freudigen Haltung, so viele Kinder zu haben, wie Gott ihnen ermöglicht, auch, wenn nötig, unter Verzicht auf persönliche Annehmlichkeiten und im Glauben an die göttliche Vorsehung. Wenn eine kinderreiche Familie Gottes Wille ist, sind darin Glück und Wirksamkeit verbürgt, mögen auch die irregeleiteten Verfechter eines traurigen Hedonismus das Gegenteil behaupten.“

Das Geheimnis ehelichen Glücks
Normalerweise wird sich die eheliche Liebe, wie jede andere reine Liebe, gerade in kleinen Dingen zeigen. Der hl. Josefmaria sprach oft davon, wie wichtig in den unterschiedlichen Facetten des christlichen Lebens das ist, was klein scheint, aber groß ist, wenn es aus Liebe getan wird. So ermunterte er zum Beispiel alle zu einem persönlichen und innigen Umgang mit Gott in den normalen Lebensumständen. Denn die Beziehung zu Gott hat den Charakter eines familiären Umgangs, da wir seine Kinder sind und er unser Vater ist. Daher wandte der hl. Josefmaria seine Erwägungen über die göttliche Liebe auf die menschliche Liebe an, auf das Leben unserer Familien – und umgekehrt. Ich erwähne das ganz bewusst noch einmal und verwende dafür Worte aus seiner Verkündigung, um zu unterstreichen, dass jede Kleinigkeit ihren Sinn hat. So sagte er: „Das Geheimnis des ehelichen Glücks ist im Alltäglichen zu finden und nicht in Träumereien. Es liegt in der verborgenen Freude, die es macht, nach Hause zu kommen; es liegt im liebevollen Umgang mit den Kindern, in der alltäglichen Arbeit, bei der die ganze Familie mithilft; in der gelassenen Art, Schwierigkeiten zu begegnen und sie mit sportlicher Haltung zu überwinden; und schließlich liegt es auch in einem rechten Ausnützen der Errungenschaften, die uns die moderne Technik bietet, um die Wohnung angenehmer und das Leben einfacher zu machen und uns eine umfassendere Bildung zu verschaffen.“

Das Vorbild jeder Familie
Der Gründer des Opus Dei riet den Eheleuten, sich die Heilige Familie zum Vorbild zu nehmen und sich zu bemühen, durch die tägliche Hingabe das Familienleben in einen Vorraum des Himmels zu verwandeln. Ich meine noch zu hören, was er über das Haus von Nazareth sagte: Dort denkt niemand nur an sich; alles wurde den Plänen Gottes unterworfen, jeder sorgte sich ununterbrochen um den anderen. Immer neu betrachtete der hl. Josefmaria die Szenen des Evangeliums, die von der Heiligen Familie erzählen. Er versetzte sich gerne mit seiner Vorstellungskraft in ihr Heim, sozusagen als ein Bewohner mehr, und dachte über das gewöhnliche Alltagsleben von Jesus, Maria und Josef nach. Diese Gewohnheit ließ ihn wertvolle Erkenntnisse sammeln für die Gläubigen des Opus Dei und für alle, die kamen, um von ihm einen Ratschlag zu erbitten.

Quelle: Abschlussrede des Prälaten des Opus Dei beim Internationalen Kongress zu Familie und Gesellschaft in der internationalen Universität von Katalonien (Barcelona, 17. Mai 2008)




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