Persönliche Zeugnisse

Wie ist Gott?

Kristina Simon, Schweden

8 Januar 2009

Stichwörter: Freundschaft, Apostolat, Studium, Inneres Leben, Normaler Alltag
Ich bin in Stockholm geboren und habe immer hier gelebt. Ich hatte das Glück, in einer tief christlichen Familie aufzuwachsen: mein Vater ist katholisch, meine Mutter evangelisch; ich habe noch 3 Brüder. Alle vier wurden wir katholisch getauft, als wir noch ganz klein waren. Von Anfang an wurden wir christlich erzogen, in einer Atmosphäre der Freiheit.

Gott gehörte er von Kind auf zu meinem Leben, da der Glaube in meiner Familie einen ziemlich hohen Stellenwert hatte und auch häufig Thema der familiären Gespräche war. Dadurch entstand in meinem konkreten Leben eine Art "Sicherheitsfaktor", auf den ich mich immer verlassen konnte. Ich hatte eine Beziehung zu Gott, ich betete zu ihm, wie es mir meine Eltern beigebracht hatten - aber mir fehlte doch ein persönlicher und beständiger Umgang mit ihm. Als in mir der Wunsch aufbrach, Gott noch besser kennenzulernen und eine innigere, freundschaftliche Beziehung zu ihm zu entwickeln, spielten die Schriften des heiligen Josefmaria eine entscheidende Rolle.

Ich erfuhr von der Botschaft von Msgr. Escrivá de Balaguer durch Erzählungen anderer Leute. Außerdem las ich sein Buch Der Weg, das damals die einzige auf schwedisch übersetzte Lektüre von ihm war. Nach und nach habe ich den Heiligen immer besser kennengelernt, wobei sich meine ersten Eindrücke über seinen Geist bewahrheiteten und ich sie mit der Zeit noch ausweiten und vertiefen konnte.

Das erste, was mich am Gründer des Opus Dei begeisterte, war seine menschliche Art, die gleichzeitig auch gottnah war. Ich spürte in seinen Schriften eine einzigartige menschliche Wärme und Liebe, gepaart mit einer echten und uneigennützigen Sorge um jeden Menschen. Der heilige Josefmaria drückte die Einheit zwischen dem, was zum Menschen gehört, und der göttlichen Sphäre durch eine sehr plastische Idee aus: Himmel und Erde scheinen sich am Horizont zu vereinigen; aber nein, in unseren Herzen ist es, wo sie eins werden, wenn wir heiligmäßig unseren Alltag leben (vgl. Gespräche mit Msgr. Escrivá de Balaguer, Nr. 116).

Dieser Aspekt der Spur des Göttlichen in allem Menschlichen zog mich sehr an und weckte in mir den Wunsch, noch mehr von ihm zu lesen. Je mehr ich mich dann darin vertiefte, desto fester wurde meine Überzeugung, dass ich mein Glaubensleben ernst nehmen mußte. Das hieß unter anderem, Gott in die täglichen Gewohnheiten hineinzuholen, regelmäßig zu beten ... das gedachte ich anhand seiner einfachen und verständlichen Ratschläge zu schaffen, die wie perfekt auf mein Leben als Schülerin zugeschnitten waren. Um mit Gott und für Gott zu leben bedarf es keiner außergewöhnlichen Werke oder Umstände. Gott erwartete mich im Studium, im Umgang mit meiner Familie und meinen Freunden, sowohl in Augenblicken voller Glück und Zufriedenheit als auch in schmerzlichen und leidvollen Situationen.

Weiter war für mich ganz entscheidend, tiefer zu verstehen, wie Gott ist. Auch das lernte ich vom Gründer des Opus Dei, der mir auf anschauliche und lebendige Art nahebrachte, dass Gott ein Vater und Freund ist, der stets in meiner Nähe ist. Er liebt mich mehr als alle Mütter und Väter auf der ganzen Welt ihre Kinder lieben können und wünscht nichts sehnlicher als dass ich ihn ebenso wiederliebe. Dieses Gottesbild straft jene Sicht Lügen, die Gott darstellt als jemand, der mir nur Hindernisse in den Weg legt oder mir Dinge verbietet. Ich erkannte nach und nach, daß Gott die einzig wahre Erfüllung meines Lebens – das von ihm ausgeht und daher auch auf ihn ausgerichtet sein sollte – und die Antwort auf meine kühnsten Träume ist. Ich habe auch eingesehen, dass sein Wille mein Glück bedeutet. Er ist ja mein Schöpfer, der die vollkommenste Einsicht in das "Funktionieren" seiner Geschöpfe – die sein Werk sind – besitzt. Das, was Gott von mir will, nicht erkennen und tun wollen, würde bedeuten, die Mittel zu verschmähen, die Gott mir anbietet, um glücklich zu werden.

Ein weiterer Aspekt der Verkündigung des heiligen Josefmaria, der sehr hilfreich war, ist sein unerschütterlicher Optimismus. Dieser ist charakteristisch für seine Sicht des Lebens im allgemeinen, aber so denkt er auch über unsere konkreten Möglichkeiten, Gott immer mehr zu lieben und besser zu werden. Dabei ist er keineswegs naiv und flüchtet auch nicht in eine Phantasiewelt, weil sich die Wirklichkeit als zu hart, als "unerträglich" darstellt. Der heilige Josefmaria ist im Gegenteil ein höchst realistischer Mensch. Er hatte eine große Liebe zur Wahrheit und zur Wahrhaftigkeit.

Der Optimismus des Heiligen fußt denn auch auf der Realität, wenn er davon überzeugt ist, dass wir Menschen Gottes vielgeliebte Kinder sind, und dass dieser Gott nur auf unser Wohlergehen bedacht ist. Und wenn er Schwierigkeiten verschiedenster Art schickt, möchte er uns dadurch helfen, reifer zu werden und uns liebevoll mit dem Leiden Christi am Kreuz zu verbinden.
Auf diese Weise lernte ich, aufkommende Schwierigkeiten mit "sportlichem Geist" und Vertrauen auf Gott zu überwinden. Diese Einstellung half mir z. B. auch, an meinen Überzeugungen festzuhalten und kohärent in meinem Verhalten als junge Christin zu sein. Meine Mitschüler, Freunde und Bekannten verstanden nämlich meine Entscheidung, den Glauben ernst zu nehmen, nicht und "zogen" mich in die andere Richtung.

Der auf Gott und seine Vorsehung gegründete Optimismus, den ich von diesem Heiligen gelernt habe, führt notwendigerweise zu innerem Frieden und zur Freude, und das merken die Leute und schätzen es auch. Nach drei Jahre gemeinsamer Schulzeit sagte mir z.B. beim Abitur ein Mitschüler, mit dem ich nicht gerade viel Kontakt gehabt hatte: "Danke, daß du in den drei Jahren immer so froh und freundlich gewesen bist!"

Durch den Weg bekam ich viele Anregungen für mein Anliegen, andere Menschen zu Gott zu führen; vor allem der erste Punkt darin machte mir klar, dass ich als Christin verantwortlich bin, weiterzugeben, was ich bekommen hatte.
Diese Verantwortung wurde mir immer besonders bewusst, wenn Leute zu mir sagten, ich sei die einzige junge Christin, die ihnen bisher begegnet sei.

Dieser Einsatz, andere Gott näher zu bringen, bedeutete für mich immer - auch heute noch - eine tiefe Freude, da ich überzeugt bin, dass einem nichts besseres passieren kann, als Gott zu entdecken und kennenzulernen! Meinen Freunden dabei zu helfen, ist daher eine unmittelbare Konsequenz meiner Liebe zu ihnen. Obwohl es den Anschein haben mag, dass manche von Gott nichts wissen oder hören wollen – in Wirklichkeit ist es nicht so. Selbst in einem Land wie dem meinen, wo sehr viele Leute fern von Gott leben, gibt es im Grunde einen großen Hunger nach Gott.

Dies zu wissen hilft mir, mit meinen Freunden ohne Angst oder allzu vorsichtig über Gott zu reden. Ich habe mein Christsein und die sich daraus ergebenden Folgen für mein Leben nie geheimgehalten. Im Gegenteil, ich habe beständig Gelegenheiten gesucht, es mit Worten oder durch das Beispiel eines konsequent gelebten Glaubens zu bezeugen. Obwohl ich des öfteren gegen den Strom schwimmen mußte, was natürlich nicht ganz leicht war, habe ich oft erlebt, dass ein offenes und mutiges Gespräch über Gott sich vielfach ausgezahlt hat. Mit Gottes Hilfe konnte ich mehreren Leuten, die konvertiert haben oder überhaupt dem Glauben näher gekommen sind, auf diesem Weg begleiten. Das alles habe ich vom heiligen Josefmaria gelernt.

Übrigens war ich in meiner Oberstufenklasse die einzige, die katholisch war und dazu noch praktizierte. Am ersten Tag kam ich mit einem Mitschüler, der neben mir saß, ins Gespräch. Dadurch erfuhr dieser, dass ich katholisch war. Am gleichen Tag hatten es fast alle aus der Klasse durch ihn auch schon erfahren. Später führten wir häufig Gespräche über religiöse und moralische Themen. Am Anfang war ich die einzige, die den Glauben verteidigte, aber 2 Jahre später waren wir schon zu zweit: Eine Freundin aus der Klasse hatte konvertiert und war getauft worden. Sie hatte den katholischen Glauben durch die Schriften des heiligen Josefmaria näher kennengelernt. Was auch sie dabei weitergebracht hatte, war die Entdeckung der Freude als wesentliches Element seiner Botschaft.

Meiner Meinung nach können seine Aussagen jungen Leuten - oder den Menschen mit jugendlichem Geist – immer auf ihrem Glaubensweg weiterhelfen. Was er zu sagen hat – dass es darum geht, Gott in gerade in den persönlichen Lebensumständen zu begegnen – passt eigentlich immer und wird daher nie aus der Mode kommen. Und gleichzeitig hält diese christliche Lehre dem Anspruch stand, echte, unveränderliche Werte anzubieten.

Josemaría Escrivá zeigt einen anspruchsvollen, aber keineswegs traurigen Weg zu Gott – genau das, was jeder Mensch, insbesondere der junge Mensch, sucht.