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Persönliche Zeugnisse

Wenn die Leidenden Kinder sind

Leon Tshilolo, Kinderarzt und Hämatologe, Demokratische Republik Kongo

11 Januar 2009

Stichwörter: Lehre, Krankheit, Eucharistie, Jesus Christus
Im Kongo leiden fast 2% der neugeborenen Kinder unter einer erblichen Blutkrankheit, der sogenannten Sichelzellenanämie (Sickle Cell Anemia, SSA). Charakteristisch für diese Krankheit sind starke Schmerzanfälle, schwere Anämie und gefährliche Infektionen, sowie eine hohe Sterblichkeitsrate, besonders unter den Neugeborenen.

Jolie, ein siebenjähriges Waisenkind, das von seiner Großmutter aufgezogen wird, wurde von einer ambulanten Krankenstation nach Monkole geschickt. Sie war in einem beklagenswerten Zustand, krümmte sich vor Schmerzen und hörte nicht auf zu weinen.(...) Die Diagnose der Ärzte: Sichelzellenanämie, verbunden mit einer fortgeschrittenen Lungenentzündung.

Mich erinnert das doppelte S von SSA immer an S wie ‚Suffering’ (Leiden) und S wie ‚Salvation’ (Erlösung). Und damit an Ihn, an Christus. "Kind. Kranker. Seid ihr nicht versucht, diese Worte ganz in großen Buchstaben zu schreiben? Für einen in Ihn verliebten Menschen sind die Kinder und die Kranken wirklich Er." (Der Weg, 419)

Durch Hunderte von Fällen dieser Art begegnen wir in unserem Beruf Christus. Er hält oft inne, wenn Er an mir vorbeigeht, schaut mich an und spricht zu mir. Nur in so enger Berührung mit Leid und Schmerz, vor allem mit dem Leiden eines Kindes, entdeckt man Ihn. Diese SS-Kinder sind für mich ein wahrer Schatz; sie ermöglichen mir, mich in meinem gewöhnlichen Leben zu heiligen, Christus bei der Ausübung meines Berufes sehr nahe zu sein. Unser Krankenhaus ist durch die Gnade Gottes zu einem zweiten Golgotha geworden, denn dort ruft Er uns, dort stehen wir zusammen mit seiner Mutter unter dem Kreuz.

Ich habe diese Kinder sehr gern, weil sie das Kreuz Christi geradezu in ihrem Blut tragen. In diesem Blut, das die Ursache der Schmerzen in ihrem ganzen Körper ist. (...)

Dieses Blut läßt mich auch an das Blut denken, das der Priester jeden Morgen im Kelch erhebt und zu dem ich das Opfer meiner täglichen Arbeit hinzufüge.

Das Leiden dieser Kinder ist wirklich fruchtbar, denn um ihretwillen wird im Zentrum von Monkole vieles unternommen. Den Anfang bildeten Initiativen, deren kultureller und geistlicher Charakter in engem Zusammenhang mit der Botschaft des heiligen Josemaría Escrivá steht.

Inzwischen gibt es eine Studiengruppe, die sich “Club der Roten Blutkörperchen” nennt. Dort bemühen sich 10 Ärzte, diese Krankheit besser kennenzulernen. In Zusammenarbeit mit Universitätsprofessoren und Experten aus dem Westen ist ein Aufbaukurs in Genetik ins Leben gerufen worden, damit sie auf dem neuesten Stand dieser Krankheit sind. Unter Mitarbeit einer NGO und über ein Programm zur Gesundheit in der Schule wurde eine bewusstseinsbildende Inormationskampagne lanciert, um Lehrern wie Schülern, besonders die Heranwachsenden, pädagogische Handreichungen zu geben. Schließlich und endlich ist im Kongo das erste Programm für das Studium der Drepanocitosis für Neugeborene eingeführt worden. Dabei unternehmen wir alles, um die Last der medizinischen Kosten für die Familien möglichst niedrig zu halten, denn in unserem Land existiert keine Krankenversicherung. Die Arztbesuche, die Arzeneimittel und jede andere medizinische Dienst sind in der sozialen Kategorie A eingeschlossen.

Unser Kampf um das Leben dieser Kinder findet zudem in einem Land statt, in dem ipermanente wirtschaftliche wie gesellschaftliche Notstände jeder Art an der Tagesordnung sind. Auch das persönliche Leben gestaltet sich schwierig. Die Kraft für unseren Einsatz kann uns nur aus dem Schmerz, aus dem Leiden dieser SSA-Kinder selber kommen. "Gesegnet sei der Schmerz. Geliebt sei der Schmerz. Geheiligt sei der Schmerz. Verherrlicht sei der Schmerz" (Der Weg, 208).