Persönliche Zeugnisse

Was ist da passiert?

Von einer radikalen atheistischen Feministin zu einer katholischen Hausfrau und Mutter

20 Oktober 2010

Stichwörter: Kohärenz, Wahrheit, Berufung
Seit ungefähr 17 Jahren bin ich (Cindy Simmons) Mitglied im Opus Dei. Das bereichert mein ganzes Leben, weil es mir hilft, alles aus einer übernatürlichen Sichtweise zu verstehen. Als ich zum Opus Dei gekommen bin, veränderte sich in meinem Glauben nichts. Aber ein Mitglied zu sein hilft mir, meinen Glauben jeden Tag und sogar jede Minute jeden Tages zu praktizieren.

Ich betrachte alles im Licht meines Glaubens. Alles was ich tue, tue ich zur größeren Ehre Gottes. Ich kann nicht faul in meiner Arbeit oder eine unglaubwürdige oder unloyale Freundin sein – also z.B. schlecht über sie reden. Wenn ich einen harten Tag hatte, nehme ich ihn als eine Gelegenheit an, Gott mehr Ehre zu geben, indem ich alles gut mache, auch wenn ich mich schlecht fühle. Wenn ich schlechte Nachrichten erhalte, weiß ich, dass die Neuigkeiten an sich nicht wichtig sind, sondern wie ich sie aufnehme und verarbeite.

Ich liebe Mutter Teresas Aussage, dass es für Gott nicht wichtig ist, was wir tun, sondern wie wir es zu tun versuchen. Von meiner Erziehung her ist das ein weiter Weg gewesen, da Wissen und Erfolg, meistens materieller Art, am wichtigsten waren und Glück nur davon abhing.

Die Frauenbewegung
Ich bin in den 60ern und 70ern aufgewachsen, habe die High School 1975 und das College 1979 abgeschlossen. Meine Familie war sehr gebildet und gut informiert. Als ich ungefähr 8 Jahre war – ich erinnere mich sehr gut –, sprachen meine Mutter und meine Tante über "women`s lib". Zu der Zeit, als ich in die High school gegangen war, war die Frauenbewegung von meiner wohlhabenden jüdischen Kulturgemeinde gut integriert und angenommen worden. Von Natur aus hatte ich einen unabhängigen Geist, der Feminismus der 60er kam mir daher entgegen, wenn er sagte, dass ich mich ganz auf mich selbst verlassen sollte. Männer waren überflüssig und Religion unnötig. Ich betrachtete die Religion als Krücke und als ganz im Gegensatz zu meinem unabhängigen Geist stehend. Und ganz gewiss passte eine Religion wie der Katholizismus – sozusagen von Männern organisiert und geleitet – nicht zu meinen feministischen Idealen.

Ein Teil meiner mentalen Entwicklung wurde von der Scheidung meiner Eltern beeinflusst. Das war 1972, als das Schuldprinzip bereits ad acta gelegt worden war. Meine Mutter, die nach 25 Jahren von meinem Vater verlassen wurde, musste, nachdem sie ihr Leben der Familie gewidmet hatte, für sich selber sorgen. Und so betonte sie gegenüber meiner Schwester und mir, wie wichtig es ist, auf eigenen Füßen zu stehen. Frauen konnten sich nicht mehr von ihren Männern abhängig machen. Ich wurde mit der Vision erwachsen, dass ich mich mit einem guten Beruf selber ernähren würde. Heirat war nicht erstrebenswert. Ich wollte und brauchte keine Freunde, um mich wichtig zu fühlen. Ich habe nach Freundinnen gesucht, die ebenfalls stark waren und meine Ansichten teilten. Nicht, weil wir keine Jungens mochten. Aber sicherlich haben wir nicht nach ihnen um Rettung oder Unterstützung geschaut. Freunde oder Männer sollten völlig ebenbürtige Partner sein. Meine Erfüllung ersehnte ich mir durch meine Karriere. Selbst wenn ich mich verlieben würde, waren Heirat und Kinder in meiner Vorstellung keine charakteristischen Merkmale meines Lebens. Ich wollte nie „nur“ Hausfrau sein.
Leidenschaft für die Wahrheit

Gleich bedeutend mit „auf eigenen Beinen zu stehen“ war die Suche nach der Wahrheit. Wie bei Mahatma Gandhi war mir die Leidenschaft für die Wahrheit geradezu angeboren. "Aber, so war meine Überlegung, wie kann irgendjemand die Wahrheit kennen?" Ich habe viele verschiedene Religionen gesehen, die alle den Anspruch auf Wahrheit erhoben und ich habe viele Sünder in allen diesen Religionen gesehen. Ich hatte wenig religiöse Unterweisung erfahren und wurde in jungen Jahren Atheistin. Ich musste etwas anderes finden als Religion, um zur Wahrheit zu gelangen. Im Gymnasium entdeckte ich meine Leidenschaft für die Naturwissenschaften. Sie versorgte mich mit Antworten. Dummerweise dachte ich, dass das präzise Verständnis der natürlichen Welt alle Fragen, eingeschlossen die moralischen, beantworten könne. Dieser Trugschluss wurde verstärkt, als ich anfing, Ayn Rand zu lesen. Ihre Philosophie, die objektive Wahrheiten und Werte annimmt, ging mit meinen Vorstellungen konform. Wie Hank Reardon in "Atlas Shrugged" betonte ich die wenig intelligente Ansicht, das natürliche Gesetze unbedingte Moral seien.

Ich erinnere mich meines Professors im College, der uns (ungefähr 400 Studenten) im Unterricht über Mikrobiologie fragte ob unserer Meinung nach alles von der materiellen Welt her erklärt werden könne. Die meisten von uns bejahten das. Natürlich folgt daraus logischerweise, dass die Menschen keinen freien Willen haben. Wenn wir nur aus Chemie bestehen, werden unsere Reaktionen nur von den Gesetzen der Natur bestimmt, wie kann es also irgendeine richtige Entscheidung oder eine moralische Wahl geben? Wenn ich zu dieser Zeit klarer gedacht hätte, würde ich die Ungereimtheit meines Standpunktes gesehen haben, dass nämlich der Mensch frei, gleichzeitig aber von den Naturgesetze bestimmt sei. Mein Glaube an die Wahrheit und daran, dass der Mensch Verstand und einen freien Willen hat, führte mich zum Glauben an Gott und an die katholische Kirche.

In den ersten Tagen in Kalifornien traf ich meinen Mann
1983 habe ich mein Studium an der Universität von Minnesota mit einem Master in Biochemie abgeschlossen und bin in die Nähe von San Francisco umgezogen. Meine Schwester wohnte dort und außerdem herrschte in der Gegend Hochkonjunktur in genetischem Ingenieurwesen und Molekularbiologie. Schon am ersten Tag in Kalifornien habe ich meinen Mann kennengelernt. Wir haben zusammen viel Zeit mit wichtigen Themen verbracht, an denen wir beide trotz unterschiedlicher Ansichten interessiert waren. Er war Christ und dachte darüber nach, katholisch zu werden. Ich erinnere mich, dass ich ihm sogar sagte: "Nein, tu das nicht, alles andere, nur nicht katholisch werden." Christ zu sein war schlimm genug! Mit 25 Jahren war ich noch immer Atheistin und Feministin. Ich konnte einfach nicht erkennen, wie der katholische Glaube zu meinem feministischen Ideal passen sollte.

Glücklicherweise hatte Lance Geduld mit meinem Unverständnis gegenüber der katholischen Religion und Gott. Zuerst hat er meinen Widerstand gegen Gott abgebaut. Das war nicht so schwer, weil ich ja schon an die Wahrheit glaubte, und er studierte zudem Philosophie. Es ist nur ein kurzer, im Grunde zwingender Schritt von der Wahrheit zu Gott. Wir haben im Sommer geheiratet, nachdem Lance in die katholische Kirche eingetreten war, ein Jahr nachdem wir uns kennen gelernt hatten. Lance hat mich geheiratet, obwohl ich kaum an Gott glaubte, keine Katholikin war und auch nicht vorhatte, es zu werden. Meine Vorbehalte gegenüber der Kirche waren noch zu stark.

Von Gott zu Jesus und von Jesus zur katholischen Kirche
Von Gott zu Jesus und von Jesus zur katholischen Kirche – dieser Weg war reine Gnade. Wir führten viele Gespräche über Philosophie, Religion, Gott und den Atheismus. Es war für mich sehr schwierig, meine Vorurteile gegenüber der Kirche zu überwinden. Schließlich aber überzeugte ich micht von der Wahrheit der Kirche. Ich würde sagen, zu dieser Zeit war es alleine mit dem Verstand. Mein Ehemann war ein brillianter Philosoph und seine Argumente waren einfach überzeugend. Heute weiß ich, dass viele Gebete seitens meines Mannes und vieler Freunde und viel Gnade nötig waren, um mein hartes Herz für die katholische Kirche zu öffnen.

Abtreibung: Befreiung oder Ausnutzung
Eine der Hürden, die ich überwinden musste, war die Abtreibung aus der Sicht der Kirche. Wie können es zölibatäre Männer wagen, Frauen zu sagen, was sie mit ihrem Körper tun sollen? Ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich meinen anfänglichen Widerwillen überwunden und gesehen habe, dass die Stellung der Kirche eigentlich frauenfreundlich und für die Frauen war. Ein Forderung der Frauenbewegung ist, Frauen, die möglicherweise körperlich schwächer sind, gleich zu stellen und gleich zu behandeln. Schwäche alleine sollte eine Person nicht zu einer untergeordneten Stellung in der Gesellschaft verdammen. Es war Unrecht, diese Forderung nicht auch auf das ungeborene Leben auszuweiten. Der "Fötus" behinderte meine Freiheit. Die radikalen Feministinnen haben mit der Abtreibung geworben als einem Werkzeug, dass den Frauen helfen würde, sich frei zu fühlen. Aber was ich sah, war genau das Gegenteil. Abtreibung war ein Mittel zu ihrer Ausbeutung, nicht zu ihrer Befreiung.
Die sexuelle Revolution hat die Frauen nicht befreit, sondern dazu geführt, sie zu versklaven. Verhütungsmittel fördern im Mann die Vorstellung, dass die Frau immer für ihn zur Verfügung zu stehen hat. Verhütungsmittel haben den Weg geebnet, freien Sex zu haben ohne die dazu gehörige Verantwortung oder Verpflichtung.
Jede meiner Bekannten und Freundinnen, die eine Abtreibung hinter sich hatte, wurde von ihrem Freund dazu gezwungen. Alle diese Frauen haben nicht aus freiem Willen abgetrieben, sondern weil ihre Männer es wollten. Und das waren meine Freundinnen, die "starken Frauen"! Man sollte doch von ihnen erwartet haben, dass sie bedachter, stark und immun gegen Zwang wären. Aber ich sah, dass ihre Entscheidungen entgegen ihrer eigenen mehr mütterlichen Gefühle immens von ihrem Partner beeinflusst wurden.

Niemals war ich glücklicher in meinem Leben
Ich kann mir nicht vorstellen, jemals glücklicher in meinem Leben gewesen zu sein als bei meinem Eintritt in die katholische Kirche, 1986 an der Ostervigil. Ich kann nicht mehr genau sagen, an welchem Punkt ich die Lehren der Kirche nicht nur glaubte, sondern sie liebte. Der Reichtum, die Schönheit, die Wahrheit und vor allem die Gnade helfen mir jeden Tag, froh in meinem Glauben zu sein und mich zu bemühen, ihn besser zu leben. Mein Leben verläuft vollkommen unterschiedlich zu dem, was es sein würde, wenn ich nicht konvertiert hätte. Ich bin verheiratet und habe 7 Kinder, und ich bin sehr glücklich, die Ehe als eine Berufung zu sehen auf dem Weg zu Gott. Dieser Weg ist nicht immer leicht, aber ich könnte mir nicht vorstellen, ein anderes Leben zu führen.

Die ersten Jahre nach meiner Bekehrung ging es mir wie vielen Konvertiten, ich war ganz überschwänglich und glücklich im neu gefundenen Glauben. Ich wollte eine gute Katholikin sein. Ich hatte gute Freunde, die mich in die richtige Richtung steuerten. Aber da man auch Mensch ist, ist es nicht verwunderlich, dass auch die Leidenschaft eines Konvertiten nach einiger Zeit verblasst. Meine Begeisterung war manchmal siedend heiß und dann wieder lauwarm. Ich wusste nicht, wie ich meine Liebe zu Gott in einem Lebensplan kanalisieren konnte, der mir helfen würde, mein Innenleben zu pflegen und darin beständig zu sein, egal ob ich begeistert oder trocken war. Dabei hat mir das Opus Dei geholfen.

Das Opus Dei
Mein Ehemann und ich sind im August 1986 nach Notre Dame (South Bend, Indiana) umgezogen, damit er seinen Doktor in Philosophie in Angriff nehmen konnte. Einer seiner Mitstudenten hat uns einmal zu einem Treffen eingeladen, das vom Opus Dei veranstaltet wurde. Er hat mir auch von den Aktivitäten für Frauen erzählt, und so fing ich an, die Einkehrabende zu besuchen. Es war mir nicht immer danach zu gehen, aber wenn ich einmal da war, war ich dankbar, die Betrachtung und einen Vortrag über ein geistliches Thema zu hören. Diese Abende haben mir außergewöhnlich viel geholfen, meinen Glauben zu verstehen und ihn in mein Leben einzugliedern. Die zuverlässige Lehrmeinung und die Ermutigung, das Innenleben zu pflegen, ist gerade das gewesen, was ich brauchte. Hier gab es einen Lebensplan, der mir helfen würde, das zu tun, was ich tun sollte, das war mir klar. Sicherlich, ich habe gewusst, dass ich als Katholikin beten sollte. Aber wann und wie?

Das Opus Dei hat mir geholfen, genaue Pläne zu machen, denen ich folgen konnte. Zum Beispiel habe ich angefangen, jeden Tag fünf Minuten das Neue Testament zu lesen. Ich fing mit Matthäus an und ungefähr sechs Monate später hörte ich mit der Offenbarung auf, um dann wieder von vorne anzufangen. Es war erstaunlich, wie mir das geholfen hat. Ich fing an, unseren Herrn kennen zu lernen und ihn zu lieben. Durch so eine einfache Sache, die nur fünf Minuten brauchte.

Man darf nie jemanden aufgeben
Was mich am meisten am Opus Dei angezogen hat, ist die Betonung des Apostolats gewesen, das heißt, die Förderung des Eifers, die chrisltiche Botschaft in die Welt zu tragen. Ich als Konvertitin habe verstanden, dass keiner, egal wie weit er von Gott entfernt ist, verloren ist. Ich würde sicherlich niemals vorausgesagt haben, dass ich einmal gläubig sein würde, erst recht nicht eine fromme Katholikin. Und während das Opus Dei das Apostolat ausdrücklich unterstreicht, besteht der hl. Josefmaria auch darauf, dass wir jede Person respektieren. Die Menschen haben ein Recht darauf, zu glauben, was sie wollen, und wir können keinen zwingen, unseren Standpunkt anzunehmen. Mein Apostolat würde ein Apostolat der Freundschaft sein. Ich betete für meine Freunde und meine Familie, aber ich sprach selten über meinen Glauben, weil ich wusste, dass das nicht geschätzt wurde. Ich bin immer glücklich gewesen, wenn man mir Fragen gestellt hat, aber weil meine jüdische Familie sich dem christlichen Glauben ziemlich widersetzte, musste ich respektieren, dass sie mit mir nicht übereinstimmten und hatte das Recht, nicht darüber zu sprechen.

Es sieht sich so einfach von außen an: die Lehre und das Gebet. Aber es ist wirklich schwer, in der heutigen Welt ein beschauliches Leben zu führen. Unsere menschliche Schwachheit macht es uns leicht, Ausreden zu finden, warum ich nicht in die Messe gehen oder meine Gebete sprechen kann. Wir sind sehr beschäftigt und kommen nicht immer zu unserem Gebet. Das Opus Dei hilft uns, die täglichen Hürden zu überwinden, die uns von Gott fern halten würden. Ohne die Hilfe des Opus Dei könnte ich es nicht schaffen. Das Opus Dei hilft mir, mein tägliches Ziel, Gott jede Minute des Tages zu lieben, zu erreichen. Ob ich nun bete oder mit der täglichen Arbeit beschäftigt bin, jederzeit kann ich jedes Tun Gott darbringen. Ich bin sehr dankbar, dass Gott dem hl. Josefmaria die Erleuchtung, die Sendung und die Gnade gegeben hat, das Opus Die zu gründen. Meine Berufung zum Opus Dei gibt mir die Gnade und hilft mir, auf dem Weg der Heiligkeit auszuharren.