StartseiteVon Rom ausTreue in Christus, Treue des Priesters
Von Rom aus

Treue in Christus, Treue des Priesters

Stichwörter: Treue, Jesus Christus, Priestertum
Liebe Brüder im Priesteramt, in der Zeit, in der wir leben, ist es besonders wichtig, daß der Ruf, im geweihten Dienst an dem einen Priestertum Christi teilzuhaben, im »Charisma der Prophezeiung « erblühe: Es besteht großer Bedarf an Priestern, die zur Welt von Gott sprechen und Gott die Welt vorstellen; Männer, die nicht kurzlebigen kulturellen Moden unterworfen, sondern fähig sind, jene Freiheit glaubwürdig zu leben, die allein die Gewißheit der Zugehörigkeit zu Gott zu schenken vermag.

Der Horizont der Seinszugehörigkeit zu Gott bildet zudem den richtigen Rahmen, um auch in unseren Tagen den Wert des heiligen Zölibats zu verstehen und zu bekräftigen, der in der lateinischen Kirche ein für die heilige Weihe gefordertes Charisma (vgl. Presbyterorum Ordinis, 16) ist und in den katholischen Ostkirchen sehr hoch gehalten wird (vgl. CCEO, can. 373). Er ist eine echte prophetische Ankündigung des Reiches, Zeichen der Weihe mit ganzem Herzen an den Herrn und an die »Sache des Herrn« (1 Kor 7,32), Ausdruck der Selbsthingabe an Gott und an die anderen (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1579).

Die Berufung des Priesters ist daher eine sehr hohe Berufung, die auch für jene, die sie empfangen haben, ein großes Geheimnis bleibt. Unsere Grenzen und unsere Schwächen müssen uns dazu veranlassen, mit tiefem Glauben dieses kostbare Geschenk zu leben und zu hüten, mit dem Christus uns sich gleichgestaltet hat, indem er uns an seiner heilbringenden Sendung teilhaben läßt. Das Verständnis des Amtspriestertums ist nämlich an den Glauben gebunden und verlangt auf immer eindringlichere Weise eine radikale Kontinuität zwischen der Ausbildung im Priesterseminar und der ständigen Weiterbildung. Das kompromißlose prophetische Leben, mit dem wir Gott und der Welt mit der Verkündigung des Evangeliums und der Feier der Sakramente dienen werden, wird die Ankunft des bereits gegenwärtigen Reiches und das Wachsen des Gottesvolkes im Glauben begünstigen.

Liebe Priester, die Männer und Frauen unserer Zeit verlangen von uns nur, daß wir Priester sind bis zum äußersten und sonst nichts. Die gläubigen Laien werden bei vielen anderen Menschen das finden, was sie menschlich nötig haben, aber nur im Priester werden sie jenes Wort Gottes finden, das immer auf ihren Lippen sein soll (vgl. Presbyterorum Ordinis, 4); die Barmherzigkeit des Vaters, die im Sakrament der Versöhnung reichlich und unverdient ausgegossen wird; das Brot des neuen Lebens, »den Menschen geschenkt als wahre Speise« (vgl. Hymnus am Fronleichnamsfest).

Bitten wir Gott durch Fürsprache der seligen Jungfrau Maria und des hl. Jean Marie Vianney, ihm jeden Tag für das große Geschenk der Berufung danken und mit voller und freudiger Treue unser Priestertum leben zu können. Ich danke allen für diese Begegnung! Gern erteile ich einem jeden von euch den Apostolischen Segen.


Worte aus der Ansprache von Benedikt XVI. an die Teilnehmer eines von der Kleruskongregation organisierten theologischen Kongresses, Freitag, 12. März 2010