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Dokumentation

Sankt Peter in Gallicantu

J. Gil

Stichwörter: Bußgesinnung, Kirche, Roland Joffé, Spuren unseres Glaubens
Spuren unseres Glaubens
Wege durch das Heilige Land


Die Soldaten, ihre Befehlshaber und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesu fest, fesselten ihn und führten ihn zuerst zu Hannas; er war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hohepriester war. Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt.” (Joh 18, 12-14)

Alle vier Evangelisten berichten über das Verhör Jesu durch die führenden Priester und den Sanhedrin. Nach Mt 26,57 fand es im Haus des Kajaphas statt. Es gelang überraschenderweise zwei Zeugen, Petrus und einem anderen ungenannten Jünger, bis hierher Jesus zu folgen. Der ungenannte Jünger war ein Bekannter des Hohepriesters und gelangte so mit Jesus in das Atrium des Hohenpriesters. Petrus hingegen musste draußen bleiben .Der andere Jünger, der Bekannte des Hohenpriesters, ging daraufhin hinaus, sprach mit der Pförtnerin und bat Petrus hineinzukommen.

Im Verlauf des Prozesses zeigt sich deutlich die unterschiedliche Haltung des Meisters und des hl. Petrus. Jesus schweigt beim Auftreten der falschen Zeugen, der erfundenen Anklagen und Unterstellungen. Später, als er für die Wahrheit Zeugnis ablegen muss, bezeugt er sie gelassen. Petrus dagegen verleugnet aus Angst vor den Dienern, dass er jemals mit dem Herrn etwas zu tun hatte und versteift sich auf die Behauptung, ihn nicht zu kennen (Lk 22, 58), er behauptet: „Ich weiß nicht, wovon Du sprichst.“ (Mt 26,7 0) und „Ich kenne diesen Menschen nicht!“ (Mk 14, 71).

Im gleichen Augenblick krähte ein Hahn. Der Herr wandte sich dem Petrus zu und schaute ihn an. Da erinnerte sich Petrus der Worte des Herrn: „Ehe heute der Hahn kräht, wirst Du mich dreimal verleugnen.“ Und er ging hinaus und weinte bitterlich(Lk 22, 60-62).

Fotografía: Alfred Driessen
Fotografía: Alfred Driessen
Das Haus des Kajaphas
Das Haus des Kajaphas lag in Jerusalem am Ostabhang des Berges Sion. Dort gab es zu Jesu Zeiten nicht weit vom Abendmahlsaal entfernt ein angesehenes Wohnviertel mit Blick auf die Wasserläufe des Hinnom und des Kidron. Verschiedene Studien nehmen mindestens zwei verschiedene Möglichkeiten für die Lage des Hauses des Kajaphas an. Die archäologischen Untersuchungen sprechen für die Lage von Sankt Petrus in Gallicantu. Die Kirche liegt auf dem Gebiet, dass seit dem 19. Jh. im Besitz der Assumptionisten ist. Bei Ausgrabungen im Jahre 1888-1909 und 1992-2002 wurden die Reste eines herrschaftlichen Hauses aus der herodianischen Epoche freigelegt. Man entdeckte Mühlen, Zisternen und ein felsiges Terrain. Man fand außerdem einen in Stein künstlerisch bearbeiteten Türsturz, der mit einem Hinweis auf einen Opferstock versehen war. Die Inschrift besagt, dass das Opfer zur Sündenvergebung gespendet wurde. Außerdem entdeckte man zwei Sammlungen von Maßen und Gewichten, die im Tempel benutzt wurden. Dieses Haus wurde in christlicher Zeit verehrt und im 5. Jahrhundert auf ihm eine Kirche errichtet, von der noch restliche Mosaike im Boden vorhanden sind. Im Zentrum der Basilika befand sich eine tiefe Zisterne, die ursprünglich wohl ein jüdisches Ritualbad war.

Ein Zeugnis aus dem 6.Jahrhundert. bezieht sich möglicherweise auf dieses Heiligtum: „Vom Golgotha bis zur Kirche sind es zweihundert Schritte. Sie ist die Mutter aller Kirchen, denn sie wurde von Christus und seinen Aposteln gegründet. Die Kirche war das ehemalige Haus des Evangelisten Markus. Von dieser Kirche zum Haus des Kajaphas, das jetzt die Kirche St. Peter ist, sind es ungefähr fünfzig Schritte.“ Theodosii, De situ Terræ Sanctæ, 7 (CCL 175, 118)

Das Gebäude aus der byzantinischen Zeit hat das Los anderer Kirche aus dieser Zeit teilen müssen. Es wurde im 7. Jahrhundert von den Persern zerstört, später aber restauriert. Nach erneuter Zerstörung im 11. Jahrhundert wurde von den Kreuzfahrern im 12. Jahrhundert eine dritte Basilika errichtet. Auch diese wurde dem Erdboden gleich gemacht. Erst im 14. Jahrhundert wurde am selben Ort ein kleines Gebetshaus errichtet, das bald ebenfalls wieder verschwand. Nur wenige Spuren der früheren Gebäude blieben bis 1887 sichtbar. Sie wurden schließlich endgültig verwischt, als der Männerorden der Assumptionisten das Gelände übernahm.

Die Kirche
Die heutige Kirche wurde 1931 geweiht und 1997 komplett renoviert. Sie besteht aus zwei Ebenen und einer Krypta: die oberste Kapelle ist von einer Kuppel überwölbt, die mit Mosaiken und Buntglasfenstern geschmückt ist. Sie stellen den Prozess Jesu vor dem Sanhedrin dar. In der dazwischen liegenden Kapelle, wo an den schadhaften Stellen des Bodenbelags schon Blumen und Gräser wachsen, gedenkt man der Verleugnung durch Petrus, sowie sein Ausbrechen in Tränen nach der Verleugnung und der Begegnung mit dem Auferstandenen am See Genezareth, der ihn in seiner Hirtenaufgabe erneut bestätigt. Weiter unten in der Krypta befinden sich verschiedene Grotten, die im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche Verwendungen erfuhren. Dort wird auch eine Zisterne aus byzantinischer Zeit verehrt, die als“ tiefes Grab“ bekannt ist.

Es handelt sich dabei um einen Teil des ersten Hauses, der schon seit ältester Zeit die Aufmerksamkeit der Christen auf sich zog. Man erreicht die Ausgrabung auf einer Treppe, die an einer Doppeltür endet. Daran erkennt man, dass es sich wohl früher um ein jüdisches Reinigungsbad gehandelt hat. Möglicherweise wurde die Badestelle später zu einer Zisterne umgewandelt. Dabei wurde auch eine kreisrunde Öffnung in der Decke vorgenommen. Durch die Zeichen, die von den Gläubigen angebracht wurden – drei Kreuze an der Umrandung der Innenwand des Loches sowie die Silhouette eines Beters und weitere sieben Kreuze, die auf den Mauern des Grabens gezeichnet sind – geben darüber Auskunft, dass dieser Ort wohl im 5. Jahrhundert als der Platz betrachtet wurde, an dem Christus auf den Morgen des Karfreitags wartete. In Anlehnung an diese Tradition betrachten die heutigen Pilger an dieser Stelle die Leiden Christi mit den Worten des Psalmisten:

Du hast mich ins tiefe Grab gebracht, / tief hinab in finstere Nacht.
Schwer lastet dein Grimm auf mir/ all deine Wogen stürzen über mir zusammen.
Die Freunde hast du mir entfremdet/ mich ihrem Abscheu ausgesetzt;/ ich bin gefangen und kann nicht heraus.
Mein Auge wird trübe vor Elend./ Jeden Tag, Herr, rufe ich zu Dir;/ ich strecke nach dir meine Hände aus. (Psalm 88, 7-10)

Am Außenbereich der Kirche sind weitere archäologische Reste interessant. Besonderes fällt eine Gasse auf, deren Stufen senkrecht an der Seitenwand herunterführen. Sie verband das Nobelviertel, das in der Höhe gelegen war, mit dem Viertel des einfachen Volkes, das am Bach Kidron entlang verlief, in der Nähe der einzigen Wasser-Reservoirs wie der Quelle von Hinnom und dem Teich Siloe. Zweifellos hat es diesen Weg schon zur Zeit Jesu gegeben, damals allerdings wird der Weg kaum gepflastert gewesen sein. Es ist durchaus möglich, dass Jesus ihn häufiger benutzt hat; ganz sicher in der Nacht des Gründonnerstag, zunächst in Begleitung der Apostel, die ihn vom Abendmahlsaal nach Getsemani begleitet haben und später mit den Männern, die ihn im Ölgarten gefangen genommen und ihn vor dort zum Haus des Hohepriesters gebracht haben.

Im Bereich des Heiligtums hat man Gelegenheit eine Modellansicht Jerusalems aus byzantinischer Zeit zu studieren. Dort sind die sieben Kirchen zu sehen, die zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert entstanden sind: die Grabeskirche, die Basilika Hagia Sion mit der Stelle der Entschlafung Mariens und dem Abendmahlsaal, die Kirche Sankt Maria an der Bethestda Zisterne, der Heilkräfte zugeschrieben werden, die mehr oder weniger an der Stelle der heutigen Kirche St. Anna liegt, die Kirche Johannes der Täufer, wo sich früher der Palast des Herodes und heute die Zitadelle befindet, eine Kirche über dem Teich Siloe, die Nea-Kirche, die der Muttergottes geweiht ist und an der aus römischer Zeit stammenden Hauptachse der Stadt zum Markt hin liegt, die ebenfalls heute verschwunden ist, und Sankt Peter.

1994 während seines Aufenthalts im Hl. Land betete Don Alvaro del Portillo am 21.3. nachmittags in St. Peter in Gallicantu. Es war der Vorabend seiner Rückkehr nach Rom.

Die Barmherzigkeit des Herrn wird immer auf uns ruhen
Als der Hahn krähte, wandte sich Jesus um und sah Petrus an. Da erinnerte sich Petrus an die Worte, die der Herr ihm gesagt hatte: „Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.“ (Lk 22, 61-62) Nur bei Lukas wird diese barmherzige Geste des Herrn beschrieben. Der Herr bewirkt die Bekehrung des Petrus, der ihn dreimal verleugnete, ohne auch nur ein einziges Wort an ihn zu richten. Er wendet sich ihm nur in Liebe zu.
“Diesen selben Blick richtet Christus auch auf uns, wenn wir einmal zu Fall gekommen sind. Hoffentlich können wir dann wie Petrus sagen: „Herr, du weißt alles, du weißt auch, dass ich dich liebe“ …und unser Leben ändern.“ (Die Spur des Sämanns, 964)
Fotografía: Leobard HInfelaar
Fotografía: Leobard HInfelaar

Ambrosius kommentiert diese Textstelle so: „Alle, die von Jesus angeblickt werden, beginnen zu weinen. Beim ersten Mal verleugnete Petrus ihn und weinte nicht danach. Das geschah, weil der Herr ihn nicht angeschaut hatte. Auch beim zweiten Mal leugnete er ihn zu kennen, und auch da weinte er nicht, denn noch immer hatte der Herr ihn nicht angeschaut. Aber als er ihn zum dritten Mal verleugnete, da traf ihn der Blick Jesu und er begann bitterlich zu weinen. …Petrus weinte lang in großer Bitterkeit. Er wünschte sehnlich, dass seine Tränen seine Sünde hinwegschwemmen könnten. Auch du musst deine Schuld beweinen, wenn Du willst, dass dir danach verziehen wird, sobald Christus dich anschaut. Wenn du in Sünde fällst, dann sei sicher, dass derjenige, der Zeuge deines Tuns ist, dich anschaut, um dich daran zu erinnern und dich zum Bekenntnis deiner Schuld zu bewegen.“( Hl. Ambrosius , Expositio Evangelii secundum Lucam, X, 89-90)

Obwohl die Todsünde die Liebe im Herzen des Menschen zerstört und sich der Mensch damit von Gott abwendet (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1855), verlässt uns die Barmherzigkeit des Herrn nie, die Bekehrung ist immer möglich: „Ich lade jeden Christen ein, gleich an welchem Ort und in welcher Lage er sich befindet, noch heute seine persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern oder zumindest den Entschluss zu fassen, sich von ihm finden zu lassen, ihn jeden Tag ohne Unterlass zu suchen.(…) Wenn jemand einen kleinen Schritt auf Jesus zu macht, entdeckt er, dass dieser bereits mit offenen Armen auf sein Kommen wartete. Das ist der Augenblick, um zu Jesus Christus zu sagen: „Herr, ich habe mich täuschen lassen, auf tausenderlei Weise bin ich vor deiner Liebe geflohen, doch hier bin ich wieder, um meinen Bund mit dir zu erneuern. Ich brauche dich. Kaufe mich wieder frei, nimm mich noch einmal auf in deine erlösenden Arme.“ Es tut uns so gut, zu ihm zurückzukehren, wenn wir uns verloren haben! Ich beharre noch einmal darauf: Gott wird niemals müde zu verzeihen; wir sind es, die müde werden, um sein Erbarmen zu bitten“. (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 24.11.2013, Nr. 3)

“Solange der Kampf andauert – und das wird er, bis der Tod kommt –, musst Du mit der Möglichkeit rechnen, dass der Feind von innen und außen anstürmen wird; und damit noch nicht genug: dass die Erinnerung an frühere, vielleicht zahlreiche Fehler, dich lähmen kann. Aber im Namen Gottes sage ich dir: Gib die Hoffnung nicht auf. Solltest du einmal in eine solche Situation geraten – sie kommt nicht bei jedem vor und sie ist auch kein bleibender Zustand – dann verwandle sie in einen weiteren Anlass, dich noch inniger mit dem Herrn zu vereinigen; denn Er, der dich als seinen Sohn erwählt hat, wird dich nicht verlassen. Er lässt die Prüfung zu, damit du ihn noch mehr liebst und deutlicher entdeckst, dass seine Liebe dich ständig beschützt (…).
Vorwärts, was auch immer geschieht. Ergreife fest die Hand des Herrn und bedenke, dass Gott keine Schlachten verliert. Wenn du dich einmal von Ihm entfernst, dann kehre demütig um, und das heißt: beginnen und wieder beginnen, täglich oder sogar oftmals am Tag wie der verlorenen Sohn zurückkommen und das reuige Herz in dem Wunder der Liebe Gottes – nichts anderes ist ja die Beichte – aufrichten. Durch dieses wunderbare Sakrament reinigt der Herr deine Seele und erfüllt dich mit Freude und Kraft, damit du im Kampf nicht müde wirst und immer wieder zu Gott heimkehrst, mag dir auch alles finster erscheinen. Außerdem beschützt dich die Mutter Gottes, die auch unsere Mutter ist; ihre mütterliche Sorge gibt deinen Schritten Halt.“ (Freunde Gottes, 214)

Die Evangelisten berichten nicht, ob Johannes im Haus des Kajaphas blieb oder Petrus folgte, auch erfahren wir nicht, wohin jeder danach ging. Den hl. Johannes treffen wir später am Fuß des Kreuzes neben Maria: „vorher, allein konntest du es nicht….Jetzt bist du zur Herrin gegangen und, mit ihr zusammen, wie leicht ist es!“ (Der Weg, 513)