StartseiteDokumentationDaten zur GeschichteHatten die Mitglieder des Opus Dei unter irgendeiner Art von Verfolgung oder politischen Repressalien zu leiden?
Dokumentation
Fragen und Antworten

Hatten die Mitglieder des Opus Dei unter irgendeiner Art von Verfolgung oder politischen Repressalien zu leiden?

Stichwörter: Bürgerkrieg, Opus Dei, Politik
Zustand des Studentenheims DYA nach dem Bürgerkrieg
Zustand des Studentenheims DYA nach dem Bürgerkrieg
Pedro Casciaro, der Sohn des Vorsitzenden der auf der republikanischen Seite stehenden Volksfront in Albacete, wurde während seines Aufenthalts in Burgos von einem ehemaligen Bekannten seiner Familie denunziert. Ihm wurde nichts Persönliches vorgeworfen, lediglich dass er der Sohn eines Vorsitzenden der Frente Popular war. Die Anzeige war folgenlos, da der Denunziant plötzlich verstarb.

Casciaro geht in seinem Buch “Nicht einmal im Traum” auf die Einstellung des Gründers zu jenen Ereignissen nach dem Marsch durch die Pyrenäen ein, als die Monate der Ängste und Nöte vorbei waren.

„Es waren Kriegszeiten und infolgedessen die Gemüter äußerst erregt. Vor allem auf politischer Ebene wurden die jeweiligen Standpunkte hitzig und leidenschaftlich vertreten. Diejenigen, die der anderen Zone entkommen waren, verfielen oft einem krassen Revanchismus, erklärlich, wenn man so will, aufgrund der Opfer, die sie in der eigenen Familie zu beklagen hatten, oder der Leiden, die sie hatten ertragen müssen. Andererseits hörte ich vom Vater nie eine Äußerung, die, trotz der allgemein herrschenden Atmosphäre, nicht von Mäßigung, Klugheit und Liebe diktiert gewesen wäre. Und ich war besonders sensibilisiert aufgrund meiner eigenen komplexen familiären Lage.

Eine verletzende Bemerkung, eine Geste der Verachtung, auch nur eine Anspielung, - ich würde es sofort bemerkt haben. Nichts von alledem war beim Vater festzustellen. Im übrigen sprach er nicht über Politik. Wohl schätzte und betete er für den Frieden und die Freiheit der Meinungsäußerung. Und mit seinem großen, allen Menschen offenstehenden Herzen wünschte er, dass alle zu Gott fänden. Aber er litt auch, wenn ihm eine allzu einseitige politische Bewertung der Zeitereignisse zu Ohren kam, die, ins andere Extrem fallend, die grausame religiöse Verfolgung sowie zahlreiche Sakrilegien, die an der Tagesordnung waren, außer acht ließ.

Das erklärt auch, warum, kaum dass wir in Fuenterrabía angekommen waren, der Vater mich bat, eine schriftliche Erklärung beim Informationsbüro zu hinterlegen, die die vielen Bemühungen festhielt, die mein Vater – mitunter erfolgreich – unternommen hatte, um Menschenleben zu retten und Sakrilegien zu verhüten. Kraft seines Amtes als Provinzialdirektor für Geschichts- und Kunstdenkmäler war es ihm gelungen, viele sakrale Gegenstände wie Kelche, Monstranzen sowie religiöse Bilder, die der Aufmerksamkeit der Menge entgangen waren, teils in einem Warenlager in Albacete, teils in einem Keller im Dorf Fuentesanta zu verstecken. Der Vater sagte zu mir: »Es ist nur gerecht, dass man eines Tages erfährt, wie viel Gutes viele gute Menschen getan haben, unabhängig von ihren politischen Auffassungen.« (CASCIARO, Pedro, Nicht einmal im Traum. Vorwort von Javier Echevarría, Adamas Verlag, Köln 2002, S. 145-147)

Hier zeigte sich wieder seine Seelengröße. Niemals beschuldigte er jemanden, statt dessen zog er es vor zu schweigen. Nachtragende Äußerungen habe ich nie aus seinem Munde gehört. Zu jener Zeit war es nicht immer leicht, die Gerechtigkeit mit der Liebe in Einklang zu bringen. Dem Vater indes gelang es auf bewundernswerte Weise.

Eine andere Zeiterscheinung war, den eigenen wirklichen oder vermeintlichen Heroismus groß herauszustellen. Die Lust, die eigene Leidenserfahrung anderen gegenüber auszubreiten, war so groß, dass der Satz: »Erzählen Sie mir bitte nicht Ihren Fall« zum geflügelten Wort wurde. Der Vater, der viel zu erzählen gehabt hätte, tat es nie. Auch suchte er für sich kein offizielles Auskommen. Er hielt es wie eh und je: arbeiten, schweigen, beten und so unauffällig wie möglich leben.

Mitten in jener Hasserfüllten Atmosphäre legte er uns ans Herz, gegen niemanden Hass zu hegen und immer wieder zu verzeihen. Man muss sich schon in jene turbulente Zeiten zurückversetzen, um ermessen zu können, wie radikal diese Worte waren. Es war die Zeit der größten religiösen Verfolgung, die Spanien je erlebt hat, in deren Verlauf an die siebentausend Leute der Kirche und zahlreiche Katholiken ihres Glaubens wegen den Tod erlitten.

Einige von ihnen waren sehr gute Freunde des Vaters gewesen, wie zum Beispiel Don Pedro Poveda, Gründer des Theresianischen Instituts und inzwischen zur Ehre der Altäre erhoben, oder Don Lino Vega-Murguía, der am 16. August 1936 verhaftet und nach seiner Ermordung an der Mauer des Madrider Ostfriehofs achtlos liegen gelassen wurde. Zahlreiche weitere ihm bekannte Priester waren ebenfalls ermordet worden, unter ihnen sein Taufpate. Jahre später erzählte der Vater anlässlich der Frage einer Frau, die in ihrem Land viel zu leiden gehabt hatte und nicht verzeihen wollte, folgendes von diesem Taufpaten: »Er verwitwete und wurde Priester. Als er den Märtyrertod starb, war er dreiundsechzig. Ich trage seinetwegen den Namen Mariano. Und das Nönnchen, das mir die ersten Buchstaben beibrachte, wurde in Valencia ermordet. Sie war mit meiner Mutter befreundet, bevor sie Ordensfrau wurde. Das ist entsetzlich und erfüllt mich mit Schmerz... Jene irren. Sie haben nicht zu lieben gewusst.«"

Alvaro del Portillo hatte zu Beginn des Bürgerkrieges Zuflucht in der finnischen Botschaft gefunden. Die Botschaft wurde Anfang Dezember 1936 von den Milizen besetzt. Alvaro geriet in Gefangenschaft und verbrachte zwei Monate im Gefängnis von San Antón, das früher eine von den Piaristen geleitete Schule beherbergt hatte. Am 29. Januar 1937 wurde er bedingt freigelassen. Dies geschah aufgrund von diplomatischen Demarchen seitens mehrerer Länder, die die Freilassung von Personen forderten, die willkürlich bei Hausdurchsuchungen in ihren diplomatischen Vertretungen gefangen genommen worden waren.

Alvaros Vater wurde auch willkürlich festgenommen und im selben Gefängnis eingeliefert. Er starb, kurz nachdem er die Freiheit wieder erlangt hatte, infolge der erlittenen Misshandlungen. Dem Gründer des Werkes gelang es, ihm insgeheim die Krankensalbung zu spenden, indem er sich als Arzt ausgab.

Manuel Sainz de los Terreros wurde am 30 August 1936 von der Volksmiliz bei einer Hausdurchsuchung gefangen genommen und ins Gefängnis Porlier gebracht. Auch dieses Gefängnis war eine vom Orden der Piaristen geleitete Schule gewesen. Er wurde dann in bedingte Freiheit entlassen.

Juan Jiménez Vargas geriet bei einer Durchsuchung der Familienwohnung in Gefangenschaft. Ihm wurde zur Last gelegt, Mitglied der Traditionalistischen Schuljugend zu sein, einer mit der monarchistischen Bewegung des Karlismus verwandten Vereinigung. Im November 1936 war er nahe daran, in einem Gefangenentransport aus dem Gefängnis mitgenommen zu werden. Alle, die zu diesem Transport gehörten, wurden dann in einer der berüchtigten Aktionen bei Paracuellos del Jarama nahe Madrid erschossen. Jiménez Vargas kam wie bei anderen Gefangenen die chaotische Art und Weise zu Hilfe, wie Gefangennahme, Prozesse und Transporte vor sich gingen. Später wurde er freigelassen, war eine zeitlang als Arzt bei der republikanischen Armee tätig und entschloss sich dann für den Übergang in die anderen Zone des Konfliktes.

José Maria Hernández Garnica wurde aus unbekannten Gründen verurteilt. Er kam zuerst ins Madrider Gefängnis von San Antón, von dort in ein anderes Gefängnis in Valencia. Dann wurde er frei gelassen und zum Militärdienst hinter der Kampfzone eingesetzt, zuerst im Dorf Rodalquilar bei Almeria und dann in Baza bei Granada. Dort erreichte ihn das Ende des Krieges.

Zum Einführungsartikel dieser Serie von Fragen und Antworten