Dokumentation
Die Notwendigkeit, mit Gott zu sprechen
Ferdinando Cancelli

Mich bewegt dieses Foto der drei Prälaten am Eingang zum Atrium der kl. Kirche von San Dunstan in Canterbury sehr. Es entstand im Sommer 1958.
Alvaro del Portillo, der erste Nachfolger des hl. Josefmaria, schrieb anlässlich des 10. Todestages dieses Heiligen im Osservatore Romano vom 23. Juni 1985: „Die Kirche braucht nicht so sehr die sogenannten praktischen Menschen, auch nicht diejenigen, die gerne theoretische Lehren verbreiten, sondern vielmehr die wirklich Kontemplativen.” Nur durch ein beschauliches Leben gelangt man zu einer echten „Vertrautheit“ mit Gott, die, wie der hl. Josefmaria immer betonte, dazu führt, “den Herrn kennen zu lernen und gleichzeitig sich selbst zu erkennen“. Mit diesem Thema beschäftigte sich auch Bischof Javier Echevarría, der dritte Prälat des Opus Dei, in seiner Predigt, die er vor wenigen Tagen in der Basilika San Eugenio in Rom anlässlich der Diakonatsweihe von 35 zukünftigen Priestern hielt.
Mich bewegt an diesem Foto, das im Sommer 1958 vor dem Atrium der kleinen Kirche St. Dunstan in Canterbury entstanden ist, vor allem, wie intensiv der hl. Josefmaria im Zentrum des Fotos den Betrachter anblickt – ein Ausdruck seiner inneren Spannkraft. Auch Alvaro del Portillo und Don Javier schauen uns direkt an. Sie scheinen sozusagen vorweg zu nehmen, was sie uns heute in inniger Verbundenheit mit Papst Benedikt XVI. einstimmig sagen: Auch heute ist es nötig, mit Gott zu sprechen. „Aber wovon?"“ so fragte sich der hl. Josefmaria, den Bischof Echevarría in seiner Predigt vor den Diakonen zitierte. „Wovon? Von Ihm und von dir, von Freude und Kummer, von Erfolgen und Misserfolgen, von hohen Zielen und alltäglichen Sorgen... Von deinen Schwächen!

Der intensive Blick des hl. Josefmaria (im Zentrum) zeugt von seiner inneren Spannkraft. Aber auch Don Alvaro und Don Javier schauen uns direkt an. Sie scheinen sozusagen vorweg zu nehmen, was sie uns heute in inniger Verbundenheit mit Papst Benedikt XVI einstimmig sagen: Es ist auch heute nötig, mit Gott zu sprechen.
Die drei Prälaten scheinen uns die Anregung zu geben, dass ein neuer Weg in der Arbeit nötig ist zu beschreiten. Denn beständiges Arbeiten in der Gegenwart Gottes hilft „ Unzuverlässigkeit, Oberflächlichkeit, Mangel an Sorgfalt und Stümperei“ zu vermeiden und die Arbeit vielmehr „zu einem beständigen Dienst am lebendigen Leib Christi“ werden zu lassen. So wird sie zu einem Werk, das uns selber reinigt und uns mit neuen Augen auf Gott und die Menschen schauen lässt. Bischof Alvaro del Portillo fährt fort: „Die Kontemplation führt uns dazu, unser Handeln immer zu revidieren, wenn wir bemerken, dass es der Würde des Menschen und erst recht der Kinder Gottes nicht entspricht.“ Sie bewegt uns dazu, die Arbeit möglichst vollkommen zu verrichten, ganz gleich ob es sich dabei um eine häufig sich wiederholende manuelle Arbeit oder um eine hochspezialisierte intellektuelle Arbeit handelt. In der Tat ist „nur das Instrument für die Arbeit geeignet, das, obwohl einfach, geeignet ist, das gewünschte Ergebnis zu erzielen.“
Es wäre ein nicht wieder gut zu machender Fehler, zumal im augenblicklichen historischen Moment, diese Erkenntnis zu missachten. Angesichts eines frenetischen und unmenschlichen Aktivismus, der Gott beiseite lässt, ist die einzig sinnvolle christliche Antwort, den absoluten Vorrang des Gebets zu beachten und das Handeln als daraus folgend einzustufen.
Mutter Teresa von Kalkutta gibt uns ein lebendiges Zeugnis für die Priorität des Gebets. Alles was sie tat, vollzog sich “mitten auf der Straße” (so würde es der hl. Josefmaria ausdrücken). Sie verfügte über einen geheimen Motor, den sie täglich in der Ruhe der Nacht durch ihr Beten vor dem Allerheiligsten auflud. Wenn auch wir es verstehen so unsere Nächte zu nutzen, wird sicher bald ein neuer und vielleicht unerwarteter Tag anbrechen.
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