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Persönliche Zeugnisse

Msgr. Escrivá – Eindrücke bei Begegnungen mit dem Opus-Dei-Gründer

Dr. Johannes Pohlschneider+, ehemaliger Bischof von Aachen; in: Deutsche Tagespost, 11. Juli 1975

24 August 2012

Stichwörter: Liebe zu Gott, Nächstenliebe, Josemaría Escrivá
Als mich am 27. Juni die telefonische Nachricht von dem ganz unerwarteten Hinscheiden des Gründers und Generalpräsidenten des Opus Dei erreichte, fühlte ich mich zutiefst betroffen und erschüttert. Es war mir, als ob plötzlich ein hell leuchtender Stern am Himmel der Kirche erloschen war.

Während der letzten zwanzig Jahre habe ich bei zahlreichen Begegnungen mit dieser wahrhaft einmaligen Priesterpersönlichkeit und ihrem Werk Eindrücke gewonnen, die ich nie mehr vergessen kann.

Jedes Mal, wenn ich mit ihm zusammen traf – etwa während des Zweiten Vatikanischen Konzils oder auch im vorigen Jahr –, erschien er mir als ein ganz ungewöhnlicher Mensch von hoher geistiger Begabung. Aber noch weit stärker als die Kräfte seines Verstandes waren die Impulse, die von seinem Herzen auf die Umwelt ausströmten. (...) Die Weite des Herzens, in der alles und alle, ganz besonders aber die Gottes- und Nächstenliebe Platz hatten, war das Wesensmerkmal dieses Priesters. Im wahrsten Sinne des Wortes liebte er die Menschen und sorgte sich um sie. Wenn er von der apostolischen Sorge um das Heil der Menschen sprach, dann war es, als ob nicht nur sein Herz zitterte, sondern der ganze Körper mitschwang. Sein Seeleneifer kannte keine Grenzen. Er machte weder vor Völkern noch Ländern noch Kontinenten halt. Dabei war er stets auf das Wohl des ganzen Menschen bedacht, auf das irdische, aber besonders auf das ewige Heil. Sein ganzes Denken war im letzten im Übernatürlichen verankert. Die unerschöpfliche Quelle der Kraft war für ihn sein katholischer Glaube, und zwar der Glaube an die göttliche Offenbarung, so wie Christus sie uns geschenkt hat und die Kirche sie hütet und weitergibt. Hier kannte er keine Konzessionen und Kompromisse mit dem wandelbaren Geist der Zeit. Vor allem die Treue zum Papst und zu den Bischöfen war in seinen Augen die unerlässliche Voraussetzung für jegliches fruchtbare seelsorgliche Wirken. (...)

Nach meiner festen Überzeugung war Msgr. Escrivá das auserwählte Werkzeug Gottes. Und das Opus Dei ist ein wahrhaft providentielles Werk, das entscheidend mitwirken soll, um die Kirche aus einer Zeit großer geistiger Verwirrung wieder neuen Ufern einer besseren Zukunft entgegenzuführen. (...) Was im Opus Dei weiterleben muss und weiterleben wird, ist vor allem auch das Feuer der Begeisterung seines Gründers. Ihn trieb das Wort Christi „Feuer kam ich auf die Erde zu werfen, und was will ich anders, als dass es brenne“. Er wusste, dass der Einsatz für das Reich Gottes kein Einsatz für eine verlorene Sache ist. Er glaubte an den Sieg Christi und seiner Kirche. Diese gläubige Zuversicht auf seine Gefolgschaft zu übertragen war das Geheimnis seiner ganz und gar in Gott gegründeten Persönlichkeit.