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Ich lasse euch nicht als Waisen zurück

Stichwörter: Kirche, Papst, Prälat des Opus Dei, Benedikt XVI.
Dieser Artikel vom Präklaten des Opus Dei, Javier Echevarría, wurde am 1. März 2013 in der Madrider Tageszeitung ABC veröffentlicht. Ein Bilanz ziehender Rückblick auf das Pontifikat von Benedikt XVI.:

Benedikt XVI. mit dem Prälaten des Opus Dei
Benedikt XVI. mit dem Prälaten des Opus Dei
“Ich lasse euch nicht als Waisen zurück” (Joh 14,18), sagt Christus den Aposteln. Er verspricht ihnen den Heiligen Geist, der sie noch mehr zu Kindern Gottes des Vaters machen wird. Ich lasse euch nicht als Waisen zurück: Diese Worte haben mich von Herzen berührt, als dieses Pontifikat zu Ende ging. Benedikt XVI. hat uns nicht verwaist zurück gelassen, denn sein Lehramt bleibt lebendig, und er begleitet uns weiterhin mit seinem Gebet und seiner väterlichen Liebe. Außerdem tritt ihn ihm die Gestalt des Guten Hirten kraftvoll hervor. Der Heilige Geist wird seine Kirche durch einen neuen Papst auch weiterhin leiten.

Das reiche Lehramt Benedikts XVI. beweist seine außerordentliche Fähigkeit tiefe Wahrheiten mit einfachen Worten auszudrücken. Er hat das scheinbare “Verschwinden Gottes” genutzt, um uns einzuladen den Sinn für Gott neu zu entdecken – den Schöpfer und Erlöser, der in unserer Welt unablässig wirkt.

Kraftvoll hat er uns an Gottes unendliche Liebe erinnert und damit zugleich an den Grund unserer Existenz und unseres Weges im Leben. In diesem Jahr des Glaubens finden wir einen sicheren Bezugspunkt im Katechismus der Katholischen Kirche und in seinem Kompendium. Beide sind Früchte des II. Vatikanischen Konzils, auf dem Kardinal Ratzinger eine wichtige Rolle spielte. Der Katechismus der Katholischen Kirche lädt uns ein die Kirche als Gemeinschaft der Heiligen zu betrachten und zu erleben, in der sich kein Getaufter fremd fühlt und in der ein jeder lernt, die Liebe in der Wahrheit zu tun.

Kraftvoll hat er uns an Gottes unendliche Liebe erinnert und damit zugleich an den Grund unserer Existenz und unseres Weges im Leben.
In seiner Ansprache bei der Übernahme des Petrusamtes lud uns Benedikt XVI. ein, eine innige Freundschaft mit dem Sohn Gottes einzugehen. Daran ist alles gelegen. Gott spricht zu uns und antwortet auf unsere Fragen. Nie wendet er sich von uns ab. Ich erinnere mich, wie der damalige Kardinal Ratzinger anlässlich der Heiligsprechung von Josefmaria Escrivá den Ausdruck “Opus Dei” – Werk Gottes auslegte: Der tiefe Sinn dieser Worte bestehe darin, Gott handeln zu lassen. Denn das christliche Leben zeige sich vor allem in dem Wunsch, die Gnade und die Liebe Christi im eigenen Leben wirken zu lassen.

Ebenso gewinnen seine Überlegungen über den Geist der Liturgie an Bedeutung. In ihnen kommt die innige Verbundenheit des Wortes mit dem eucharistischen Brot zum Ausdruck. Er verweist auf die wesentliche Dimension der Anbetung, trifft damit den Kern der Sache und erübrigt viele Diskussionen. Die Teilnahme des Christen an der Eucharistie ist vor allem innerlich, denn in der Liturgie übernimmt Gott die Initiative. Was wir in der Messe erleben ist performativ – ist immer neu, denn Christus wandelt uns um. Am Ende eines harten Arbeitstages wurde Johannes Paul II. einmal von einem engen Mitarbeiter gebeten, sich nicht zu sehr zu verausgaben. “Nach diesem Papst kommt ein neuer”, war die Antwort. So sind wir auch diesmal gelassen und voller Hoffnung. Wir wissen uns in den Händen Mariens, der Mutter Gottes und unserer Mutter. Der Stuhl Petri wird stets das Prinzip und das Fundament der Einheit der Kirche und ein fester Bezugspunkt für die Welt sein. Die freie, im Gebet erwogene Entscheidung des Papstes dient dem Wohl der Kirche. Deshalb haben wir die schmerzliche Nachricht in kindlicher Anteilnahme und mit Respekt aufgenommen. Benedikt XVI. selbst hat versichert, dass er uns auch weiterhin durch sein Gebet beistehen wird. Auf dieses Gebet können sich alle Söhne und Töchter der Kirche vertrauensvoll stützen, so wie sie es auch während seines Pontifikates tun konnten.

Die freie, im Gebet erwogene Entscheidung des Papstes dient dem Wohl der Kirche.
Ich bin Gott für die Gelegenheiten dankbar, bei denen Benedikt XVI. mich als Prälaten des Opus Dei empfangen hat. Ich denke bewegt zurück an seine Bescheidenheit und seine Dienstbereitschaft, an seine liebevolle Aufnahme und seine Fähigkeit zum Zuhören sowie sein Interesse an der Ausbreitung der apostolischen Arbeit des Opus Dei. Wenn ich ihm von Initiativen im Bereich der Universität berichtete, reagierte er mit dem Interesse eines echten Professors, der er ja ist. Doch interessierte er sich im selben Maße für den Dienst an Sterbenden oder sonstigen Menschen in Not.

In den Fernsehberichten von seinen Audienzen konnte man immer wieder sehen, wie der Papst väterlich die Hand seiner Gesprächspartner ergriff. Mit dieser aufmerksamen und geduldigen Geste machte er ihnen Mut und vermittelte ihnen seine Liebe. Ja, er ist ein wirklicher Vater, der an der Evangelisierungsarbeit so vieler Christen in der ganzen Welt Anteil nimmt.

Mir kommt ein anderes Wort Christi in den Sinn, mit dem er seine Jünger stärkte, als er sie verlassen musste: “Ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln. Dann wird euer Herz sich freuen, und niemand nimmt euch eure Freude” (Joh. 16,20.22). Beim Angelusgebet am 17. Februar hat uns Benedikt XVI. eingeladen, bereits für den nächsten Papst zu beten. Ich möchte diese Einladung bekräftigen. Sind wir verwaist? Nein! Auch jetzt ist der Heilige Geist in der Kirche am Werk. Ein anderer Petrus wird kommen, das Netz über der Schulter, zum Fischfang bereit. Ein neuer Bischof von Rom, ein neuer Vater der Familie der Kinder Gottes.

Zu Benedikt XVI., der nun das Steuer des Fischers von Galiläa seinem Nachfolger überlässt, sagen wir aus ganzem Herzen: „Danke, Heiliger Vater! Und wir bitten um Verzeihung, wenn wir nicht immer auf den guten Hirten gehört haben. Wir bitten Sie, dass Sie dem Volk Gottes auch weiterhin mit der Fruchtbarkeit Ihres Denkens und mit Ihres Gebetes beistehen.“