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Fragen und Antworten zum Glauben

Ist die Welt von Gott erschaffen worden?

Stichwörter: Lehre, Glaube
Die Katechese über die Schöpfung ist eminent wichtig, da sie sich auf die Grundlagen des menschlichen und christlichen Lebens bezieht. Sie erläutert im Einzelnen die Antwort des christlichen Glaubens auf die Fragen, die sich die Menschen aller Zeiten gestellt haben: Wohin gehen wir? Woher kommen wir? Was ist unser Ziel? Woher kommt alles, was existiert, und wie wird alles enden? Diese beiden Fragen, die des Ursprungs und die des Zieles gehören zusammen, sie sind entscheidend für den Sinn und die Orientierung unseres Lebens und unseres Handelns.

1. Woher kommen wir?

Wir glauben, daß Gott die Welt nach seiner Weisheit erschaffen hat1. Sie ist nicht das Ergebnis irgendeiner Notwendigkeit, eines blinden Schicksals oder des Zufalls. Wir glauben, daß sie aus dem freien Willen Gottes hervorgeht, der die Geschöpfe an seinem Sein, seiner Weisheit und Güte teilhaben lassen wollte: „Denn du bist es, der die Welt erschaffen hat, durch deinen Willen war sie und wurde sie erschaffen“ (Offb 4, 11). „Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht“ (Ps 104, 24).
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 295)


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Aus unserer Seele mögen also das ehrliche Verlangen und der wirksame Wunsch aufsteigen, dass wir fähig werden, den Einladungen unseres Schöpfers zu folgen und seinen Absichten zu entsprechen, mit unerschütterlichem Glauben und in der Überzeugung, dass Er niemals irrt.
(Freunde Gottes, 198)

2. Wohin gehen wir? Wozu ist die Welt erschaffen worden?

Die Schrift und die Überlieferung lehren und preisen stets die Grundwahrheit: „Die Welt ist zur Ehre Gottes geschaffen“ (1. Vatikanisches K., DS 3025). Wie der heilige Bonaventura erklärt, hat Gott alles erschaffen „nicht um seine Herrlichkeit zu mehren, sondern um seine Herrlichkeit zu bekunden und mitzuteilen“ (...)„Dieser alleinige wahre Gott hat in seiner Güte und ‚allmächtigen Kraft‘ – nicht um seine Seligkeit zu vermehren, noch um [Vollkommenheit] zu erwerben, sondern um seine Vollkommenheit zu offenbaren durch die Güter, die er den Geschöpfen gewährt – aus völlig freiem Entschluß‚ von Anfang der Zeit an aus nichts zugleich beide Schöpfungen geschaffen, die geistige und die körperliche‘“ (DS3002).
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 293)


Das Geheimnis betrachten
Wozu sie auf der Welt sind? Um Gott aus ganzem Herzen und ganzer Kraft zu lieben und diese Liebe auf alle Geschöpfe auszudehnen. Ist das etwa wenig? Gott überläßt niemanden einem blinden Geschick. Er hat seinen Plan für jeden einzelnen, und einen jeden ruft er mit einer ganz persönlichen, auf keinen anderen übertragbaren Berufung.
(Gespräche, 106)

3. Was bedeutet die Ehre Gottes?

Gottes Ehre ist es, daß sich seine Güte zeigt und mitteilt. Dazu ist die Welt geschaffen. „Er hat uns aus Liebe im voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen, zum Lob seiner herrlichen Gnade“ (Eph 1, 5–6). „Denn Gottes Ruhm ist der lebendige Mensch; das Leben des Menschen aber ist die
Anschauung Gottes. Wenn ja schon die Offenbarung Gottes durch die Schöpfung allen, die auf Erden leben, das Leben verleiht, wieviel mehr muß dann die Kundgabe des Vaters durch das Wort denen, die Gott schauen, Leben verleihen“ (hl. Irenäus, hær. 4, 20, 7). Das letzte Ziel der Schöpfung ist es, daß Gott „der Schöpfer von allem, endlich ‚alles in allem‘(1 Kor 15, 28) sein wird, indem er zugleich seine Herrlichkeit und unsere Seligkeit bewirkt“ (AG 2).
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 294)


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Wir alle, ihr und ich, sind Teil der Familie Christi, denn Gott hat uns schon vor Erschaffung der Welt auserwählt, daß wir heilig und untadelig vor Ihm seien. Aus Liebe hat Er uns nach seinem freien Willensentschluß durch Jesus Christus zu seinen Kindern vorherbestimmt, zum Preis der Herrlichkeit seiner Gnade. Die Auserwählung aus geschenkter Gnade richtet uns auf ein deutlich wahrnehmbares Ziel: auf die persönliche Heiligkeit. Paulus spricht es bündig aus: Haec est voluntas Dei: sanctificatio vestra, dies ist der Wille Gottes: eure Heiligung. Vergessen wir es also niemals: Wir sind in der Hürde des Herrn, damit wir dieses hohe Ziel erreichen.
(Freunde Gottes, 2)


4. Wenn doch Gott, der allmächtige Vater, der Schöpfer einer geordneten und guten Welt, sich aller seiner Geschöpfe annimmt, warum gibt es dann das Böse?

Jede vorschnelle Antwort auf diese ebenso bedrängende wie unvermeidliche, ebenso schmerzliche wie geheimnisvolle Frage wird unbefriedigt lassen. Der christliche Glaube als ganzer ist die Antwort auf diese Frage: Das Gutsein der Schöpfung, das Drama der Sünde, die geduldige Liebe Gottes, der dem Menschen entgegenkommt. Er tut dies durch seine Bundesschlüsse, durch die erlösende Menschwerdung seines Sohnes und die Gabe des Geistes; er tut es durch das Versammeln der Kirche und die Kraft der Sakramente; er tut es schließlich durch die Berufung zu einem glückseligen Leben. Die freien Geschöpfe sind im voraus eingeladen, diese Berufung anzunehmen. Sie können diese aber auch – ein erschreckendes Mysterium – im voraus ausschlagen. Es gibt kein Element der christlichen Botschaft, das nicht auch Antwort auf das Problem des Bösen wäre.
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 309)

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Unser Herr will, dass wir in allem mit Ihm rechnen; und uns wird klar, dass wir ohne Ihn nichts tun können und mit Ihm zusammen alles vermögen. So festigt sich unser Entschluss, immer in seiner Gegenwart zu wandeln

Mit göttlicher Klarheit erkennen wir dann, scheinbar ohne eigenes Zutun, dass, wenn der Schöpfer sich um alle, sogar um seine Feinde, kümmert, Er um wieviel mehr dann für seine Freunde Sorge tragen wird! Wir gelangen zu der Überzeugung, dass jedes Übel, jede Widerwärtigkeit zum Guten gereicht; so wird unser Geist immer stärker von Freude und Frieden erfüllt, die uns künftig durch nichts Menschliches mehr zu rauben sind; denn diese Heimsuchungen hinterlassen immer eine Spur von Ihm, eine göttliche Spur. Wir preisen dann den Herrn, unseren Gott, der wunderbare Werke an uns vollbracht hat, und wir begreifen, dass wir erschaffen wurden mit der Fähigkeit, einen unermesslichen Schatz unser eigen zu nennen
(Freunde Gottes, 305)


5. Warum aber hat Gott nicht eine so vollkommene Welt erschaffen, daß es darin nichts Böses geben könnte?

In seiner unendlichen Macht könnte Gott stets etwas Besseres schaffen (vgl. Thomas v. A., s. th. 1, 25, 6). In seiner unendlichen Weisheit und Güte jedoch wollte Gott aus freiem Entschluß eine Welt erschaffen, die „auf dem Weg“ zu ihrer letzten Vollkommenheit ist. Dieses Werden bringt nach Gottes Plan mit dem Erscheinen gewisser Daseinsformen das Verschwinden anderer, mit dem Vollkommenen auch weniger Vollkommenes mit sich, mit dem Aufbau auch den Abbau in der Natur. Solange die Schöpfung noch nicht zur Vollendung gelangt ist, gibt es mit dem physisch Guten folglich auch das physische Übel (vgl. Thomas v. A., s. gent. 3, 71).
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 310)

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Der Schmerz hat einen Platz in den Plänen Gottes: auch wenn es uns schwerfällt, dies zu begreifen, so wie es Christus als Mensch schwerfiel: Vater, wenn du willst, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Doch nicht mein Wille geschehe, sondern der deine. In dieser Spannung zwischen Pein und Hinnahme des Willens des Vaters geht Jesus dem Tod entgegen, gelassen und denen verzeihend, die Ihn kreuzigen.
Gerade diese übernatürliche Annahme des Leidens ist wahrhaft eine Eroberung. Christus besiegt den Tod, indem Er am Kreuze stirbt, Gott lässt aus dem Tod Leben erstehen.
(Christus begegnen, 168)


6. Hat Gott die Geschöpfe nach der Erschaffung der Welt sich selbst überlassen?

Nach der Schöpfung überläßt Gott sein Geschöpf nicht einfach sich selbst. Er gibt ihm nicht nur das Sein und das Dasein, sondern er erhält es auch in jedem Augenblick im Sein, gibt ihm die Möglichkeit zu wirken und bringt es an sein Ziel. Diese völlige Abhängigkeit vom Schöpfer zu erkennen, führt zu Weisheit und Freiheit, zu Freude und Vertrauen.
„Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehaßt, so hättest du es nicht geschaffen. Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre? Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens“ (Weish 11, 24–26).
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 301)


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In unseren Brüdern, den Menschen, müssen wir Christus sehen, der uns in ihnen begegnet. Kein menschliches Leben ist isoliert, sondern jedes ist mit allen anderen verflochten. Keiner ist wie ein bezugloser Vers, alle sind wir Teil ein und derselben göttlichen Dichtung, die Gott unter Mitwirkung unserer Freiheit verfasst.
(Christus begegnen, 111)


Mag auch noch so vieles stürzen und scheitern, mag noch so großes Ungemach unsere Pläne zerstören - nichts wird dadurch besser, dass wir aus dem inneren Gleichgewicht geraten. Erinnere dich vielmehr an das vertrauensvolle Gebet des Propheten: »Der Herr ist unser Richter, der Herr gibt uns Gesetze, der Herr ist unser König, Er wird uns retten.«
Bete es täglich mit Andacht, damit dein Verhalten sich stets in Übereinstimmung mit der göttlichen Vorsehung findet, die uns zu unserem Besten lenkt.
(Die Spur des Sämanns, 555)

7. Wenn Gott der Herr der Geschichte ist und somit ihr Ziel kennt – sind wir dann nicht unfrei, vorherbestimmt?

Gott ist souverän Herr über seinen Ratschluß. Aber um ihn auszuführen, bedient er sich auch der Mitwirkung der Geschöpfe. Das ist nicht ein Zeichen von Schwäche, sondern der Größe und Güte Gottes. Denn Gott gibt seinen Geschöpfen nicht nur das Dasein, sondern auch die Würde, selbst zu handeln, Ursache und Ursprung voneinander zu sein und so an der Ausführung seines Ratschlusses mitzuarbeiten.
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr., 306)

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Unsere Mutter, die Kirche, hat sich immer für die Freiheit ausgesprochen und sie hat alle Spielarten des Fatalismus - die alten wie die neuen - verworfen. Sie hat erklärt, dass jeder Mensch Herr seines Schicksals ist - zum Guten wie zum Bösen: Wer Gutes getan hat, wird eingehen zum ewigen Leben, wer aber Böses, ins ewige Feuer. Diese ungeheuerliche Entscheidungsmacht, die in deiner, in meiner, in unser aller Hand liegt und die ein Zeichen unserer Würde ist, beeindruckt uns immer wieder von neuem. Die Sünde ist dermaßen ein willentliches Übel, dass sie in keiner Weise Sünde wäre, wenn sie nicht ihren Ausgangspunkt im Willen hätte. Diese Behauptung ist so einsichtig, dass sich darüber die wenigen Weisen und die vielen Unwissenden einig sind, die die Welt bevölkern.
(Freunde Gottes, 33)

Die Haltung eines Kindes Gottes ist nicht die des Sichabfindens mit einem tragischen Geschick, sondern die Freude eines Menschen, der sich des Sieges gewiss ist. Im Namen der siegreichen Liebe Christi müssen wir Christen überall auf der Erde mit unserem Wort und unserem Tun Frieden und Freude säen. Wir müssen kämpfen - den Kampf des Friedens - gegen das Böse, gegen die Ungerechtigkeit, gegen die Sünde, und auf diese Weise verkünden, dass der gegenwärtige Stand des Menschen nicht der endgültige ist, dass die Liebe Gottes, die sich im Herzen Christi zeigt, auch unter den Menschen einen herrlichen geistigen Triumph davontragen wird.
(Christus begegnen, 168)


8. Wie ist der Satz zu verstehen: „Der Mensch ist berufen, sich die Erde untertan zu machen.“?

Gott ermöglicht den Menschen, vernünftige, freie Ursachen zu sein, um das Schöpfungswerk zu vervollständigen und zu ihrem und der Mitmenschen Wohl seine Harmonie zu vervollkommnen. Die Menschen sind oft unbewußt Mitarbeiter Gottes, können jedoch auch bewußt auf den göttlichen Plan eingehen durch ihre Taten, ihre Gebete, aber auch durch ihre Leiden (vgl. Kol 1, 24). Dadurch werden sie voll und ganz „Mitarbeiter Gottes“ (1 Kor 3, 9) und seines Reiches (vgl. Kol 4, 11).
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 307)


Vom Glauben an Gott den Schöpfer läßt sich somit die Wahrheit nicht trennen, daß in jedem Tun seiner Geschöpfe Gott tätig ist. Er ist die Erstursache, die in und durch die Zweitursachen wirkt. „Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt, nach seinem Wohlgefallen“ (Phil 2, 13: vgl. 1 Kor 12, 6). Diese Wahrheit beeinträchtigt die Würde des Geschöpfes keineswegs, sondern erhöht sie. Durch die Macht, Weisheit und Güte Gottes aus dem Nichts gehoben, vermag das Geschaffene nichts, wenn es von seinem Ursprung abgeschnitten ist, denn „das Geschöpf sinkt ohne den Schöpfer ins Nichts“ (GS 36, 3). Erst recht kann es ohne die Hilfe der Gnade sein letztes Ziel nicht erreichen (vgl. Mt 19, 26; Joh 15, 5; Phil 4, 13).
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 308)


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Denkt wie ihr wollt in allem, was die göttliche Vorsehung dem freien, legitimen Streit der Meinungen überlassen hat. Aber ich bin Priester Jesu Christi und muß euch deshalb von einer umfassenderen Sicht her ermahnen, daß wir es jedenfalls niemals unterlassen dürfen, Gerechtigkeit zu üben, und zwar, wenn nötig, auch in einer heroischen Weise.
(Freunde Gottes, 170)


9. Was ist das Ziel unseres Lebens? Woher kommt alles, was existiert, und wo wird es enden? 

Wir glauben fest, daß Gott der Herr der Welt und der Geschichte ist. Die Wege seiner Vorsehung sind uns jedoch oft unbekannt. Erst am Schluß, wenn unsere Teilerkenntnis zu Ende ist und wir Gott „von Angesicht zu Angesicht“ schauen werden (1 Kor 13, 12), werden wir voll und ganz die Wege erkennen, auf denen Gott sogar durch das Drama des Bösen und der Sünde hindurch seine Schöpfung zur endgültigen Sabbatruhe3 führt, auf die hin er Himmel und Erde erschaffen hat.
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 314)


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"Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium" (Mk 1, 15). "Da kamen Scharen von Menschen zu ihm, und er lehrte sie" (Mk 2,13). Jesus sieht jene Boote am Ufer liegen und steigt in eines von ihnen. Mit welcher Natürlichkeit begibt sich Jesus in das Boot eines jeden von uns!
Wenn du dich dem Herrn näherst, bedenke, daß Er dir immer sehr nahe, daß Er in dir ist: "regnum Dei intra vos est" (Lk 17,21). Du wirst Ihm in deinem Herzen begegnen.
Christus soll herrschen, vor allem in unserer Seele. Damit Er in mir herrsche, brauche ich die Fülle seiner Gnade: denn nur so wird sich alles in ein Hosanna verwandeln, in einen Freudenruf zu Christus, meinem König: jeder Herzschlag, jeder Atemzug, jeder flüchtige Blick, jedes einfache Wort, jede noch so schlichte Empfindung.
"Duc in altum." - Aufs offene Meer! - Wirf deinen Pessimismus über Bord, der dich feige macht. "Et laxate retia vestra in capturam." Wirf deine Netze zum Fange aus. Vertrauen wir auf die Worte des Herrn: Steigen wir ins Boot, greifen wir zu den Rudern, hissen wir die Segel und fahren wir auf dieses Meer der Weit hinaus, das Christus uns als Erbteil gibt.
"Et regni eius non erit finis." - Seines Reiches wird kein Ende sein.
Freut es dich nicht, für ein solches Königreich zu arbeiten?
(Der Rosenkranz, Drittes lichtreiches Geheimnis: Die Ankündigung des Reiches Gottes)