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Interview: Das Buch ‘Jesus von Nazareth’ würde ich allen empfehlen

6 Juni 2007

Stichwörter: Jesus Christus, Bücher, Benedikt XVI.
Das Buch ‘Jesus von Nazareth’ würde ich allen empfehlen, sagt Bernardo Estrada, Ordinarius für Neues Testament an der theologischen Fakultät der päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom.

Das Buch, das bereits in Deutschland, Italien, Slowenien, Griechenland, Polen, Großbritannien, Frankreich und den USA erschienen ist, wird in kurzer Zeit in weitere Sprachen übersetzt werden.

- Könnten Sie uns das Buch ‘Jesus von Nazareth’ von Benedikt XVI. kurz vorstellen?
Dieses Buch ist von einem großen Theologen geschrieben worden, der gleichzeitig sehr gut die Heilige Schrift kennt. Man muß nur an die fast 25 Jahre denken, in denen der Autor Präsident der päpstlichen Bibelkommission gewesen ist, von deren Versammlungen er keine einzige versäumt hat. Und das macht sich in der Interpretation der besprochenen Texte bemerkbar. Das Buch hat nur einen Teil des Lebens Jesu zum Gegenstand, nämlich die Zeit von der Taufe bis zur Verklärung. In einem zweiten Band will der Papst die Kindheit und die übrige Zeit des öffentlichen Lebens vorstellen, die ihren Höhepunkt im österlichen Mysterium von Leiden, Tod und Auferstehung hat.

Der Verfasser betrachtet die Gestalt Jesu im Zusammenhang der gesamten biblischen Überlieferung, bei der er die Einheit von Altem und Neuem Testament betont. Es ist durchaus von Bedeutung, daß er im Vorwort des Buches mit Mose beginnt, auf den er sich bezieht als „einen Propheten wie mich, den Gott erstehen lassen wird“ (Deut 18, 15), um direkt im Anschluß darauf hinzuweisen, daß Jesus, den Mose angekündigt hatte, größer ist als er, weil er Gott von Angesicht sieht (vgl. Joh 1, 18).

- Wer ist Jesus für den Papst, nach dem, was er in seinem Buch über ihn schreibt?
Papst Benedikt XVI. erkennt alle Anstrengungen an, die im Laufe der Geschichte der Bibelinterpretation gemacht worden sind, um die Gestalt Jesu besser zu verstehen, und schätzt sie. Gleichzeitig sagt er, daß das wahre Bild Jesu Christi nur gesehen werden kann in Einheit mit der Tradition, die, ohne diese Geschichte auszuklammern, Jesus als den auferstandenen Christus und den Erlöser der Menschen darstellt. Aus diesem Grund nennt er zu Beginn seines Buches als den Ausgangspunkt seiner Überlegungen die Glaubensüberzeugung, daß Jesus Christus der Sohn Gottes ist.Er vermeidet die Gegenüberstellung von Glauben und Geschichte, denn der Jesus der Evanglien ist die historische Gestalt, den der Glaube der Kirche verkündet.

Es handelt sich um den Glauben, der vom Konzil von Chalcedon hinsichtlich der Person des fleischgewordenen Wortes als wahrer Gott und wahrer Mensch bekannt wurde. Aus dieser Perspektive betrachtet er die verschiedenen Szenen des Lebens Jesu und analysiert sie. Dabei leitet ihn das Bemühen, eine Lehre für die heutige Christen zu ziehen und sie zu der Erkenntnis zu führen, daß die Person Jesu Christi weiterhin aktuell ist und keinen Untergang kennt.

- Wem würden sie die Lektüre des Buches empfehlen?
Ohne aufzuhören, als Theologe zu schreiben, ist Papst Ratzinger in seinem Buch doch jedem Christen zugänglich, der über ein Minimum an religiöser Bildung und über Basiskenntnisse des Katechismus der Katholischen Kirche verfügt und sich dazu ein wenig im Evangelium auskennt. Daher würde ich es allen empfehlen, denn seine Sprache ist klar und direkt. Natürlich fehlen auch nicht gelehrte Bezugnahmen, die für einen Professor der Theologie mit Bibelkenntnissen charakteristisch sind. Diese sind jedoch kein Hindernis für eine flüssige und – so meine ich – angenehme Lektüre.

- Sie kennen den heiligen Josefmaria sehr gut. Möglicherweise haben Sie ihn direkt über Jesus von Nazareth sprechen hören. Wenn Sie jetzt das Buch des Papstes lesen, ruft das bei Ihnen irgendeine Aussage des heiligen Josefmaria über Christus wach?
Als ich den heiligen Josefmaria 1975 zum ersten Mal sprechen hörte, war ich beeindruckt von seiner Fähigkeit, seine Liebe zu Christus weiterzugeben. Ich erinnere mich daran, wie er alle einlud, sich oft in die Szenen des Evangeliums zu versetzen und das Leben Jesu „wie eine Person mehr“ zu verfolgen. Wenn ich nach konvergierenden Punkten mit dem Buch des Papstes suche, würde ich sagen, daß die dort ausgesprochene Einladung, „an der Quelle des Wortes Gottes zu trinken“ etwas ist, das der heilige Josefmaria von Beginn seines Priestertums an zu tun versuchte. Seine Kenntnis des Evangeliums und seine Vertrautheit mit dem inspirierten Text waren beeindruckend. Ein anderer Punkt wäre der, daß beide Christus als das Herz und die Mitte des Christentums ausmachen, was logisch und natürlich ist, aber in der Praxis der Verkündigung nicht immer getan wird.

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