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Dokumentation

In Krankenhäusern und Vorstadtvierteln

Salvador Bernal

Stichwörter: Freude, Nächstenliebe, Lehre, Krankheit, Jesus Christus
„Das Opus Dei“, erklärt José Manuel Doménech de Ibarra, „entstand in den Krankenhäusern und Armenvierteln Madrids. Ich kann, das, wenn auch nur für mein sehr bescheidenes Teil, bezeugen.“ Der Gründer des Opus Dei leistete eine ungeheure Arbeit vom Krankenstift aus in den Vororten Madrids und später im Hospital der Rey, im Allgemeinen Krankenhaus in der Santa-Isabel-Straße und im Hospital de la Princesa in der San-Bernardo-Straße.

Ungewöhnlich und schwer zu fassen war aber, daß er gerade an diesen Orten des Elends den wahren Reichtum suchte, den Reichtum des Gebetes und des Opfers der Kranken. Am Fest des heiligen Josef 1975 sagte er dazu vor Mitgliedern des Werkes in Rom:
Die Zeit verging. Ich suchte Kraft in den ärmsten Vierteln Madrids, täglich viele Stunden, zu Fuß von einem Ort zum anderen, bei Verarmten, die sich ihrer Armut schämten, und Verelendeten, die nichts hatten, überhaupt nichts, bei Kindern, mit Rotznasen und schmutzig, aber eben Kinder, das heißt, Gott wohlgefällige Seelen (...) Ich habe viele Stunden mit dieser Arbeit zugebracht. Schade, daß es nicht noch mehr waren. Und in den Hospitälern und bei den Kranken in ihren Häusern, wenn man diese Behausungen überhaupt Häuser nennen kann... Die Leute waren schutzlos und krank. Manche hatten eine damals noch unheilbare Krankheit, die Tuberkulose.

Über hundert Menschen vernahmen schweigend seine Worte, die mit leiser Stimme gesprochen wurden wie von jemandem, der in der Gegenwart Gottes sein Herz öffnet:
An all diesen Orten also habe ich die Mittel gesucht, um das Werk Gottes zu verwirklichen. Gleichzeitig arbeitete ich und bildete die ersten aus, die sich um mich gesammelt hatten. Es kamen Studenten, Arbeiter, Geschäftsleute, Künstler...
Es waren sehr intensive Jahre. Das Opus Dei wuchs nach innen, ohne daß wir es merkten. Ich wollte euch nur sagen (eines Tages wird man es euch mit mehr Einzelheiten, mit Dokumenten und Unterlagen erzählen), daß die menschliche Stärke des Opus Dei die Kranken in den Hospitälern von Madrid waren, Menschen im größten Elend, die ohne jede menschliche Hoffnung in ihren Wohnungen saßen, Menschen, die vollkommen ungebildet in diesen Vorstädten lebten.


Am 2. Juli 1974 bat ihn ein Teilnehmer des Treffens in Tabancura, einer Schule in Santiago de Chile, um eine Erklärung seines Wortes: der Schatz des Opus Dei sind die Kranken. Langsam, als beglücke ihn die Erinnerung, begann Msgr. Escrivá de Balaguer zu sprechen von einem Priester, der sechsundzwanzig Jahre alt war, die Gnade Gottes, gute Laune und sonst nichts besaß. Er hatte keine Tugenden und kein Geld. Und er mußte das Opus Dei verwirklichen... Und weißt du, wie ich das konnte? fragte er.
Mit Hilfe der Spitäler. Da war dieses Allgemeine Krankenhaus von Madrid, voller Kranker, unter den armseligsten Verhältnissen, sie lagen auf dem Gang, weil es keine Betten gab... Da war jenes Hospital del Rey, wie es hieß, in dem es nur Tuberkulosekranke gab – und die Tuberkulose war damals unheilbar... Das sind die Waffen gewesen, um zu siegen; das ist der Schatz gewesen, um zu bezahlen; das die Kraft, um voranzukommen! (...) Und so hat uns der Herr über die ganze Erde ausgebreitet, und wir sind in Europa, in Asien, in Afrika, in Amerika, Ozeanien, dank der Kranken, die ein Schatz sind.

Wenige Monate später, am 19. Februar 1975, kam der Gründer in Ciudad Vieja (Guatemala) wiederum auf jene Jahre zu sprechen, in denen er viele Hospitäler Madrids als eine ganze Artillerie hinter sich wußte.
Ich bat sie darum, ihre Schmerzen, ihre Bettlägrigkeit, ihre Einsamkeit – und manche von ihnen waren sehr einsam – aufzuopfern; ja, dies alles dem Herrn dazubringen, für unsere Arbeit mit den jungen Menschen.

Don Josemaría lehrte die Leidenden, die Freude des Leidens zu entdecken; er lehrte sie erkennen, daß sie am Kreuz Christi teilhatten und an etwas Großem und Göttlichem wirkten. Und der Gründer des Opus Dei fand in ihnen eine echte Quelle der Kraft und die Gewähr dafür, daß Gott das Werk voranbringen würde trotz der Menschen, trotz meiner selbst, der ich ein armer Mensch bin.

Von nun an würden, neben dem Katechismusunterricht in den Armenvierteln, Besuche bei kranken und verlassenen Menschen zu den selbstverständlichen apostolischen Mitteln zählen, um das Opus Dei unter der Jugend der Welt auszubreiten.
Über den christlichen Sinn des Schmerzes sprach der Gründer, als er im November 1972 Lissabon besuchte:
Auch körperlicher Schmerz wird dir nicht erspart bleiben, aber in ihm wirst du glücklich sein. Du hast das Buch Der Weg erwähnt – nun, ich kann es nicht auswendig. Aber dort steht der Satz: Gesegnet sei der Schmerz, geliebt sei der Schmerz, geheiligt sei der Schmerz, verherrlicht sei der Schmerz. Erinnerst du dich? Das schrieb ich in einem Hospital, am Bett einer Todkranken, der ich gerade die Letzte Ölung gespendet hatte. Wie sehr beneidete ich sie! Sie war reich gewesen und hatte im gesellschaftlichen Leben einen hervorragenden Platz eingenommen – jetzt lag sie hier auf dem Elendslager eines Krankenhauses, vom Tode gezeichnet und verlassen, ohne jeden Beistand außer dem, den ich ihr leisten konnte, bis sie starb. Und sie war glücklich und wiederholte langsam: Gesegnet sei der Schmerz – und sie machte wirklich alle körperlichen und seelischen Leiden durch –, geliebt sei der Schmerz, geheiligt sei der Schmerz, verherrlicht sei der Schmerz! Leiden – das ist ein Beweis, daß einer lieben kann, daß er Herz hat.

Es war im Jahr 1930, als Jenaro Lázaro erfuhr, daß der Vater außer seiner Krankenhaustätigkeit auch noch mehrere Katechesen hielt. An all die einzelnen Namen der Stadtteile, in denen sie stattfanden, kann er sich nicht mehr genau erinnern, nur, daß Don Josemaría oft nach Vallecas ging, weiß er noch. Und in dieses Vallecas kehrte Msgr. Escrivá de Balaguer am 1. Oktober 1967 zurück. Vieles hatte sich verändert. In der Aula von Tajamar, einem apostolischen Werk des Opus Dei, erinnerte der Gründer daran, daß er, als er fünfundzwanzig Jahre alt war, oft in diese damals kaum bebauten Gegenden kam, um Tränen zu trockenen und denen zu helfen, die Hilfe benötigten, den Kindern, den Alten, den Kranken; ihnen liebevoll und freundlich zu begegnen; und das wurde oft auch von Herzen erwidert..., gelegentlich flogen mir auch Steine nach.

Und nunmehr auf das Schulzentrum Tajamar verweisend, fuhr er fort: Was ich heute in so vielen Außenvierteln großer Städte erlebe, in denen wir die Menschen herzlich behandeln, ihnen in die Augen sehen, mit ihnen von Du zu Du sprechen, denn wir alle sind ja gleich (...), was ich hier erlebe, ist für mich wie ein Traum, ein gesegneter Traum. Ich bin ein Sünder, der Jesus Christus mit allen Kräften seiner Seele liebt; und ich fühle mich sehr glücklich, obwohl es mir an Sorgen nicht fehlt, denn in dieser Welt wird immer der Schmerz unser Begleiter sein. Ich möchte, daß ihr Jesus Christus liebt, daß ihr Ihn kennt, daß ihr glücklich seid wie ich: es ist nicht schwer, zu diesem Umgang zu gelangen. Vor Gott sind wir Menschen als seiner Geschöpfe alle gleich.

Aus dem Buch: Msgr. Josemaría Escrivá de Balaguer, Aufzeichnungen über den Gründer des Opus Dei, BERNAL, Salvador, S. 177-181