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Fragen und Antworten zum Glauben

Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater

Stichwörter: Lehre, Glaube, Gott, Vater
Unser Glaubensbekenntnis beginnt mit Gott Vater. Aber wer hat uns gesagt, dass Gott ein Vater ist? Wie offenbart Gott, dass er die Liebe ist? Was bedeutet es, dass Gott allmächtig ist? Warum ist er Vater und allmächtig? Warum existiert dann das Böse? Warum lässt Gott es zu? Und wenn Gott Vater ist, ist er dann auch „mein“ Vater? Wenn ich also Kind Gottes bin, wie kann ich dann in Beziehung mit meinem Vater treten? Und nimmt diese Beziehung dem Menschen nicht die Freiheit? Kann man Gott überhaupt vertrauen?

1. Wer hat uns gesagt, dass Gott ein Vater ist?

Jesus hat geoffenbart, daß Gott in einem ungeahnten Sinn „Vater“ ist: nicht nur als Schöpfer, sondern von Ewigkeit her Vater seines eingeborenen Sohnes, der von Ewigkeit her nur in bezug auf seinen Vater Sohn ist,„Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens“ (Hebr 1, 3).
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 240-241)

Wir können Gott als „Vater“ anrufen, weil sein menschgewordener
Sohn ihn uns geoffenbart hat und weil sein Geist ihn uns zu erkennen gibt. Wir glauben, daß Jesus der Christus ist und daß wir aus Gott geboren (Vgl. 1 Joh 5, 1) sind. Dadurch läßt uns der Geist des Sohnes an der persönlichen Beziehung des Sohnes zum Vater teilhaben (Vgl. Joh 1,1). Menschen können sich das nicht vorstellen, die Engel es nicht erahnen.
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2780)

Das Geheimnis betrachten

Wenn wir das Credo beten, bekennen wir unseren Glauben an Gott, den allmächtigen Vater, an seinen Sohn Jesus Christus, der gestorben und auferstanden ist, und an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebensspender. Wir bekennen, daß die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche der Leib Christi ist, vom Heiligen Geist beseelt. Wir bekennen freudig den Nachlaß der Sünden und die Hoffnung auf das ewige Leben. Aber: dringen diese Wahrheiten bis ins Herz, oder bleiben sie an den Lippen hängen?
Christus begegnen, 129

Christus ist weggegangen und hat uns den Heiligen Geist gesandt, der unsere Seele führt und heiligt. In uns wirkend, bestätigt der Tröster, was Christus uns verheißen hatte: daß wir Kinder Gottes sind und nicht den Geist der Knechtschaft empfangen haben, um uns wieder zu fürchten, sondern den Geist der Kindschaft, in dem wir rufen: Abba, Vater.
Christus begegnen, 118

2. Auf welche Weise offenbart Gott, dass er die Liebe ist?

Die Liebe Gottes zu Israel wird mit der Liebe eines Vaters zu seinem
Sohn verglichen. Diese Liebe ist größer als die Liebe einer Mutter zu ihren Kindern. Gott liebt sein Volk mehr als ein Bräutigam seine Braut. „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4, 8. 16):Liebe ist das Wesen Gottes. Indem er in der Fülle der Zeit seinen einzigen Sohn und den Geist der Liebe sendet, offenbart Gott sein innerstes Geheimnis: Er selbst ist ewiger Liebesaustausch.
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 218-221)

“Liebe Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott, und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe. Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat. damit wir durch ihn leben. Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.” (1 Joh 4, 7-10)

Das Geheimnis betrachten

Wie ist es möglich zu begreifen, daß Gott uns liebt, ohne gleichfalls aus Liebe den Verstand zu verlieren? Wir müssen uns von diesen Glaubenswahrheiten durchdringen lassen, bis sie unser ganzes Leben verwandelt haben. Gott liebt uns: der Allmächtige, der Himmel und Erde erschaffen hat!
Christus begegnen, 144

3. Was bedeutet es, dass Gott allmächtig ist?

Gott hat sich als „stark und gewaltig“ (Ps 24, 8) offenbart, als jener, für den "nichts unmöglich" (Lk 1, 37) ist. Seine Allmacht ist grenzenlos, geheimnisvoll, sie zeigt sich in der Erschaffung der Welt und des Menschen aus dem Nichts, vor allem aber in der freiwilligen Erniedrigung und in der Auferstehung seines Sohnes, in der Annahme an Kindesstatt und der Vergebung der Sünden. Daher richtet die Kirche ihr Gebet oft an den „allmächtigen, ewigen Gott“ [omnipotens sempiterne Deus .. .].
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 268-278)

Das Geheimnis betrachten

Dir ist, als stürze die ganze Welt über dir zusammen. Nirgendwo zeigt sich ein Ausweg. Wirklich, diesmal ist es unmöglich, der Schwierigkeiten Herr zu werden. Hast du denn wieder vergessen, daß Gott dein Vater ist? Ein allmächtiger, allwissender, barmherziger Vater? Niemals kann Er dir Schlechtes schicken. Was dir Sorgen bereitet, ist gut für dich, auch wenn deine irdischen Augen jetzt blind sind.
Der Kreuzweg, 9. Station, 4

4. Warum ist Gott zugleich Vater und allmächtig?

Gott ist der allmächtige Vater. Seine Vaterschaft und seine Macht
erhellen sich gegenseitig. Er zeigt ja seine väterliche Allmacht dadurch, daß er für uns sorgt, daß er uns als seine Kinder annimmt (ich will „euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Herrscher über die ganze Schöpfung“: 2 Kor 6, 18); er zeigt seine Allmacht auch durch sein unendliches Erbarmen, denn er erweist sie vor allem dadurch, daß er uns aus freien Stücken die Sünden vergibt.
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 270)

Die Anrede Vater „unser“ richtet sich an Gott. Dieses Pronomen drückt unsererseits nicht ein Besitzen, sondern eine ganz neue Beziehung zu Gott aus.
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2786)

Das Geheimnis betrachten

Wenn wir uns reuig an unseren Vater Gott wenden, dann macht Er aus unserem Elend Reichtum und aus unserer Schwachheit Stärke. Was wird Er uns bereiten, wenn wir Ihn nicht verlassen, wenn wir jeden Tag bei Ihm sind, wenn wir Worte der Liebe, mit Taten bekräftigt, an Ihn richten, wenn wir im Vertrauen auf seine Allmacht und Barmherzigkeit alles von Ihm erbitten? Der Sohn kehrt heim, nachdem er seinen Vater verraten hat, und schon bereitet dieser ein Festmahl: Was wird Er uns gewähren, uns, die wir immer bestrebt gewesen sind, an seiner Seite zu bleiben?
Freunde Gottes, 309)

Gerade diese übernatürliche Annahme des Leidens ist wahrhaft eine Eroberung
5. Wenn Gott allmächtig ist und alles lenkt, warum existiert dann das Böse? Warum lässt Gott es zu?

Wenn doch Gott, der allmächtige Vater, der Schöpfer einer geordneten
und guten Welt, sich aller seiner Geschöpfe annimmt, warum gibt es dann das Böse? Jede vorschnelle Antwort auf diese ebenso bedrängende wie unvermeidliche, ebenso schmerzliche wie geheimnisvolle Frage wird unbefriedigt lassen.
Der christliche Glaube als ganzer ist die Antwort auf diese Frage.

Das Gutsein der Schöpfung, das Drama der Sünde, die geduldige Liebe Gottes, der dem Menschen entgegenkommt. Er tut dies durch seine Bundesschlüsse, vor allem durch die erlösende Menschwerdung seines Sohnes. „Der allmächtige Gott ... könnte in seiner unendlichen Güte unmöglich irgend etwas Böses in seinen Werken dulden, wenn er nicht dermaßen allmächtig und gut wäre, daß er auch aus dem Bösen Gutes zu ziehen vermöchte“ (hl. Augustinus, enchir. 3, 11).

Aus dem schlimmsten moralischen Übel, das je begangen worden ist, aus der durch die Sünden aller Menschen verschuldeten Verwerfung und Ermordung des Sohnes Gottes, hat Gott im Übermaß seiner Gnade2 das größte aller Güter gemacht: die Verherrlichung Christi und unsere Erlösung. Daß Gott das physische und das moralische Böse zuläßt, ist ein Mysterium, das er durch seinen Sohn Jesus Christus erhellt, der gestorben und auferstanden ist, um das Böse zu besiegen. Der Glaube gibt uns die Gewißheit, daß Gott das Böse nicht zuließe, wenn er nicht auf Wegen, die wir erst im ewigen Leben vollständig erkennen werden, sogar aus dem Bösen Gutes hervorgehen ließe.
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 309-324)

Das Geheimnis betrachten

Der Schmerz hat einen Platz in den Plänen Gottes: auch wenn es uns schwerfällt, dies zu begreifen, so wie es Christus als Mensch schwerfiel: Vater, wenn du willst, laß diesen Kelch an mir vorübergehen. Doch nicht mein Wille geschehe, sondern der deine . In dieser Spannung zwischen Pein und Hinnahme des Willens des Vaters geht Jesus dem Tod entgegen, gelassen und denen verzeihend, die Ihn kreuzigen.

Gerade diese übernatürliche Annahme des Leidens ist wahrhaft eine Eroberung. Christus besiegt den Tod, indem Er am Kreuze stirbt, Gott läßt aus dem Tod Leben erstehen. Die Haltung eines Kindes Gottes ist nicht die des Sichabfindens mit einem tragischen Geschick, sondern die Freude eines Menschen, der sich des Sieges gewiß ist. Im Namen der siegreichen Liebe Christi müssen wir Christen überall auf der Erde mit unserem Wort und unserem Tun Frieden und Freude säen.

Wir müssen kämpfen - den Kampf des Friedens - gegen das Böse, gegen die Ungerechtigkeit, gegen die Sünde, und auf diese Weise verkünden, daß der gegenwärtige Stand des Menschen nicht der endgültige ist, daß die Liebe Gottes, die sich im Herzen Christi zeigt, auch unter den Menschen einen herrlichen geistigen Triumph davontragen wird.
Christus begegnen, 168

6. Wenn Gott Vater ist, ist er dann auch „mein“ Vater?

Dieses Gnadengeschenk der Annahme an Kindesstatt verlangt von uns eine beständige Umkehr und ein neues Leben
Die Liebe Gottes zu Israel wird mit der Liebe eines Vaters zu seinem
Sohn verglichen (vgl. Hos 11, 1). Diese Liebe ist größer als die Liebe einer Mutter zu ihren Kindern (vgl. Jes 49, 14-15). Gott liebt sein Volk mehr als ein Bräutigam seine Braut (Jes 62, 4-5). Diese Liebe wird sogar über die schlimmsten Treulosigkeiten siegen
(vgl. Ez 16; Hos 11.)(...)
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 219)

«Staub werden müßte das Geschöpf aus Erde, wenn nicht des Vaters Machtgebot, wenn nicht der Geist des Sohnes selbst uns zu diesem Rufe auffordern würde ...‚Abba, Vater!‘ (Röm 8, 15) ... Wann würde wohl ein sterbliches Wesen es wagen, Gott Vater zu nennen, wenn nicht Kräfte des Himmels das Innere des Menschen belebten?“ (hl. Petrus Chrysologus, serm. 71).
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2777)

“Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, Brüder, so dass wir nach dem Fleisch leben müssten. Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die (sündigen) Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben. Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sonder ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihn leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden. (Röm 8, 12-17)

Das Geheimnis betrachten

Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. [...] Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. (Mt 3, 13-17) In der Taufe hat Gott, unser Vater, von unserem Leben Besitz ergriffen, es dem Leben Christi eingegliedert und uns den Heiligen Geist gesandt. (...) Der Herr prägte deiner Seele in der Taufe ein unauslöschliches Siegel ein: Du bist Sohn Gottes, Tochter Gottes. Kind, entflammt dich nicht der mächtige Wunsch, zu erreichen, daß alle Ihn lieben?
Der Rosenkranz, 1. lichtreiches Geheimnis

Die Gotteskindschaft ist eine herrliche Wahrheit, ein tröstliches Geheimnis. Sie erfüllt ganz unser inneres Leben. Denn durch sie lernen wir, mit unserem himmlischen Vater umzugehen, Ihn kennenzulernen, Ihn zu lieben. Sie gründet unseren inneren Kampf auf die Hoffnung, und sie ist es schließlich, die uns die vertrauensvolle Einfachheit kleiner Kinder schenkt. Mehr noch: gerade weil wir Kinder Gottes sind, schauen wir mit Liebe und Bewunderung auf alle Dinge, die aus der Hand des göttlichen Vaters und Schöpfers stammen. Auf diese Weise leben wir kontemplativ inmitten der Welt und lieben diese Welt.
Christus begegnen, 65


7. Wenn ich Kind Gottes bin, wie kann ich dann in Beziehung mit meinem Vater treten?

Wir können den Vater anbeten, weil er uns durch die Annahme an
Kindes Statt in seinem eingeborenen Sohn die Wiedergeburt zu seinem Leben geschenkt hat. Durch die Taufe gliedert er uns dem Leib seines Christus, des Gesalbten, ein, und durch die Salbung mit seinem Geist, die sich vom Haupt über die Glieder ergießt, macht er auch uns zu „Gesalbten“. „Der neue, wiedergeborene und seinem Gott durch dessen Gnade wiedergegebene Mensch sagt zuerst ‚Vater‘, weil er sein Sohn geworden ist“ (hl. Cyprian, Dom. orat. 9).
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2782)

Dieses Geschenk der Gnade der Annahme an Kindes Statt verlangt von
uns eine fortwährende Bekehrung und ein neues Leben. Das Gebet des Vaterunsers soll zwei Grundhaltungen in uns entwickeln.
Das Verlangen und der Wille, uns ihm anzugleichen. Da wir nach
seinem Bild geschaffen sind, wurde uns aus Gnade die Ähnlichkeit mit ihm wieder verliehen. Ihr sollen wir entsprechen.„Wenn wir Gott unsern Vater nennen, müssen wir uns auch als Söhne Gottes
verhalten“ (hl. Cyprian, Dom. orat. 11). „Ihr könnt euren Vater nicht den Gott alles Guten nennen, wenn ihr ein unmenschliches und grausames Herz behaltet. Denn in diesem Fall habt ihr nicht mehr das Kennzeichen der Güte des himmlischen Vaters in euch“ (hl. Johannes Chrysostomus, hom. in Mt. 7, 14 3).
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2784)

(...) „Vater unser: Dieser Name weckt in uns beim Beten gleichzeitig Liebe, Zuneigung... und auch die Hoffnung, zu erlangen, um was wir bitten... Was kann er denn dem Gebet seiner Kinder verweigern, wenn er ihnen schon zuvor gestattet hat, seine Kinder zu sein?“ (hl. Augustinus, serm. Dom. 2, 4, 16).
Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2785)

Das Geheimnis betrachten

Ein Kind Gottes begegnet dem Herrn als seinem Vater: Sein Umgang ist weder liebedienerische Unterwürfigkeit noch höfische Ehrerbietung; es ist ein Umgang voll Aufrichtigkeit und Vertrauen. Gott nimmt nicht Anstoß an den Menschen. Gott wird unser nicht überdrüssig wegen unserer Treulosigkeiten. Unser himmlischer Vater verzeiht jede Beleidigung, wenn nur der Sohn umkehrt und sich Ihm wieder zuwendet, wenn er bereut und um Verzeihung bittet. Unser Herr ist so sehr Vater, daß Er sogar unserem Verlangen nach Vergebung zuvorkommt und uns mit ausgebreiteten Armen entgegengeht, um uns seine Gnade zu schenken.
Christus begegnen, 64

Ruhe aus in der Gotteskindschaft! Gott ist Vater - dein Vater! Zart und unerschöpflich ist seine Liebe.
Nenne Ihn oft Vater und sage Ihm unter vier Augen, daß du Ihn liebst, sehr, sehr liebst! Sage Ihm, daß du zutiefst die Ehre empfindest, sein Sohn, seine Tochter zu sein, und daß du daraus deine ganze Kraft schöpfst.
Im Feuer der Schmiede, 331

(...) Seht, wie überraschend diese Antwort ist. Die Jünger sind ständig mit Jesus zusammen, und der Herr sagt ihnen, mitten in einem Gespräch, wie sie beten sollen. Er offenbart ihnen das große Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit: daß wir Kinder Gottes sind und daß wir uns vertrauensvoll mit Ihm unterhalten dürfen, so wie der Sohn mit seinem Vater spricht.
Freunde Gottes, 145

8. Nimmt diese Beziehung dem Menschen nicht die Freiheit? Kann man Gott überhaupt vertrauen?

Gott hat den Menschen als vernunftbegabtes Wesen erschaffen und ihm
die Würde einer Person verliehen, die aus eigenem Antrieb handelt und über ihre Handlungen Herr ist. „Gott wollte nämlich den Menschen ‚der Macht der eigenen Entscheidung überlassen‘ (Sir 15, 14), so daß er von sich aus seinen Schöpfer suche und frei zur vollen und seligen Vollendung gelange, indem er ihm anhängt“ (GS 17).
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1730)

Durch sein glorreiches Kreuz hat Christus allen Menschen das Heil erworben. Er hat sie von der Sünde befreit, die sie gefangen hielt. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ (Gal 5, 1). In ihm haben
wir teil an der „Wahrheit“, die frei macht1. Uns wurde der Heilige Geist geschenkt, und „wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“ (2 Kor 3, 17), lehrt der hl. Paulus. Schon jetzt rühmen wir uns der „Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21).
(Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1741)

Das Geheimnis betrachten

Die Sprache vermag nicht mehr auszudrücken, was das Herz angesichts der Güte Gottes empfindet. Er sagt zu uns: Du bist mein Sohn; nicht ein Fremder, nicht ein Knecht, den man gütig behandelt, nicht ein Freund - das wäre schon viel -, ein Sohn! Er ebnet uns den Weg, Ihm mit der liebenden Ehrfurcht eines Sohnes zu begegnen - ja, ich wage zu sagen - auch mit der Unbekümmertheit eines Sohnes gegenüber seinem Vater, der es nicht übers Herz bringt, ihm eine Bitte abzuschlagen.
Christus begegnen, 185

Entfache in deinem Herzen und in deiner Seele - in Verstand und Willen - den Geist des zuversichtlichen Vertrauens auf den liebevollen Willen des himmlischen Vaters... aus dieser Quelle fließt der innere Frieden, nach dem du dich sehnst.
Die Spur des Sämanns, 850


Mit den Worten des Papstes betrachten

Auch wir müssen (wie Jesus) im Gebet fähig sein, unsere Mühsal vor Gott zu bringen, das Leiden gewisser Situationen, gewisser Tage, das tägliche Bemühen, ihm nachzufolgen, Christen zu sein, und auch die Last des Bösen, das wir in uns und um uns herum sehen, auf daß er uns Hoffnung gebe, uns seine Nähe spüren lasse, uns auf dem Weg des Lebens etwas Licht schenke.

Jesus setzt sein Gebet (im Ölgarten) fort: »Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst (soll geschehen)« (Mk 14,36). In diesem Gebet gibt es drei erhellende Passagen. Am Anfang haben wir die Verdopplung des Ausdrucks, mit dem Jesus sich an Gott wendet: »Abba, Vater« (Mk 14,36a). Wir wissen, daß Kinder sich mit dem aramäischen Wort »Abba« an ihren Papa wandten und es daher die Beziehung Jesu zu Gott, dem Vater, zum Ausdruck bringt: eine Beziehung voll Zärtlichkeit, Liebe, Vertrauen, Hingabe. Im Mittelteil des Gebets befindet sich als zweites Element das Wissen um die Allmacht des Vaters: »Alles ist dir möglich.« Es leitet eine Bitte ein, in der noch einmal das Drama des menschlichen Willens Jesu angesichts des Todes und des Bösen erscheint: »Nimm diesen Kelch von mir!« Aber dann ist da der dritte Ausdruck des Gebets Jesu, und das ist der Entscheidende, in dem der menschliche Wille dem göttlichen Willen vollkommen zustimmt. Denn Jesus sagt ab - schließend mit Nachdruck: »Aber nicht, was ich will, sondern was du willst (soll geschehen)«
(Benedikt XVI., Mittwochsaudienz, 1. Februar 2012)