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Persönliche Zeugnisse

Ich erkannte, dass ich zugleich ein guter Christ, Fußballfan und Politiker sein konnte

Ich muss die Tatsache anerkennen, dass ich in einer sehr idealistischen Familie groß geworden bin. Ich wurde in die Politik hinein geboren und darin aufgezogen. Ideen und Ideale zu erörtern war immer schon Teil meines Lebens.

1 Dezember 2002

Stichwörter: Opus Dei, Politik, Dienst, Einheit des Lebens
Ich muss die Tatsache anerkennen, dass ich in einer sehr idealistischen Familie groß geworden bin. Ich wurde in die Politik hinein geboren und darin aufgezogen. Ideen und Ideale zu erörtern war immer schon Teil meines Lebens. Ich habe mich immer als Idealisten gesehen und daher verteidige ich die Überzeugung, die mir von meinen Eltern eingeflößt wurde, dass das Leben einen Sinn hat, wenn man ein Ideal hat und daran festhält.

Auch soziale Unruhe war immer Teil meines Leben, aus verstandesmäßigen wie auch aus persönlichen Gründen: Wir mussten alle unter den schlimmen Folgen der Wirtschaftspolitik eines Diktators leiden. Mein Vater traf 1960 Luis Batlle und kurz danach zog er nach Montevideo, um auf die Universität zu gehen und für die Partido Colorado (die traditionell liberale Partei in Uruguay) zu arbeiten, für die Batlle kandidierte. Während der Wahlkampagne traf mein Vater meine Mutter, die für ihren Masters studiert, in einem politischen Klub und sie heirateten acht Monate später. Ich wurde 1968 geboren, ein hundertprozentiges Produkt der Politik.


Was mich am meisten am Opus Dei anzog, war, dass ich zu Zentren des Werkes ging, um dort geistliche Führung und religiöse Anleitung zu bekommen, die mir halfen, den Dingen auf den Grund zu gehen. Ich bin ein verstandesbetonter Mensch und hatte oft gedacht, Glaube sei reine Gefühlssache, was mir überhaupt nicht entsprach. Die Mitglieder des Opus Dei lehrten mich einen handfesten, soliden Glauben und erklärten mir, dass zwischen Glauben und Leben kein Riss war, dass ich ein Fußball-Fan, ein Parteimitglied in der Colorado Partei und ein guter Christ sein konnte, ohne eines von den dreien aufzugeben oder zu ändern. Was ich wirklich gut fand: ich konnte zu dem Amsterdam Road Football Klub gehen und für Morena schreien, Flugblätter der Liste 15 ( ein Teil der Colorado-Partei) verteilen und jeden Tag zur Messe gehen; und alles bildete eine Einheit. Das war das beste von allem.

Manchmal fragen mich Leute, ob es schwer ist, dem Opus Dei anzugehören und Politiker zu sein. Ich denke, es ist nicht schwer, eher das Gegenteil. Wenn es etwas gibt, was eine Konstante des politischen Leben im Laufe der Geschichte ist, dann dass es nur unter dem Blickwinkel des Dienstes verstanden werden kann. Und das Wesentliche des christlichen Lebens ist die Nächstenliebe. Im Opus Dei lehrt man uns, andere Menschen zu lieben, jene eingeschlossen, die eine andere Meinung als wir haben.

Ich habe meine Berufung zum Politiker nicht im Opus Dei entdeckt – ich wurde in die Politik hinein geboren. Aber ich habe entdeckt, dass ich aus übernatürlichen Gründen für die anderen da sein, frohgemut Schwierigkeiten anpacken, anderen in ihren körperlichen und geistlichen Nöten helfen kann. So vielen Menschen fehlt einfach, dass ihnen jemand zuhört und sie als Person anerkennt. Das Opus Dei hat mir in meinem politischen Leben sehr geholfen, mich wieder mit Menschen zu versöhnen, mit denen ich mich gestritten habe, und zu versuchen, keinen Groll zu hegen. Am meisten hilft mir, was mir ein Priester des Opus Dei einmal sagte: „Sieh hinter jedem Menschen nicht die Wahlstimme sondern die Seele." Das ist nicht leicht, weil es wahr ist, dass ich nach Seelen und Stimmen Ausschau halte, aber es hilft mir zu erkennen, was wirklich zählt. Es ist schwierig, aber im Werk bringt man uns bei, es immer und immer wieder zu versuchen.

Ich habe es nicht zum ersten Mal gesagt, aber ich muss es immer wiederholen: Im Opus Dei hat man mir nie einen Hinweis bezüglich meiner politischen Aufgabe gegeben. Und mehr noch, meine politische Loyalität gehört Jorge Batlle, Liste 15 und meinen Wählern, dem Opus Dei bin ich politisch nichts schuldig. Natürlich versuche ich, ein guter Christ zu sein. Ich denke, der hl. Josefmaria Escrivá hat dafür ein wunderbares Beispiel gegeben, als er sagte: Der christliche Glaube ist kein Hut, den man anzieht oder abnimmt, je nachdem wo man gerade ist.

Ich muss auch sagen, dass ich niemals jemanden, den ich durch dasOpus Dei kannte, gebeten habe, für oder gegen mich zu stimmen, weil das zu verraten hieße, was für mich das Heiligste ist, die Berufung sich mitten in der Welt und durch die tägliche Arbeit um Heiligkeit zu bemühen.

Hinsichtlich des Themas „das Opus Dei und die Politik“ gefällt mir die Antwort des hl. Josefmaria auf die Frage: „Welche Stellung haben die Mitglieder des Opus Dei im öffentlichen Leben ihrer Länder?" Seine Antwort erklärte auf geniale und eindeutige Art die Freiheit, die die Menschen im Werk haben: „Welche immer sie wollen." Das ist so klar, wie es klarer nicht sein kann.