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Heute sind es fünfzig Jahre her...

20 September 2013

Stichwörter: Heiligkeit, Roland Joffé
Pablo Cabellos.
Pablo Cabellos.
Dieser Artikel wurde in der spanischen Tageszeitung Las Provincias veröffentlicht. Pablos Cabellos, ein Priester der Prälatur, erinnert sich an seine erste Begegnung mit dem hl. Josefmaria.

Heute sind es fünfzig Jahre her, dass ich überzeugt war, einen Vater aus der Nähe erlebt zu haben, einen ganz normalen Menschen, der gleichzeitig außergewöhnlich war, jemanden, der sich täglich bemühte, heilig zu werden und so viele Menschen wie möglich, mit derselben Leidenschaft anzustecken.

Jetzt, wo ich dies niederschreibe, sind es fünfzig Jahre her, dass ich einen Heiligen kennen gelernt habe. Bis meine Erinnerung veröffentlicht wird, wird allerdings bereits einige Zeit vergangen sein. Ich war damals ein Student, der gerade um die Aufnahme ins Opus Dei gebeten hatte. Ich gehörte zu einer Gruppe von jungen Leuten in einer ähnlichen Situation, die einen Sommerkurs in Belagua, einem der Universität von Navarra angeschlossenen Studentenheim machte, um etwas auszuspannen und gleichzeitig christliche und menschliche Bildung zu erhalten. Der hl. Josefmaria verbrachte, wenn ich mich recht erinnere, einige Tage in Elorrio im Baskenland, das er sehr liebte, wie er überhaupt ganz Spanien in sein Herz geschlossen hatte. Auch wenn das ein kleiner Exkurs ist, möchte ich erwähnen, das er von meiner Stadt Valencia sagte, Gott wünsche, dass er diese Stadt ganz besonders gern haben sollte.

Am 23. August 1963 kam er nach Pamplona, um uns zu besuchen. Ich kannte nur sein Büchlein „Der Weg“ und hatte von einem alten Tonbandgerät und einem nicht weniger alten Tonband die Aufnahme der Homilie „Leben aus dem Glauben“ gehört, die erst Jahre später veröffentlicht wurde. Die geistliche Kraft dieser Betrachtung begeisterte mich – sie tut es immer noch – so wie es andere Betrachtungen taten, die ich später kennen lernte. Das war das Gepäck, mit dem ich dem Menschen entgegentrat, der uns besuchte. Klar, er war der Gründer des Opus Dei und wurde Vater genannt, weil wir eine Familie waren. Aber es war ein Unterschied zu dem gängigen Namen, den man gemeinhin einem Priester gab, oder wie man in Spanien gewöhnlich einen Ordensmann nannte, die der hl. Josefmaria sehr liebte, obwohl er selber hundertprozentig Weltpriester war. Er war „der Vater“, weil er ein wirklicher Vater war – einfach so, wie ein Baske gesagt haben würde.

Später habe ich mir überlegt, dass die Charismen, die Gott unter seinen Kindern verteilt, und von denen einige – wie in diesem Fall – sehr außergewöhnlich sind, in gewisser Weise auch nach außen sichtbar werden. Sollte ich damals eine irgendeine phantasievolle Vorstellung vom Gründer gehabt haben, so verschwand sie in dem Moment, in dem ich ihm gegenüber stand. Man sah einen Vater, der Freude und Vertrauen verbreitete, während er von der Eingangstür bis zur Kapelle ging, um dort den Herrn im Tabernakel zu begrüßen – das war immer das erste, was er tat – und dann weiter den Gang Richtung Wohnzimmer ging. Wir waren recht viele, es waren noch welche von einem anderen Kurs hinzu gekommen, der im Studentenheim Aralar stattfand, junge Berufstätige, die in Rom gelebt hatten.
Der hl. Josefmaria mit einigen Mitgliedern des Opus Dei in Rom.
Der hl. Josefmaria mit einigen Mitgliedern des Opus Dei in Rom.

Zu dieser anfänglichen Natürlichkeit, die schon erstaunlich genug war, kamen weitere Überraschungsmomente hinzu: Er kannte zum Beispiel konkrete Einzelheiten der jungen Männer, die aus Italien gekommen waren, wie die Operation des Vaters eines Nordamerikaners, wusste genau Bescheid über den Bau eines Tagungshauses in Irland, über das er mit jemandem aus diesem Land sprach, das Interesse an der Familie eines anderen usw. Diese kurzen Interventionen kamen aber nicht alle auf einmal, sondern nach und nach, während er die entsprechenden Leute unter den wenigen auf Stühlen Sitzenden, den vielen auf dem Boden Verteilten und dem Rest der im Hintergrund Stehenden entdeckte. Das Ganze war weder abgesprochen noch sonst wie organisiert; es war ein Familientreffen, bei dem jeder erzählte, was er wollte, ein anderer fragte, ob wir etwas singen sollten, was wir dann auch taten, und danach wurde ein Witz erzählt. Von Zeit zu Zeit streute er einen übernatürlichen Gedanken ein, gab einen Impuls, damit wir alles auf Gott bezogen und ungeahnte apostolische Horizonte entdeckten.

"Ich bin ein Freund der Straße, der freien Luft, des klaren Wassers", sagte der hl. Josefmaria mit einem Lied, das ein Gebet war, das sich mit Gott füllte, ohne aufzuhören, alles liebevoll zu umarmen, was menschlich wertvoll ist.
Sein Ansporn lässt mich jetzt an den Punkt vom Weg denken: „Denke nicht wie ein Spießer. - Mache dein Herz weit, weltweit, 'katholisch'. Flattere nicht wie eine Henne, wenn du wie ein Adler aufsteigen kannst." Aber das Ganze wirkte keineswegs wie eine Predigt, sondern begeisterte irgendwie, steckte mit einer übernatürlichen Natürlichkeit an, die die Grenzen des Menschlichen zum Göttlichen überschritt und wieder zurückführte, ohne dass die Ebenen vermischt wurden. Und immer wurde die Freiheit, die er in alle vier Himmelrichtungen verkündete, geachtet: Ich bin ein Freund der Straße, der freien Luft, des klaren Wassers, ich möchte diese Welt aus ganzem Herzen lieben, sagte er mit einem Lied, das ein Gebet war, das sich mit Gott füllte, ohne aufzuhören, alles liebevoll zu umarmen, was menschlich wertvoll ist. Außerdem lernte ich, dass dieser Adlerflug den Sinn hat, anderen zu dienen.

Ich war eher schüchtern, aber fast ohne es zu merken, fragte ich ihn nach dem besonderen Anliegen, wofür das ganze Werk damals betete. Es war die Errichtung des Opus Dei als Personalprälatur, die Rechtsfigur, die die Einheit aller Männer und Frauen, die diese Berufung erhalten hatten, unter der Leitung des Prälaten und seiner Vikare sichern würde; gleichzeitig ging es da um die Säkularität, diese Wirklichkeit, dass seine Mitglieder gewöhnliche Männer und Frauen waren, Getaufte, die ihre christliche Berufung mitten in der Welt nach einem von Gott gewollten Geist lebten, dazu einige Weltpriester, ihren Brüdern im Klerus aller Diözesen der Welt gleich.

In jenem Augenblick antwortete er mir mit einer Erklärung, die er damals geben konnte: man müsse noch sehr viel beten und viele Messen und Rosenkränze, Zeiten der Arbeit und der Erholung, jede Krankheit und selbst den Tod aufopfern, bis der Geist des Werkes und die Wirksamkeit seines Apostolates gesichert sein würde.

Der mir zur Verfügung stehende Platz ist fast gefüllt und das Wichtigste bleibt noch zu sagen: von dem Moment an war ich überzeugt, einen Vater aus der Nähe kennen gelernt zu haben, einen ganz normalen Menschen, der gleichzeitig außergewöhnlich war, jemanden, der sich täglich bemühte, heilig zu werden und so viele Menschen wie möglich, mit derselben Leidenschaft anzustecken. Heute sind es fünfzig Jahre her, dass ich einen Heiligen kennen gelernt habe.