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Persönliche Zeugnisse

Gott ist nicht in den Wolken

Aleksandr Zorin, Dichter und Mitglied des Schriftstellerverbandes, Russland

27 Januar 2009

Stichwörter: Der Weg, Arbeit, Einheit des Lebens
Escrivá lehnt das hartnäckige Klischee ab, das besagt, dass Familie und Beruf sich gegenseitig ausschließen, dass es sozusagen verschiedene Sphären sind, aus denen wir erschöpft und ausgepresst wie eine Zitrone heraus kommen. Dieser unerschütterliche Optimist, Verfasser von Bestsellern, die viele nützliche Lektionen enthalten, hat uns im 20. Jahrhundert daran erinnert, dass das öffentliche und private Leben als Dienst gelebt werden und auf der Straße zum ewigen Leben die höchsten Werte verteidigen können. Es ist kein Zufall, dass das Werk auf der ganzen Welt Tausende von Mitgliedern hat.

Sein Buch Der Weg war für mich nicht nur ein Buch, es wurde zur Wahrheit meines Lebens. Sein Verfasser wurde für mich ein enger Freund, ein Verwandter. Ich beziehe mich ständig auf dieses Buch und es hat auf mich einen großen Einfluss gehabt.

Schauen wir uns zum Beispiel das berühmte Beispiel des Aufstehens am Morgen an. Escrivá sagt: "Wenn du nicht zur festgesetzten Zeit aufstehst, wirst du nie den Lebensplan erfüllen." So beginnt sein Enfluss bereits bei Tagesbeginn.

Es ist, wichtig, Gott nicht in den Wolken zu suchen, an einem Ort außerhalb deiner selbst, sondern vielmehr hier und jetzt. Escrivá baute auf diesem Fundament seine Begegnung mit Gott auf, hier, in der Lebenswirklichkeit, in der Situation, in der wir uns befinden. Escrivá sagt, dass die Ausübung deines Berufes ein Anlass für die Begegnung mit Gott sein kann.

Das spürte ich schon vor sehr langer Zeit – um genau zu sein, als Escrivá diesen Gedanken für mich erhellte. Ich spürte, dass meine Begegnung mit Gott genau hier stattfindet, an meinem Schreibtisch. Der Dichter betet durch seine Gedichte. Vielleicht ist das eine Blasphemie, aber ich glaube, dass die Priester und Beichtväter mich verstehen werden, wenn ich sag e, dass Gott hier, auf meinem Schreibtisch, in der Ausübung meines Berufes, nicht weniger anwesend ist als in einer Kirche. Das hat mir Escrivá beigebracht.

Er sagt, dass unser Beruf unsere Berufung ist. Er sagt, dass jeder Mensch in seinem Beruf seinen Weg findet. Wenn die Leute verstehen würden, dass ihr Beruf ihre Berufung ist, würden sie Gott finden und ihre Begegnung mit ihm wäre tiefer. In dieser Hinsicht hat Escrivá mir sehr geholfen.

Als ich den Weg las, litt ich sehr, denn ich konnte nicht beten. Da sagte er mir plötzlich: "Du sagst, du kannst nicht beten? Versetze dich in die Gegenwart Gottes und du bist schon mitten im Gebet" – die Schule des Gebetes von Escrivá ist wunderbar. Sie übertrifft viele der Bücher über das Gebet, die ich gelesen habe. Im Weg sagte er : "Zuerst Gebet, dann Buße, an dritter Stelle, weit an dritter Stelle, das Tun" (Der Weg, 82). Das ist wirklich überraschend. Wir sind alle so vertieft in das, was wir als wichtig empfinden. Immer drehen und wenden wir die Angelegenheiten in unserem Kopf. Und er sagt, man müsse beten, bevor man etwas beginnt und erst dann handeln. Das ist erstaunlich! Und er sagt es so knapp, eben in aphoristischer Form, dass jedes Wort trifft.

Ich erinnere mich daran, wie einige seiner Gedanken mich so erstaunten, dass sie mich sogar zu ein paar Versen inspirierten. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben. Escrivá hat einen Aphorismus über die Wahrheit geschrieben. "Fürchte die Wahrheit nicht, selbst wenn sie dich in den Tod führen sollte" (Der Weg, 34).

Dieser Gedanke macht dich verrückt
Er möchte von dir in Versen geschrieben werden
Zögere nicht, die Wahrheit selbst
Zeigt ihr einen Weg.
Lass Allgemeinplätze weg
Die Bewegung des Denkens und die Harmonie.
Es ist immer neu –
Die alte misshandelte Wahrheit
Der Dichter ist natürlich nicht der Heilige...
Seine Zeit jedoch ist kurz
Sei treu trotz der Hindernisse,
Wie der sanfte Märtyrer der Wahrheit.

Hinter diesen Zeilen verbirgt sich die Persönlichkeit von Josemaría Escrivá. Er ist der Wahrheit treu, vor allem der Wahrheit Christi, selbst wenn diese uns zum Tod führen sollte. So ist die Persönlichkeit von Josemaría Escrivá.