StartseiteDokumentationFragen und Antworten Escrivá sagt zu denen, die ihm folgen: „Ich werde euch nicht vorschreiben, was ihr zu denken habt. Jeder muss seine eigenen Konsequenzen ziehen.“ Entsprechen diese Worte seinem Denken?
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Escrivá sagt zu denen, die ihm folgen: „Ich werde euch nicht vorschreiben, was ihr zu denken habt. Jeder muss seine eigenen Konsequenzen ziehen.“ Entsprechen diese Worte seinem Denken?

Stichwörter: Bürgersinn, Freiheit, Politik, Gesellschaft
Frage von Juan A. – Spanien

Ja. Diese Szene hat jedoch keinen historischen Hintergrund: Nie wurde dem Gründer einen solchen Kreuzzug vorgeschlagen. Joffé zeigt auf diese Weise, was Gondrand, einer der Biographen Escrivás, berichtet. Der hl. Josefmaria hat die Seinen niemals zu sozialen Reformen aufgefordert noch ihnen ein bestimmtes politisches Programm nahegelegt. Er zeigt ihnen einzig einen Weg der Heiligkeit auf, den es mitten in der Welt in völliger Natürlichkeit und in Ausübung der eigenen Freiheit und Verantwortung zu gehen gilt.

Gondrand schrieb: “Er verstand und erinnerte wiederholt daran, dass die Aufgabe, die Gesellschaft umzuformen und in ihr mehr christliche Werte zur Geltung zu bringen, eine Aufgabe für jeden einzelnen Christen ist. Jeder Einzelne muss selber daraus Schlussfolgerungen ableiten und in Wahrnehmung seiner persönlichen Verantwortung entscheiden, welche sozialen Maßnahmen seiner Meinung nach in dieser Botschaft enthalten sind.

Dieser Aufruf, der der zeitlos gültigen Lehre der Kirche entspricht und die Christen auffordert, immer kohärent mit ihrem Glauben zu handeln, enthält in der Tat eindeutige sozialen Schlussfolgerungen. Ausgehend von diesen Überlegungen können Christen soziale und politische Programme verschiedenster Ausrichtung vorstellen, und gleichzeitig werden andere Christen – von der gleichen Botschaft ausgehend – zu anderen Perspektiven kommen, so dass ein weites Feld der Pluralität der Ideen entsteht.

Josemaría (Charlie Cox) weist die Benutzung des Kreuzsymbols zu ihm fremden Zwecken zurück. Der hl. Josefmaria schrieb. „Immer muss es unser Ziel sein zu einen, zu verstehen, zu entschuldigen. Richte niemals ein Kreuz auf, nur um daran zu erinnern, dass Menschen Menschen umgebracht haben. Es wäre ein Banner des Teufels. Das Kreuz Christi tragen heißt vielmehr: schweigen, vergeben und für alle beten, damit sie den Frieden finden.“ (Kreuzweg, 8. Station)

Dieser Punkt seines Buches “Der Kreuzweg” bezieht sich auf eine Begebenheit im Leben des hl. Josefmaria, auf die er öfters zu sprechen kam. Nach dem Bürgerkrieg erzählte ihm ein junger Mann, dass sein Vater ein Kreuz aufrichten wolle, an der Stelle, wo ein Familienangehöriger während der Auseinandersetzungen umgebracht wurde. „Sag, deinem Vater, dass das nicht das Kreuz Christi sein wird, sondern vielmehr ein Kreuz, dass den Hass fördern wird. Denn es wird nur daran erinnern wie sich Menschen gegenseitig umgebracht haben. Man muss vergeben können!“

Es ist also erneut so, dass diese Szene zwar von Joffé erfunden ist, ihm aber ermöglicht, die Lehre des Gründers getreu wiederzugeben.

Anwort von
José Miguel Cejas