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Dokumentation

Erinnerungen an geistliche Exerzitien

José Llamas Simón

Stichwörter: Eucharistie, Jesus Christus, Gebet, Besinnungstage
Der Augustinerpater José Llamas Simón lernte den heiligen Josefmaria im Jahr 1944 kennen, als der Gründer des Opus Dei im Kloster Escorial in Madrid geistliche Exerzitien für die Ordensgemeinschaft hielt. In dem persönlichen Zeugnis, das er im Heiligsprechungsprozeß von Josemaría Escrivá gab, schrieb er unter anderem einige Gedanken aus seinen Betrachtungen in diesen Tagen auf. Wir bringen seine Ausführungen in leicht gekürzter Form.

„Er bestand auf der Wichtigkeit des persönlichen Gebetes, eines vertrauensvollen Dialoges von du zu du mit Gott. Um zu betonen, wie leicht und einfach das ablaufen könne, erzählte er, was ihm selbst geschehen war. Es handelt sich da um eine Episode, die normalerweise in allen Biographien des Heiligen erzählt wird. Es war in der Zeit, als er noch ein junger Priester war und als Rektor in einer Kirche eingesetzt war, die, wie ich glaube, zum Stift Santa Isabel in Madrid gehörte. Schon sehr früh am Morgen pflegte er im Beichtstuhl zu sitzen. Und jeden Tag um die gleiche Zeit hörte er während einer Beichte oder während er sein Brevier betete, wie die Türe der Kirche aufgestoßen wurde. Dann folgte ein blecherner Lärm, und die Tür fiel wieder ins Schloß. Auf die Dauer wurde er neugierig und wollte wissen, was dort täglich vor sich ging. Da er vom Beichtstuhl aus er die Türe nicht sehen konnte, stellte er sich eines Tages an diesen Eingang der Kirche. Als sich die Tür wie immer ziemlich laut öffnete, sah er sich einem Milchmann gegenüber, der mitsamt seinen Milchkannen hereinkam. Er fragte ihn, was er dort wollte. – «Ich? Ich komme jeden Morgen hier herein, Vater, [...] und begrüße Jesus: Jesus, hier ist Hans, der Milchmann.»
Der Kaplan, tief beeindruckt von dieser Einfachheit, wiederholte den ganzen Tag über dieses Stoßgebet: «Herr, hier ist dieser armselige Mensch, der dich nicht so zu lieben vermag wie Hans, der Milchmann.»“

Pater Llamas erinnert sich auch an ein anderes Ereignis aus dem Jahre 1948. Bei dieser Gelegenheit wohnte der heilige Josefmaria im Kloster des heiligen Laurentius im Escorial, wo er ganz allein seine eigenen Besinnungstage hielt. Einmal äußerte er den Wunsch, den vier Meter hohen Tabernakel des Hauptaltars zu sehen, zu dem man über zwei breite Treppen Zugang hat. (...) „Dort stiegen wir hinauf – berichtet Pater Llamas – und betrachteten alles, ohne ein Wort zu wechseln. Dann gingen wir wieder hinunter, und noch bevor wir den Raum verließen, drehte sich der Vater, der vor mir war, um und bat mich: «Kannst du mich nicht eine Weile dort allein lassen?» «So lange Sie wollen – antwortete ich ihm –. Lassen Sie sich Zeit, ich warte da im Chor auf Sie.»
Er stieg also wieder hinauf und blieb ungefähr zwanzig Minuten dort. Als er wieder erschien, sagte er zu mir: «Wie wohl habe ich mich dort gefühlt!» Ich tat so, als hätte ich nicht verstanden, und wir machten weiter mit unserem Rundgang. Doch habe ich noch nicht gesagt, was ich sagen wollte, und mir scheint, ich werde es auch kaum ausdrücken können. Nur eine Kamera hätte den Ausdruck seines Gesichtes einfangen und wiedergeben können, mit dem der Vater mich darum bat, ihm diese Weile allein mit Jesus zu ermöglichen. Jedenfalls las ich darin die unaussprechliche Liebe, mit der dieser Mann Jesus von Nazareth – real gegenwärtig in der heiligen Eucharistie – liebte.“

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