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Dokumentation

Eine Quelle der Inspiration für die Welt von heute

Michael Neary

Stichwörter: Dankbarkeit, Apostolat
Msgr. Michael Neary, Erzbischof von Tuam, bekräftigt in diesem Artikel, dass "es eine der großen aktuellen Herausforderungen des Evangeliums ist, die Gegenwart Gottes in unserer von Technologie geprägten Gesellschaft aufzeigen zu können; überzeugend darlegen zu können, in welcher Weise Gott für die Gesellschaft von heute dieselbe Bedeutung hat wie für das alte Israel".

Auf englisch sagt man: „Gegessenes Brot ist bald vergessen.“ Ja, die Undankbarkeit ist uns allen nicht unbekannt. Sobald wir sie erkennen, ruft sie unsere Verachtung hervor und wir wünschen uns um so mehr, ihr Gegenteil zu erfahren und zu lieben. Die normale diskrete Dankbarkeit – keine allzu aufgesetzte – ist und bleibt eine der schönsten menschlichen Erfahrungen. Und Dankbarkeit Gott gegenüber steht dem Menschen gut an. Ein solches Verhalten ist unseres himmlischen Vaterhauses würdig: „Danke“ zu sagen und es auch zu meinen.

In diesem Jahr begehen wir die Hundertjahrfeier der Geburt des Gründers des Opus Dei, des Seligen Josemaría Escrivá. Meiner Ansicht nach war die Gründung des Opus Dei ein entscheidender Eingriff Gottes in das Leben und die Arbeit vieler Einzelner und der Kirche als Ganzer. Die Vision des Seligen Josefmaria ging dahin, „aus der Prosa des Alltags epische Dichtung zu machen“ – sie ist heute genau so viel wert wie vor dreiundsiebzig Jahren, ja, sie ist im Grunde noch notwendiger geworden.

Die Inspiration, die geniale Idee, die das Opus Dei unterscheidet und die sicher von Gott kommt, ist gerade die Fähigkeit, für jeden, dem die Dinge Gottes am Herzen liegen, in allen Lebenssituationen eine große Auswahl von „Geschäftsangeboten“ zu sehen. Nichts fällt der Verachtung anheim, alles kann gebraucht und eingesetzt werden. Der Trick besteht darin, jede Chance, Gott näher zu kommen, die das Leben bereit hält, wahrzunehmen und sie so, wie sie sich darbietet, aufzugreifen. Das Auge des Glaubens muss jedoch trainiert werden, um schärfer zu sehen. „Zweifelt nicht daran: Jede noch so alltägliche Situation birgt etwas Heiliges, etwas Göttliches in sich, und euch ist aufgegeben, das zu entdecken. Entweder lernen wir, den Herrn in unserem alltäglichen Leben zu entdecken, oder wir werden ihn niemals finden“ (Msgr. Josemaría Escrivá, Gespräche, 114)

Wenn man bedenkt, dass Gott alle zur Heiligkeit mitten in der Welt ruft, dann merkt man, dass alles, selbst das Allergewöhnlichste, geheiligt werden kann. Es ist schließlich nur ein Stück Brot, die „Frucht der menschlichen Arbeit“, das durch die Eucharistische Konsekration zum Leib Christi wird. Das Gewöhnliche wird zum Gefährt des Übernatürlichen, des Außergewöhnlichen. Und wenn wir offen sind für diese Überraschungen durch Gott, dann sehen wir das Leben wahrhaft als Geschenke und Chance. Wir können neu darauf zugehen, mit frischen Augen, denen nichts entgeht, auch nicht die kleinste Gelegenheit, Gott näher zu kommen. „Die Vollkommenheit“, so ein weiser Ausspruch von Michelangelo, „besteht in Kleinigkeiten, aber die Vollkommenheit ist keine Kleinigkeit.“ Mit der Zeit werden diese „Kleinigkeiten“ selbst umgeformt und damit Teil einer neuen Schöpfung, deren Zweck und Sinn in der Ewigkeit liegt. Alles wird konsekriert, alles wird Gott zurückgegeben.

Das Opus Dei ist seit mehr als dreißig Jahren bei uns in der Erzdiözese Tuam. Die Besinnungstage und Einkehrstunden im Ballyglunin Conference Center haben vielen, Priestern wie Laien, geholfen, ihre Zeit und ihr Leben wirklich Gott zur Verfügung zu stellen, was ja eins der zentralen Ziele des Opus Dei ist. In den Kursen zum Thema „Arbeitshaltungen“ wurden wertvolle Beiträge zur christlichen Ethik über Aspekte des Berufslebens erarbeitet. Andere Kurse haben einen positiven Einfluss auf Kunst und Wissenschaft der Arbeiten im Haushalt ausgeübt und einen materiellen wie geistlichen Beitrag zum Leben der Kirche und der Gesellschaft in diesem Bereich geleistet. Eine der großen aktuellen Herausforderungen des Evangeliums ist meines Erachtens, die Gegenwart Gottes in der von Technologie geprägten Gesellschaft aufzuzeigen; überzeugend darlegen zu können, in welcher Weise Gott für die Gesellschaft von heute dieselbe Bedeutung hat wie für das alte Israel. Und genau das tut das Opus Dei, und zwar auf wirkungsvolle Art und Weise, wenn ich sein Wirken hier in unserem Erzbistum betrachte.

Das persönliche Motto des Seligen Josemaría Escrivá „Gott alle Ehre“ scheint mir einen Mann zu offenbaren, der über jedem persönlichem Bedürfnis oder Ehrgeiz steht und sich ganz dem christlichen, als Dienst verstandenen, Leben verschrieben hat. Ein ausgesprochen praktischer Mensch, der jeden daran erinnerte, dass wir alle beständig gerufen sind, Salz, Sauerteig und Licht zu sein; dass die Christgläubigen mit ihrem Glauben, ihrem Einsatz und letztendlich mit ihrem Leben als Getaufte und Glaubende ein wirksames, Geschmack verleihendes Ferment im Leben derer sind, denen sie begegnen.

Jetzt, das wir diese Hundertjahrfeier des Geburtstages des Gründers begehen, möchte ich die Gläubigen des Opus Dei – und alle, die mit ihm verbunden sind – bitten, das Licht, das sie in Christus für die Welt geworden sind, nicht zu verstecken. Die Welt braucht es. Sie sollten alle ermutigen, die Medien zu nutzen, die wir heute haben, um zur Welt von den Dingen Gottes zu sprechen und eine Saat der Hoffnung in einer Kultur zu säen, die manchmal ohne Hoffnung scheint. Und doch ist diese Kultur nicht ohne Hoffnung, und sie ist es nicht, weil Christus gesiegt hat. Wie auch der Papst kürzlich schrieb: „Ein neues Jahrtausend liegt vor der Kirche wie ein weiter Ozean, auf den es hinauszufahren gilt. Dabei zählen wir auf die Hilfe Jesu Christi. Der Sohn Gottes, der aus Liebe zum Menschen vor zweitausend Jahren Mensch wurde, vollbringt auch heute sein Werk. Wir brauchen aufmerksame Augen, um es zu sehen, und vor allem ein großes Herz, um selber seine Werkzeuge zu werden“ (Novo Millennio Ineunte, 6. Januar 2001)

Die Welt muss unbedingt das Wort des Evangeliums hören, und daher muss sie unbedingt hören, was wir, die wir versuchen, das Evangelium zu leben, zu sagen haben. Wir haben nichts zu fürchten, aber unwägbar Vieles anzubieten. Interessanterweise ist der am häufigsten wiederholte Befehl in der ganzen Bibel nicht, daß dies oder jenes getan werden muss. Die häufigste Aufforderung ist: „Habt keine Angst!“ Und wie sehr wir auch in unserer heutigen Welt gegen den Strom schwimmen müssen, so gibt es doch nichts zu fürchten, denn Christus ist bei uns, er ist an unserer Seite.

Ich möchte die Mitglieder des Opus Dei daran erinnern, dass Christen keine Angst vor Missverständnissen oder der Böswilligkeit einiger haben sollten. Ein konstitutiver Teil der Kommunikation mit der Welt besteht darin, der Welt Fragen an uns zu erlauben. Wir brauchen die Fragen der Welt nicht zu fürchten, im Gegenteil, es ist wichtig, aufmerksam auf sie zu hören und sie auf der Grundlage des Evangeliums zu beantworten.

Und so sagen wir jetzt Dank. Wir danken für viele Jahre voller Fragen und Antworten. Wir danken für die Zeit, die gut genutzt worden ist, und für eine Welt, die von neuem herausgefordert wurde und wird, an Gott zu denken.

Artikel im Irish Catholic, 3.1.2002