Dokumentation

Eine Hommage in Blumen

Stichwörter: 6. Oktober
Titelseite von
Titelseite von "A Homage In Flowers", von Bessie Briones
Ein Einblick in die Herstellung des Blumenteppichs. Bessie Briones, aus den Philippinen, teilt ihre Erfahrungen und kleinen Abenteuer mit, die sie und andere Leute gemacht haben. Alles begann mit dem Wunsch eines Mannes aus Ecuador, der seine Verehrung und Dankbarkeit für den hl. Josefmaría dadurch zum Ausdruck bringen wollte, dass er Blumen für die Heiligsprechungsfeier schickte. Daraus wurde ein faszinierendes Projekt einer Gruppe von Frauen. Sie machten aus dieser Verehrung aus Blumen eine unvergleichliche und einzigartige Dekoration für den Petersplatz.

Bessie ist die Autorin des Buches mit dem Titel "A homage in Flowers", das demnächst beim Verlag Inkwell Publishing, Co. erscheinen wird.

Erinnerungen, Erfahrungen, Gefühle zu diesem Ereignis sind in uns, die wir dabei waren, nicht schwächer geworden. Im Gegenteil, die seitdem vergangene Zeit hat in uns den immer größer werdenden Wunsch aufkommen lassen, sie mit anderen zu teilen. Aus diesem Grund erscheint jetzt, zum zehnjährigen Jahrestag dieses Ereignisses, das Buch. Hinter diesem unvergesslichen Ereignis liegt eine unvergessliche Lehre, die der hl. Josefmaria mit dem Beispiel seines Lebens uns hinterlassen hat und uns bis in die nächsten Generationen immer noch lehrt: In allen Umständen des alltäglichen Lebens, bei jeder redlichen Arbeit kann man heilig werden.

Eine plötzliche Anfrage
Im Mai fragte das Organisationskomitee, das für die Vorbereitungen der Heiligsprechung gebildet worden war, bei mir an: Könnten Sie sich um die Blumen in der Kirche San Eugenio kümmern? Ich war voller Freude und dankte dem Seligen Josefmaría beständig dafür. Ich dachte, die Blumen könnten dazu beitragen, eine Atmosphäre der Frömmigkeit zu schaffen und gleichzeitig die Freude zum Ausdruck bringen, die alle spürten.

Gegen Ende des Monats hatten wir ein Treffen, an dem wir über die Vorbereitungen zur Heiligsprechung sprachen, die von vielen Ländern unternommen wurden. An einem bestimmten Punkt erwähnte jemand, dass ein Mann aus Ecuador angeboten habe, die Blumen für den Petersplatz zu spenden. Einstimmig brachen wir in einen Bewunderungsjubel aus. Und gleichzeitig sagte ich mir: Was für ein hartes Stück Arbeit!

Aus der Initiative eines Mannes oder durch die Initiative eines Mannes
JJosé Ricardo Dávalos ist der Sohn eines Blumenzüchters aus Ecuador. Nach einigen Jahren in Venezuela, wo er seine Frau Marie-Aleth kennengelernt hatte, kam er nach Ecuador zurück. Er hatte sich entschieden, in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters zu treten und erwarb in Quito eine Plantage. Seit einigen Jahren ist Eucador einer der Hauptproduzenten und Exporteure von Rosen und verschiedenen anderen Blumensorten für die ganze Welt. Wie viele andere junge Unternehmer – Gott sei Dank – lief das Geschäft von José Ricardo gut. Im Februar erfuhr er, dass die Heiligsprechung des Seligen Josefmaria kurz bevor stand.

Der Petersplatz am 6. Oktober  2002
Der Petersplatz am 6. Oktober 2002
Durch die Großherzigkeit so vieler Leute
Einige Tage lang, vom 3. bis 10. Oktober, würde es im Rahmen dieses Ereignisses eine Menge liturgischer Feierlichkeiten geben. Die Blumenkultur von Ecuador ist sehr reichhaltig. José Ricardo erläuterte seine Initiative verschiedenen Kollegen, die aus unterschiedlichen Gründen auch Anhänger des Seligen Josefmaria sind oder an den Bildungsmitteln des Opus Dei teilgenommen haben. Sein Vater – Ricardo – und andere Arbeitskollegen – Paco, Esteban, Isidro und Javier–: alle versprachen, ihren Beitrag zu dem Unternehmen beizusteuern. Sein Onkel Mauricio, ein Pionier in der Blumenproduktion für den Export, versprach, Rosen für dieses Ereignis zu stiften. Diego und Álvaro, zwei Brüder und Geschäftspartner, versprachen, einige Kisten Rosen zu schicken. Pablo, ein Freund, der tropische Blumen anbaut, verpflichtete sich, einige Halme von Löwenmäulchen zu schicken. Aber die Spendenliste umfasste nicht nur die Blumenzüchter aus Ecuador. Als das Projekt sich entwickelte, stellte José Ricardo die Idee einigen holländischen Firmen der Blumenindustrie vor. Sie waren gleichermaßen fasziniert von dem Gedanken, auf irgendeine Weise an der Heiligsprechung des Seligen Josefmaria mitzuarbeiten. Geraldine, die viel mit José Ricardo zusammengearbeitet hat, bot an, sich in ihrer Agentur in Quito um die vorübergehende Lagerung, Sammlung und Verpackung der Posten zu kümmern. Juan Abel, der Verkaufsleiter der niederländischen Fracht-Airline Martinair, bot an, den Transport der Kisten von Quito nach Amsterdam kostenlos zu übernehmen. Ein deutscher Kunde und Freund, Jürgen, Besitzer eines weltweiten Prestige-Unternehmens, versprach, die Blumen in Amsterdam kostenlos umzuladen. Das bedeutete im einzelnen, Blumen schneiden, Blumen ins Wasser stellen, Blumen nach Rom transportieren und dafür sorgen, dass sie in gutem Zustand sind. Was den Landtransport betrifft, so nahm ein anderer guter Freund, Carlo, Manager einer anderen Firma auf diesem Gebiet, den Kontakt auf und arbeitete mit einem italienischen Transportunternehmen zusammen, das die ganze Ware – ohne Bezahlung – an dem dafür vorgesehenen Datum nach Rom bringen sollte.

Wo fangen wir an?
Plötzlich, irgendwann im Juni, wurde ich wieder vom Organisationskomitee gefragt, ob ich mich auch um die Dekoration auf dem Petersplatz kümmern könnte. Wir sollten unter der Aufsicht des Büros der Vatikanischen Gärten arbeiten, mit denen wir uns später treffen sollten. Das bedeutete, dass ich gleichzeitig zwei Aufträge an zwei verschiedenen Stellen auszuführen hatte. Ich sah darin keine große Schwierigkeit, falls man die Dinge organisieren konnte. Und so stimmte ich zu. Meine Partnerin war Giovanna Costarelli, eine Sizilianerin, die schon seit Jahren in Rom lebte und mit der ich viel zusammengearbeitet hatte. Was mussten wir tun? Mein Kopf kreiste um alle unbekannten Faktoren. Was mir in solchen Fällen normalerweise passiert ist, dass meine Phantasie ohne Unterbrechung arbeitet.

Eine Hilfe für die Frömmigkeit der Menschen
In der Hoffnung, ein paar Ideen zu bekommen, fing ich an, mir Bücher über die Seligsprechung von Josemaria Escrivá anzuschauen. Es gab praktisch kein Foto neben dem Altar, und noch weniger von der scalinata oder ventaglio (Stufenaufgang oder Fächer), wie es technisch heißt wegen der Form der Stufen, die zum sagrato führen, wo sich der Altar für den Hl. Vater befindet. Ich durchblätterte Seite nach Seite, bis ich schließlich ein Foto fand, das meine Aufmerksamkeit erregte. Das Bild zeigte Hunderte von Priestern die das ventaglio, hinabgingen mit dem Ziborium und den konsekrierten Hostien, um die Kommunion auszuteilen. Das ventaglio ist purer weißer Travertin, und in seiner Blöße schien er mir sehr arm für die Größe der Eucharistie. Warum nicht eine Dekoration wie bei den Fronleichnamsprozessionen? Es wäre doch viel prachtvoller für den durchzug einer solch bedeutenden Persönlichkeit. Außerdem würde es als eine gute Gelegenheit dienen, über die Liebe des hl. Josefmaria zur Eucharistie zu sprechen, über seine Hingabe, die er für die Fronleichnamsprozession empfand, seinen Eifer, uns zu eucharistischen Seelen zu machen. Außerdem fing ich an zu schwärmen bei dem bloßen Gedanken daran, dass es für die Leute eine Hilfe zum besseren Beten sein könnte.

Die Macht der Fantasie? Oder Kreativität bei der Arbeit
Mir kam eine Idee. Sie bestand einfach darin, auf den abwechselnden Stufen des ventaglio einen Blumenteppich zu legen. Es würde so ähnlich aussehen wie das, was an vielen Orten für die Fronleichnamsprozession gemacht wird. Anders wäre nur die Technik. Anstelle von Blättern, Sägemehl oder losen Blütenblättern würden wir diesmal Rasenstücke als Untergrund auf die Stufen legen. Das Blumenmuster würde gänzlich aus Blüten gemacht werden, die in das Gras hineingelegt würden. Tausende von Chrysanthemen, Nelken, Rosensträußchen, Matsumoto-Astern, Goldrauten, alle in verschiedenen Farben und Sorten. Um die Blumen drei Tage lang in gutem Zustand zu erhalten – von dem Tag der Vorbereitung bis zum Tag der Danksagungsmesse – wurde jeder Zweig in ein Fläschchen mit Wasser gestellt. Dann kam mir noch eine andere Idee. Am folgenden Tag nach der Heiligsprechung sollte eine Danksagungsmesse gefeiert werden. Sie würde auf das Fest unserer Lieben Frau vom Rosenkranz am 7. Oktober fallen. Ich spielte mit dem Gedanken, ein Bild unserer Lieben Frau neben dem Altar aufzustellen, um sie an ihrem Festtag so zu ehren.
„Diese blühende Arbeit hier verdanken wir dem stillen Bemühen sehr vieler Menschen, die intensiv arbeiten und beten. Damit haben sie vom Himmel den Strom der Gnade herabgerufen, der alles zum Blühen brachte." Hl. Josemaria Escrivá, Die Spur des Sämanns, 530

Allein für St. Peter sollten wir etwa 73,000 Blumen bekommen. Den Rest – ungefähr 7,000 Stück – würden wir in der Basilika San Eugenio und der Prälaturkirche Santa Maria vom Frieden brauchen.

Wie der Frühling der Kirche
Der Absatz vor dem Sagrato sah aus wie ein Rosengarten zwischen Lederfarnen, falschen Paradiesvögeln, Ingwer und Potus-Kaskaden. Die Scalinata prahlte mit dem Blumenteppich und riesengroßen Vasen mit Paradiesblumen - waratahs –einheimischen Blumen aus Australien –, Ingwer und Goldstäben. Das Datum jener Tage gehörte zum Herbst, aber die strahlende Sonne, im Kontrast zum blauen Himmel, brachte den Petersplatz, der vor Blumen zu bersten schien, zum Leuchten, als ob es Frühling wäre. Das erinnerte mich an die Worte des Hl. Vaters über den Frühling in der Kirche, den er sich glühend für das neue Jahrtausend wünschte. Was man auf den ersten Blick nicht sehen konnte, war, dass die ganze Explosion von Farben die Verkörperung all der überreichlichen Gebete, Opfer und Anstrengungen war, die von seinen Töchtern und Söhnen und Hunderttausenden von Menschen aus allen Teilen der Welt aus einer großen Verehrung zum Gründer des Opus Dei unternommenworden war.

Ein einzigartiger und unwiederholbarer Einsatz
Die Arbeit in der Basilika San Eugenio war in vollem Gange. Neben den Dekorationen für die Basilika bereiteten wir auch einige Girlanden für den Begräbniswagen vor, der den Sarg des Seligen Josefmaría von der Prälaturkirche zur Basilika fahren sollte. Trotz aller unvorhersehbaren Ereignisse arbeitete unser Team mit Ruhe und Ausdauer. Wir brauchten mehr Zeit, als wir erwartet hatten, aber nichts konnte unsere Freude und die Begeisterung über die Zusammenarbeit bei einer solch einzigartigen und unwiederholbaren Aufgabe vermindern. Es muss der Anlass gewesen sein, weshalb wir alle Schwierigkeiten und Müdigkeiten einfach wegwischen konnten.

Die<i> scalinata</i> oder <i>ventaglio</i> des Petersplatzes
Die scalinata oder ventaglio des Petersplatzes
Die große Lektion
Als ich mir viel später diese Tage in Erinnerung rief, sah ich erst, wie außergewöhnlich die große Lehrstunde der Solidarität und des guten Willens, die diese Menschen gegeben hatten, gewesen war. Die spontane Bereitschaft, die Begeisterung und der Wunsch bei irgendetwas, das mit der Heiligsprechung zu tun hatte, mitzuarbeiten, das alles machte den Mangel an Ausbildung und Erfahrung wett. Sie standen ständig zur Verfügung. Erschöpfung spielte keine Rolle. Jeder strebte danach, so gut wie möglich zu arbeiten, um auf diese Weise die Verehrung und die Dankbarkeit für Josemaría Escrivá de Balaguer auszudrücken.

Die Autorin
Bessie Briones wurde in einer Familie mit 7 Kindern geboren. Sie besuchte die Grund- und Sekundarschule am St. Rita College in Quiapo, Manila, Philippinen. In der Universität von Santo Tomas studierte sie Wirtschaftswissenschaften. Während ihres letzten Universitätsjahres brachte ein Freund sie zum Zentrum des Opus Dei, einer Einrichtung der katholischen Kirche, wo sie bald darauf Mitglied wurde. Von dem Zeitpunkt an widmete sie sich den Aufgaben der Verwaltung in verschiedenen Zentren des Opus Dei, besonders in Rom, wo sie seit beinahe 28 Jahren lebt.

Während dieser Zeit erhielt sie mehrmals den Auftrag, Orte für wichtige Ereignisse auszuschmücken, darunter die Prälaturkirche Heilige Maria vom Frieden und die Basilika von San Eugenio, jeweils zu den Jahresgedenktagen des Gründers des Opus Dei, Josemaría Escrivá de Balaguer, und anlässlich seiner Seligsprechung im Jahre 1992 sowie für den internationalen Kongress „Die Größe des Alltags“ zum 100. Geburtstag des hl. Josefmaría; die Basilika Santa Maria Maggiore zum 50. Jahrestag der Priesterweihe des Prälaten des Opus Dei, Bischof Javier Echevarría. Bei der Heiligsprechung des Gründers des Opus Dei kümmerte sie sich um den Entwurf und die Ausführung der Dekorationen auf dem Petersplatz und in der Basilika San Eugenio. Darüber erzählt sie in diesem Buch mit dem Titel "Eine Hommage in Blumen“, das im Verlag Inkwell Publishing, Co. bald erscheinen wird.

Bessie Briones
Bessie Briones

Weitere Informationen: bessiebriones@yahoo.com

Sie arbeitet derzeit auf den Philippinen für die „Philippine Foundation for Cultural and Educational Development, Inc.", eine philippinische Stiftung für Entwicklung der Kultur und Erziehung.


Artikel zum Thema

Video

Der 6. Oktober in 2 Minuten

Neun Jahre sind vergangen, seit Johannes Paul II. den hl. Josefmaria den "Heiligen des Alltags" genannt hat. Das Video vermittelt einen Eindruck von der Heiligsprechung auf dem Petersplatz am 6. Oktober 2002.

Dokumente