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Bischof Alvaro del Portillo

Don Alvaro und die Familie

Stichwörter: Alvaro del Portillo, Familie
1994 riefen die Vereinten Nationen ein „Jahr der Familie“ aus. Aus diesem Anlass schrieb der hl. Johannes Paul II. mit Datum vom 2. Februar 1994 einen Brief an die Familien, in dem er noch einmal diese Institution verteidigt, die schon in jener Zeit an vielen Orten aggressiv und hartnäckig angegriffen wurde.

Dieser Brief des Papstes wurde im Vatikanischen Pressesaal am 22. Februar vorgestellt. Zwei Tage später erschien in der italienischen Zeitung „l’Avvenire“ ein Kommentar von Bischof Alvaro del Portillo. Tages- und Wochenzeitungen verschiedenster Länder haben in den folgenden Tagen und Wochen diesen Einwurf des Prälaten des Opus Dei ebenfalls veröffentlicht.

Der Wind weht weiterhin den Familien ins Gesicht – und so ist es durchaus passend, diesen Text des kurz darauf verstorbenen und 2014 seliggesprochenen Nachfolgers des Gründers des Opus Dei an der Spitze der Personalprälatur zur Lektüre vorzulegen. Dieser Text existiert bisher nicht in deutscher Sprache und ist Eigenübersetzung der Webseite www.josemariaescriva.info.


Die Familie – eine wahre Schule der Liebe
Als die UNO das Jahr 1994 zum Internationalen Jahr der Familie erklärte hatte Johannes Paul II. den Wunsch geäußert, auch die Kirche solle sich dieser Initiative anschließen. Der Papst hat recht häufig diesen Wunsch erwähnt, der jetzt in dem Brief, den er an die Familien hat senden wollen, konkrete Form angenommen hat.

Dieses neue päpstliche Schreiben, das recht lang und sehr inhaltsreich ist, legt die elementaren Züge dessen dar, was die Institution der Familie ist, charakteristische Merkmale, die jeder Mensch als wahr erkennen kann dank der tiefen Weisheit, die aus der Lebenserfahrung hervorgeht. Die Lehren des Heiligen Vaters hinsichtlich der Familie sind wie Leuchttürme. Sie können zugleich als Orientierung für dieses Internationale Jahr dienen, das wir begehen.

„Der Mensch kann nicht ohne Liebe leben. Er bleibt für sich selbst ein unbegreifliches Wesen; sein Leben ist ohne Sinn, wenn ihm nicht die Liebe geoffenbart wird, wenn er nicht der Liebe begegnet, wenn er sie nicht erfährt und sich zu eigen macht, wenn er nicht lebendigen Anteil an ihr erhält“, hatte der Papst in seiner ersten Enzyklika Redemptor hominis geschrieben. (Nr. 10)

Und nun betont er die volle Verwirklichung des Menschseins mittels der wahren Liebe, deren tiefster Wesenszug in der aufrichtigen Hingabe seiner selbst liegt, denn es gibt keine Liebe ohne Opfer.
Aber wie ist es möglich, diese großzügige Liebe und Selbsthingabe zu erlernen?

Nichts bewegt so zur Liebe, sagte der hl. Thomas von Aquin, wie sich geliebt zu wissen. Und gerade die Familie – eine Gemeinschaft von Personen, in der eine selbstlose und großherzige Liebe ohne Vorbehalte herrscht – ist der Ort, wo man lieben lernt. Die gegenseitige Liebe der Ehegatten geht in die Liebe zu den Kindern über. In der Tat ist die Familie – „mehr als jede andere menschliche Wirklichkeit“ – der Raum, in dem der Mensch um seiner selbst willen geliebt wird und „die aufrichtige Selbsthingabe“ (Brief, Nr. 11) lernt.

Die Familie ist daher eine Schule der Liebe, aber nur, wenn sie es versteht, ihre eigene Identität zu bewahren. Diese liegt darin, eine stabile Liebesgemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau zu sein, die auf die Ehe gegründet und offen für das Leben ist. Wenn die Liebe, die Treue oder die großzügige Offenheit für Kinder fehlt, wird die Familie verunstaltet. Und die Folgen lassen nicht lange auf sich warten: Für die Erwachsenen ist es die Einsamkeit; für die Kinder die Verlassenheit, und für alle wird das Leben zu einem ungastlichen Terrain. Darum, so schließt Johannes Paul II., „darf sich keine menschliche Gesellschaft in Grundfragen, die das Wesen der Ehe und Familie betreffen, in die Gefahr der Permissivität begeben!“ (Nr. 17). Worte, die keine Prophezeiung, sondern eine Feststellung sind.

Der Heilige Vater ruft alle Familien, auch die, welche sich in Schwierigkeiten befinden, auf, ihrer Berufung zum Dienst am Leben und an der vollen Menschlichkeit des Menschen, dem Fundament einer Zivilisation der Liebe, treu zu sein. Wer sich vor den Forderungen, die diese Treue an ihn richtet, fürchtet, dem macht der Papst Mut: Non abbiate paura dei rischi! Habt keine Angst vor den Gefahren! Die göttlichen Kräfte sind weitaus mächtiger als eure Schwierigkeiten! Unermesslich größer als das Böse, das in der Welt Fuß fasst, ist die Wirksamkeit des Sakraments der Wiederversöhnung“ (Nr. 18).

Nur kurze Zeit nach dem Tag des Gebetes und des Fastens für den Frieden im ehemaligen Jugoslawien bezieht sich der Heilige Vater erneut auf die Notwendigkeit des Gebetes, vor allem des Gebetes in der Familie und für die Familie. Die Familie ist eine Gemeinschaft, die betet, die sich an Gott wendet, in dem sie immer wieder ihre Freude findet, die Kraft für die schwierigen Augenblicke, die nötige Energie, um ihre Aufgabe der Vaterschaft und der Mutterschaft – gleichzeitig erhaben und anspruchsvoll – zu erfüllen.

Johannes Paul II. bezieht sich außerdem auf die Notwendigkeit, den unersetzlichen Wert der Arbeit der Frau im eigenen Zuhause anzuerkennen: „Die »Mühen« der Frau, die, nachdem sie ein Kind zur Welt gebracht hat, dieses nährt und pflegt und sich besonders in den ersten Jahren um seine Erziehung kümmert, sind so groß, dass sie den Vergleich mit keiner Berufsarbeit zu fürchten brauchen“, und „auch eine ökonomische Anerkennung erhalten müssen“ (Nr. 17). Zudem wissen wir sehr gut, dass die Liebe der Mutter im Haus ein unbezahlbares Geschenk ist, ein Schatz, den man für immer im Herzen bewahrt.

Es konnte auch nicht ein Hinweis auf das Problem der Arbeitslosigkeit fehlen, die allerdings nicht als ein statistisches Datum technischer Natur betrachtet wird, sondern als eine reale Bedrohung der Stabilität vieler Familien. Die Überlegungen des Papstes stellen einen Ruf zur Verantwortung dar für alle, die sich mit Wirtschaft und Entwicklung befassen.

Bei verschiedenen Anlässen hat der Heilige Vater gesagt, er betrachte die Familie als „die hauptsächliche Quelle für den des Aufbau des Friedens“, zu dem er selbst seine Stimme mit immer stärkerer Stimme erhebt. Es ist der Friede in den Familien, der den Frieden in die Welt tragen wird. Im Petersdom brennt vor einem Bild Mariens – der Mutter der Schönen Liebe, der Königin des Friedens, der Mutter von der Immerwährenden Hilfe – immer eine Kerze als Zeichen des Gebetes der Christen für den Frieden. Möge der Himmel seinen Segen geben, damit dieser Brief des Heiligen Vaters ein Licht im Herzen vieler Männer und Frauen anzündet und dazu beiträgt, dass sie in der Familie das Glück finden, dass sie so sehr ersehnen.