Heiliger Josefmaria
Seine Botschaft

Die Kinder und das Familienleben

Stichwörter: Verständnis, Familie und Beruf, Bildung, Großzügigkeit, Kinder, Freiheit, Ehe
Ein angenehmes Zuhause
Ich wünsche mir die Häuser von Menschen, die Christen sind, so hell und freundlich wie das Haus der heiligen Familie. Die Weihnachtsbotschaft erreicht uns voll Kraft: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden den Menschen guten Willens . In euren Herzen walte der Frieden Christi , heißt es beim heiligen Paulus. Es ist der Frieden zu wissen, daß Gott, unser Vater, uns liebt, daß wir Christus einverleibt, durch Unsere Liebe Frau beschützt und durch den heiligen Josef beschirmt sind. Dies ist das mächtige Licht, das unser Leben erhellt und uns ermutigt, in allen Schwierigkeiten und persönlichen Schwächen weiterzugehen. Jedes christliche Haus müßte ein Haus des Friedens sein, in dem, über die alltäglichen kleinen Unstimmigkeiten hinweg, jene tiefe und aufrichtige Sorge füreinander und jene heitere Gelassenheit spürbar werden, die aus einem tief gelebten Glauben kommen.
Christus begegnen, 22

Der Einfluß auf die Gesellschaft
Stellen Sie sich eine kinderreiche Familie vor: Die Arbeit der Mutter ist durchaus vergleichbar mit der Arbeit berufsmäßiger Erzieher und Lehrer und übertrifft nicht selten deren Wirksamkeit. Ein Lehrer vermag vielleicht im Laufe seines ganzen Lebens eine gewisse Anzahl von Jungen und Mädchen mehr oder weniger gut auszubilden. Aber eine Mutter ist in der Lage, ihren Kindern in den wesentlichen Dingen des Lebens eine tiefgreifende Formung mitzugeben und sie selbst wiederum zu Erziehern zu machen, so daß sich eine ununterbrochene Kette von Verantwortlichkeit und Tugend ergibt.
Es besteht manchmal die Gefahr, sich bei solchen Überlegungen von rein quantitativen Gesichtspunkten verleiten zu lassen und die Arbeit eines Lehrers, der Tausende von Personen an sich vorbeiziehen sieht, oder eines Schriftstellers, der sich an viele tausend Leser richtet, für bedeutender zu halten. Nun, aber wie viele Personen formt dieser Lehrer oder Schriftsteller denn in Wirklichkeit? Eine Mutter trägt für drei, fünf, zehn oder mehr Kinder Sorge; aber aus ihnen kann sie ein wahres Meisterwerk machen, ein Wunderwerk der Erziehung, der Ausgeglichenheit, des mitmenschlichen Verstehens und der christlichen Lebensauffassung, so daß sie selbst glücklich werden und in der Lage sind, ihren Mitmenschen wirksam zu helfen.
Gespräche, 89

Die Frage der Kinderzahl
Die Ehe - ich werde nicht müde, es zu wiederholen - ist ein herrlicher, großartiger Weg zu Gott. Und wie alles Göttliche in uns besitzt auch sie ihre konkreten Ausdrucksformen der Mitwirkung mit der Gnade, der Großherzigkeit, der Hingabe und der Dienstbereitschaft. Die göttliche Liebe, die unser Leben bestimmen muß, ist unvereinbar mit dem Egoismus in all seinen Spielarten. Diese grundlegende Erkenntnis muß man sich bei allen Fragen der Ehe klar vor Augen halten, auch bei der Frage nach der Kinderzahl.
Gespräche, 93

Die Lauterkeit des ehelichen Lebens
Das Entscheidende ist nicht die Zahl der Kinder allein; viele oder wenige Kinder sind noch kein Maßstab für die Christlichkeit einer Familie. Das Ausschlaggebende ist vielmehr die Lauterkeit des ehelichen Lebens.
Gespräche, 94

Das Familienleben kann geheiligt werden
Die Eheleute sind dazu berufen, ihre Ehe und dadurch sich selbst zu heiligen; deshalb wäre es falsch, wenn sie ihr geistliches Leben abseits und am Rande ihres häuslichen Lebens führten. Das Familienleben, der eheliche Umgang, die Sorge um die Kinder und ihre Erziehung, das Bemühen um den Unterhalt der Familie und ihre finanzielle Besserstellung, die gesellschaftlichen Kontakte zu anderen Menschen, dies alles - so menschlich und alltäglich - ist gerade das, was die christlichen Eheleute zur Ebene des Übernatürlichen erheben sollen.
Christus begegnen, 23


Die Freude am eigenen Zuhause
Andererseits sollten sie niemals vergessen, daß das Geheimnis des ehelichen Glücks im Alltäglichen zu finden ist und nicht in Träumereien. Es liegt in der verborgenen Freude, die es macht, nach Hause zu kommen; es liegt im liebevollen Umgang mit den Kindern, in der alltäglichen Arbeit, bei der die ganze Familie mithilft; in der gelassenen Art, Schwierigkeiten zu begegnen und sie mit sportlicher Haltung zu überwinden; und schließlich liegt es auch in einem rechten Ausnützen der Errungenschaften, die uns die moderne Technik bietet, um die Wohnung angenehmer und das Leben einfacher zu machen und uns eine umfassendere Bildung zu verschaffen.
Gespräche, 91

Das Zusammenleben
Stärke in dir den Willen zur Opferbereitschaft in den kleinen Dingen der Nächstenliebe, um allen Menschen deiner Umgebung den Weg der Heiligkeit mitten in der Welt liebenswert zu machen. Manchmal kann ein Lächeln der deutlichste Ausdruck für den Geist der Buße sein.
Im Feuer der Schmiede, 149

Sei jeden Tag gerne und von Herzen bereit, dir im Dienste an den anderen Menschen das Leben ein wenig »sauer« zu machen. Tu es freudig und unauffällig, damit sie es etwas leichter haben in ihrem Alltag.
Das war die Art, wie Christus die Menschen geliebt hat.
Im Feuer der Schmiede, 150

Achte stets darauf - und das kann wirklich bisweilen eine hervorragende Übung der Selbstzucht sein! - daß deine Unterhaltungen nicht um dich kreisen.
Im Feuer der Schmiede, 152

Freiheit und Verantwortung
Die Eltern können und sollten ihren Kindern eine wertvolle Hilfe leisten. Sie können ihnen neue Perspektiven auftun, ihnen ihre Erfahrungen mitteilen, sie zur Besinnung anhalten und ihnen eine sachliche Beurteilung der Dinge vor Augen halten, damit sie sich nicht von einer Augenblicksstimmung fortreißen lassen. Manchmal werden sie mit einem persönlichen Rat helfen, ein anderes Mal indem sie ihre Kinder anregen, sich mit anderen zu beraten: im Gespräch mit einem guten, ehrlichen Freund, mit einem gebildeten, frommen Priester oder mit einem Berufsberater.
Ein solcher Rat hebt die persönliche Freiheit nicht auf; er stellt lediglich Urteilshilfen bereit, die das Feld der Wahlmöglichkeiten erweitern und die Wirkung irrationaler Faktoren bei der Entscheidung vermindern. Nachdem man die Meinung anderer gehört und abgewogen hat, kommt der Augenblick, in dem man sich entscheiden muß, und hier hat niemand das Recht, die Freiheit einzuschränken. Die Eltern müssen sich vor der Versuchung hüten, sich in ihre Kinder hineinzuprojizieren und die eigenen Vorstellungen in ihnen verwirklicht sehen zu wollen; vielmehr müssen sie die Neigungen und Fähigkeiten respektieren, die Gott jedem einzelnen mitgegeben hat. Wenn die Liebe aufrichtig ist, wird das gewöhnlich nicht schwerfallen. Selbst in dem extremen Fall, daß ein Kind eine Entscheidung trifft, die die Eltern aus guten Gründen als verfehlt und vielleicht sogar als höchst unglücklich ansehen, hilft der Zwang nicht. Das einzige, was hilft, ist, dem Kind Verständnis entgegenzubringen und ihm weiterhin zur Seite zu stehen, um die Schwierigkeiten zu überwinden und aus jener unglücklichen Entscheidung zumindest noch das Bestmögliche zu machen.
Gespräche, 104

Seid Freunde eurer Kinder
Die Eltern sind sowohl im Menschlichen als auch im Übernatürlichen die Haupterzieher ihrer Kinder und müssen die Verantwortung dieser Aufgabe spüren. Sie fordert von ihnen Verständnis, Klugheit, die Fähigkeit zu lehren und vor allem die Fähigkeit zu lieben, sowie das Bestreben, ein gutes Beispiel zu geben. Autoritärer Zwang ist kein guter Weg in der Erziehung. Das Ideal für die Eltern liegt vielmehr darin, Freunde ihrer Kinder zu werden, Freunde, denen sie ihre Sorgen anvertrauen, mit denen sie ihre Probleme besprechen und von denen sie eine wirksame und wohltuende Hilfe erwarten können.
Christus begegnen, 27

Die Erziehungsaufgabe
Wenn ich für die kinderreiche Familie eintrete, meine ich damit nicht den Kinderreichtum als bloße Folge physiologischer Beziehungen, sondern die kinderreiche Familie als Konsequenz wahrhaft gelebter christlicher Tugend. Ich meine die Familie, die einen hohen Sinn von der Würde der Person besitzt und begreift, daß die Aufgabe, Gott Kinder zu schenken, nicht nur darin besteht, sie zu zeugen und zur Welt zu bringen, sondern auch eine langwierige Erziehungsarbeit erfordert. Das physische Leben steht zwar am Anfang, ist aber keineswegs alles.
Gespräche, 94

Der Generationenkonflikt
Das Problem ist nicht neu, wenn es sich auch heute wegen der überstürzten Entwicklung unserer Gesellschaft häufiger und mit größerer Schärfe stellen mag. Es ist selbstverständlich und durchaus natürlich, daß Jugendliche und Erwachsene die Dinge auf verschiedene Weise sehen; das ist immer so gewesen. Überraschend wäre es, wenn ein Heranwachsender genauso denken würde wie ein erwachsener Mensch. Wir alle haben gegen die Erwachsenen aufbegehrt, als wir begannen, unabhängig zu denken. Und alle haben wir im Laufe der Jahre begriffen, daß unsere Eltern in vielen Fragen, die sie aus ihrer Erfahrung und ihrer Liebe zu uns heraus beurteilten, recht hatten. Deshalb ist es an erster Stelle Sache der Eltern, die ja auch einmal ähnliches erlebt haben, mit Anpassungsfähigkeit und heiterer Gelassenheit das Verständnis füreinander zu erleichtern und mit intelligenter Liebe mögliche Konflikte zu vermeiden.
Gespräche, 100

Vertrauen schenken
Der Schlüssel dazu liegt im gegenseitigen Vertrauen. Es setzt voraus, daß die Eltern ihre Kinder in einem Klima der Offenheit zu erziehen wissen und ihnen gegenüber niemals den Eindruck des Mißtrauens erwecken, daß sie den Kindern Freiheit lassen und sie lehren, ihre Freiheit eigenverantwortlich zu gebrauchen. Es ist besser, die Eltern lassen sich einmal hintergehen, als daß sie Mißtrauen zeigen. Die Kinder gestehen sich selbst beschämt ein, das Vertrauen ihrer Eltern mißbraucht zu haben, und bessern ihr Verhalten. Läßt man ihnen dagegen keine Freiheit, und spüren sie, daß man ihnen mißtraut, bedeutet das für sie einen ständigen Anreiz zur Unaufrichtigkeit.
Gespräche, 100

Hinführung zur Frömmigkeit
In jedem christlichen Milieu hat man mit dieser natürlichen und übernatürlichen Einführung in das Leben der Frömmigkeit innerhalb der Familie ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. Das Kind lernt, seine erste tiefe Zuneigung Christus zu schenken, es lernt, Gott wie einen Vater und Maria wie eine Mutter zu behandeln; mit einem Wort: es lernt beten, indem es einfach dem Beispiel seiner Eltern folgt. Wenn man das sieht, begreift man, wie wichtig die apostolische Aufgabe der Eltern ist, und wie sehr sie verpflichtet sind, selbst aufrichtig fromm zu sein, damit sie ihren Kindern diese Frömmigkeit nicht nur erklären, sondern vorleben können.
Gespräche, 103

Das Beispiel der Eltern
Die Kinder sollten in ihren Eltern ein Beispiel der Hingabe, der aufrichtigen Liebe, der gegenseitigen Hilfe und des Verständnisses sehen, und es darf nicht dazu kommen, daß die unbedeutenden Streitigkeiten des Alltags die Kinder jene wahre Liebe ihrer Eltern vergessen lassen, die in der Lage ist, alle Schwierigkeiten zu überwinden.
Gespräche, 108

Sich Zeit für die Kinder nehmen
Hört euren Kindern gut zu und widmet ihnen auch eure Zeit. Vertraut ihnen, glaubt ihnen, was sie euch sagen, auch wenn sie euch manchmal hintergehen; erschreckt nicht über ihr Aufbegehren, denn auch ihr wart in ihrem Alter mehr oder weniger rebellisch. Kommt ihnen auf halbem Wege entgegen und betet für sie; wenn ihr christlich handelt, könnt ihr euch darauf verlassen. daß eure Kinder sich mit ihrer natürlichen Neugierde an die Eltern und nicht an einen herzlosen und brutalen »Freund« wenden. Sie werden euer Vertrauen und euer freundschaftliches Verhalten mit Aufrichtigkeit erwidern. Und das ist der Frieden in der Familie, das ist das christliche Leben, auch wenn kleine Streitereien und Mißverständnisse nicht ausbleiben werden.
Christus begegnen, 29

In die Gesellschaft wirken
Einverstanden, du leistest bessere Arbeit im vertraulichen Gespräch und in der Aussprache unter vier Augen, als wenn du öffentliche Reden - die große Schau! - vor tausenden Zuhörern hältst.
Trotzdem, wenn geredet sein muß, rede.
Der Weg, 846