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Persönliche Zeugnisse

Die Katechese am Samstag morgen

Marcelo Sheppard, Student, Uruguay

1 Januar 2009

Stichwörter: Schmerz, Jugend, Armut
Schüler mit christlichen Grundkenntnissen gehen in die Randbezirke von Montevideo und erteilen Kindern und Jugendlichen Katechismusunterricht. Nach einiger Zeit erinnern sie sich nicht nur an bestimmte Begebenheiten, sondern werden sich bewusst, dass sie selbst am meisten von diesem Einsatz profitiert haben.

Als wir in die Oberstufe kamen, schlug man uns – mir und einigen meiner Freunde – im Jugendclub des Opus Dei vor, bei der Katechese in einer Pfarrei in einem ärmeren Viertel von Montevideo mitzumachen. Am Anfang fiel uns das ziemlich schwer, weil wir dazu den Samstagmorgen „opfern“ mussten, den die meisten von uns zum Ausschlafen benutzten.

Am Tag vorher setzten wir uns immer zusammen, um das anstehende Thema vorzubereiten. Es waren die ersten Unterrichte, die wir in unserem Leben gaben, unsere Schüler waren außerdem meistens zerstreut – wir mussten uns also recht gut vorbereiten. Im Club erklärte man uns bis ins Detail, was wir da tun würden und welchen Wert der heilige Josefmaria auf diese Art Katechismusunterricht legte. Uns wurde auch erzählt, wie der Gründer des Opus Dei in den Anfängen mit kleinen Gruppen in die Außenviertel von Madrid ging, um Katechismusunterricht zu geben.

Zuerst half ich in Punta Rieles, dann im Vorort Euskalerría, und am Ende im sogenannten „km 14 del Camino Maldonado“. In Punta Rieles stellten Ordensschwestern uns einen Raum neben ihrem Kloster zur Verfügung, wo wir die Unterrichte halten konnten.

Punta Rieles ist recht nahe bei „km 14“, daher machten wir eine Runde, um mehr Jungen einzuladen. Am folgenden Samstag traten die Jungen von „km 14“ in das Lebensmittellager des Klosters und aßen einen Fruchtpudding, den die Nonnen als Nachtisch geben wollten. Wir mußten das irgendwie regeln, also gingen wir den Jungen, die den Nachtisch genommen hatten, hinterher und ließen die anderen ruhig in dem Raum zurück. Ab da machten wir zwei Katechesen.

Der „km 14“ ist eine besondere Wohngegend. Die Leute leben in armseligen Hütten, die sanitären Einrichtungen sind äußerst schlecht, und auf der anderen Straßenseite ist eine Müllhalde. Wir wussten alle, dass die Zustände dort ziemlich schlimm waren und dass wir daher wir unser Anliegen gut erklären mussten, damit wir überhaupt unsere Katechese halten durften. Die Leute aus dieser Gegend pflegen, wenn sie denn überhaupt getauft sind, die „Sonntagsschulen“ von verschiedenen Sekten und Gruppen zu besuchen.
Manchmal ist es deswegen sehr schwierig, sie in ihrem Glaubensleben zu fördern.

Beim ersten Mal gingen wir zu fünf Lehrern. Wir teilten die Jungen nach ihrem Alter in Gruppen ein und gaben den Unterricht auf einem kleinen Platz in der Nähe der Müllhalde, weil es sonst keine Möglichkeit gab. Nach kurzer Zeit fing Juancho an, sich aus einem lächerlichen Grund mit Anthony zu prügeln, und kurz darauf bewarfen sie uns mit Steinen und schrieen, wir sollten uns nie mehr blicken lassen. Das ließ uns – unter Wahrung des Unterschieds – daran denken, wie sich der heilige Josefmaria dieser Gefahr, mit Steinen beworfen zu werden, aussetzte, nur weil er eine Soutane trug. Dies war vor allem der Fall, wenn er zum Hospital del Rey in Madrid ging. Nach weiteren zwei bis drei Versuchen hörten die Steinwürfe auf. Mit eine bisschen Einsatz und viel Gnade Gottes lernten die Jungen doch noch etwas und einige von ihnen gingen sogar zur Erstkommunion.

Erst später wird man sich bewusst, wie gut die Katechese für diese Jungen ist, dass sie eine moralische Stütze ist, die sie nie mehr vergessen werden.

Was wir in unserem Alter für sie tun konnten, war nicht, ihnen Arbeit zu verschaffen oder Häuser zum Leben zu besorgen, sondern ihnen christliches Gedankengut nahezubringen.

Was ich noch betonen möchte, ist, dass vor allem wir, die Lehrer, gestärkt aus dem Unternehmen hervorgingen: wir lernten nämlich von diesen Jungen, wir machten uns klar, wie dringend die Unwissenheit hinsichtlich des Glaubens bekämpft werden musste, wir lernten die materielle Not in direktem Kontakt kennen, wir litten mit ihnen. Das alles überzeugte uns davon, uns für unser Land einsetzen zu müssen.