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Dokumentation

Der fünfte Band von „Studia et documenta“ ist erschienen.

Stichwörter: Erziehung, Geschichte, Opus Dei, Rom
Der fünfte Band von „Studia et documenta“ ist erschienen.

Szene aus dem Film
Szene aus dem Film "There be dragons", im Vordergrund Pedro Casciaro (Unax Ugalde) und Juan Jiménez Vargas (Alfonso Bassave)
Neue Forschungen zur Geschichte von Josemaría Escrivá und dem Opus Dei.

Der neueste Film von Roland Joffé, There be Dragons (Du wirst auf Drachen treffen) stößt auf ein wachsendes Interesse am Leben und an der Geschichte von Josemaría Escrivá, dem Gründer des Opus Dei. Eine weitere Hauptperson, die an der Seite von Escrivá erscheint, ist "Juan" (Juan Jiménez Vargas), ein junger energischer Arzt, der ihn auf der Flucht vor der Religionsverfolgung im spanischen Bürgerkrieg, also in einer außergewöhnlichen und gefährlichen Situation, begleitete.

Im 5. Band der Fachzeitschrift Studia et Documenta (2011), die soeben erschienen ist, liegt ein biographischer Artikel über „Juan“ vor, für den Francisco Ponz und Onésimo Díaz verantwortlich zeichnen. Im ersten Teil finden wir uns im Film von Joffé wieder, mitten in den halsbrecherischen Unternehmungen von Jiménez Vargas, um sein Leben und das des Gründers zu retten, zuerst von einem Versteck zum anderen in Madrid und dann beim Fußmarsch über die Pyrenäen. Nach dem Krieg jedoch erleben wir, wie er die Karriereleiter in Medizin emporklettert und sich in ein Abenteuer ungewöhnlichen Ausmaßes stürzt. Er ruft mit wenigen finanziellen Mitteln und personellen Ressourcen die medizinische Fakultät der Universität von Navarra ins Leben, ein titanisches Unterfangen, für das es einen menschlich und übernatürlich gestählten Charakter wie den von Vargas brauchte.
Frauen von Kibondeni bei einem Spaziergang
Frauen von Kibondeni bei einem Spaziergang

Die Zeitschrift bringt noch weitere interessante Artikel über die Geschichte des Opus Dei und seines Gründers. Die schon traditionelle monographische Abteilung vereint Darstellungen verschiedener Bildungsinitiativen, die in verschiedenen Ländern unter dem Antrieb des hl. Josefmaria von Mitgliedern des Opus Dei ins Leben ins Leben gerufen und weiter entwickelt wurden. Es ist dies die Fortsetzung einer Reihe von Studien, die bereits in den früheren Ausgaben von Studia et Documenta erschienen sind. Die Rubrik, um die es sich handelt, trägt den Titel: "Universität, Beruf und Wirtschaftsunternehmen zwischen Entkolonialisierung und Entwicklung. Initiativen, die vom hl. Josefmaria in den 50er und 60er Jahren auf den Weg gebracht wurden". Folgende körperschaftlichen Einrichtungen werden vorgestellt: Kibondeni, eine Hotelfachschule in Kenia; das IESE, eine Managerschule mit Weltruf in Spanien; Müngersdorf und Netherhall House, zwei Studentenheime in Deutschland und England.

Der soziologische Kontrast zwischen den finanziell schlecht gestellten kenianischen Frauen, die in die Klassenzimmer von Kibondeni strömen, und den Topmanagern, die an den Fortbildungsprogrammen von IESE teilnehmen, könnte nicht größer sein. "Und dennoch – so schreibt Fernando Crovetto in seinem Vorwort – versucht man in beiden Fällen, eine christlich inspirierte Bildung zu vermitteln, die auf der menschlichen Ebene eine Vorreiterrolle einnimmt, und zudem von höchster Aktualität und Qualität."

Jede dieser Initiativen musste sich ziemlichen Herausforderungen stellen. Als zum Beispiel das IESE entstand, waren Fortbildungsprogramme für die oberen Etagen der Wirtschaftsunternehmen außerhalb der USA und Frankreichs kaum bekannt. Daher musste das IESE – so erzählt Antonio Argandona in seinem Artikel – eine eigene Mission durchführen, die im vom Gründer des Opus Dei anvertraut worden war: zum einen, den Verantwortlichen für Aufbau, Leitung und Entwicklung von Wirtschaftsunternehmen zu helfen, beispielhafte Christen zu sein und ihrem Glauben gemäß zu handeln. Gleichzeitig sollte ihnen eine berufliche Ausbildung von höchster Qualität vermittelt werden, damit sie mit ihrem Beruf eine weit reichende gesellschaftliche Resonanz hervorriefen.

Der Aufbau einer Einrichtung für Frauenbildung, wie es Kibondeni im Kenia der 60er Jahre war, stellte im Grunde ein noch unerhörteres Unterfangen dar. Wie Christine Gichure zeigt, war das Erziehungsprojekt für Frauen aller Rassen, Stämme oder Religionen gedacht, und das zu einer Zeit, in der noch die Rassentrennung herrschte. Andererseits schienen die Vorurteile aus der Kolonialzeit gegenüber der beruflichen Bildung der Frau und ihrer angemessenen gesellschaftlichen Förderung unüberwindlich.

Das Studentenheim Netherhall House in London wurde mit der Absicht eröffnet, Studenten unterschiedlicher Rassen, Nationalitäten und Religionen zu beherbergen. Wie der Autor des Artikels, James Pereiro, erklärt, ging es darum, einen neuen Anfang nach der Kolonialzeit zu setzen. Das Studentinnenheim Müngersdorf in Köln stand vor der enormen Herausforderung, trotz Geld- und Personalmangel sowie anderer Schwierigkeiten der Anfänge gebaut und eingerichtet zu werden. Barbara Schellenberger hat darüber recherchiert. (s. auch einen Auszug aus diesem Artikel)

Unter den Studien und Hinweisen verschiedenster Art findet sich ein Artikel von Carlo Pioppi über die Gespräche des Gründers des Opus Dei mit kirchlichen Würdenträgern während des Zweiten Vatikanums. Was in den Biographien über Msgr. Escrivá hinsichtlich seiner Unterhaltungen mit zahlreichen Kirchenvätern in den Jahren 1962 bis 1965 nachzulesen ist, wird hier von Pioppi im Detail dokumentiert.

In derselben Abteilung der Zeitschrift gibt es neben der von Juan Jiménez Vargas eine biographische Arbeit zu einem weiteren Mitglied des Opus Dei aus den ersten Zeiten: Dora del Hoyo. Salvadora (Dora) del Hoyo (1914-2004) war die erste Auxiliarnumerarierin. In dem Artikel berichtet Ana Sastre, die Autorin einer Biographie des Gründers, von Doras Herkunft aus León und von ihrem Umzug 1940 nach Madrid, wo sie in mehreren Häusern als Hausmädchen arbeitete. In Madrid lernte sie Josemaría Escrivá und die ersten Frauen des Opus Dei kennen. Später, 1946, bat sie um die Aufnahme und noch im selben Jahr siedelte sie nach Rom über, wo sie bis zu ihrem Tod 2004 lebte und arbeitet.

Die Studien und Hinweise dieser Ausgabe der Zeitschrift schließen mit einer Arbeit von Fernando Crovetto, die sich mit dem kirchlichen Umfeld der Erzdiözese von Saragossa in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts beschäftigt, also der Jahre, in denen Josmemaría Escrivá in diesem Bistum lebte und sich auf die Priesterweihe vorbereitete.

Die Abteilung Dokumente beginnt mit Aufzeichnungen des kürzlich verstorbenen Historikers José Orlandis zu den Audienzen, die Pius XII. und Msgr. Montini zwischen 1943 und 1945 Mitgliedern des Opus Dei in Rom gewährten. Hinzu kommen einige Briefe von Montini und Orlandis. Diese Schriftstücke, die von Josep-Ignasi Saranyana herausgegeben und kommentiert werden, gestatten einen Einblick in die ersten Informationen und Eindrücke, die der Papst und der Erste Staatssekretär damals vom Opus Dei hatten.
Facsimile des Anfangs vom Bericht, über die Wallfahrt nach Sonsoles, den der hl.  Josemaría Escrivá geschrieben hat
Facsimile des Anfangs vom Bericht, über die Wallfahrt nach Sonsoles, den der hl. Josemaría Escrivá geschrieben hat

Ein weiterer Artikel dieser Abteilung ist ein Bericht vom Mai 1935, an dem der hl. Josefmaria mit zwei Mitgliedern des Opus Dei eine Wallfahrt zum Marienheiligtum von Sonsoles in Avila machte; anhand dieses Dokumentes lassen sich der innere Weg des hl. Josefmaria und das geistliche Leben der Mitlieder des Opus Dei, besonders hinsichtlich seiner marianischen Prägung, nachvollziehen. Präsentation und Kommentare kommen von Alfredo Méndiz.

Der letzte Text dieses Bandes ist sehr kurz, aber für Studenten des Kirchenrechts hochinteressant. Es handelt sich um einen Brief vom 17. Januar 1983 von Kardinal Sebastian Baggio an Bischof Alvaro del Portillo zum Thema der Personalprälaturen. In ihm informierte der damalige Präfekt der Kongregation für die Bischöfe den Prälaten des Opus Dei über eine Audienz beim Heiligen Vater, bei der Johannes Paul II. den Sinn und die Reichweite der Einfügung der canones über die Personalprälaturen in den neuen Kodex von 1983 genauer erläutert hatte.

Die Rubrik Chronik ist dieses Mal zwei Beiträgen zum Weg gewidmet. Im ersten spricht Alfredo Méndiz über dieses Buch als literarisches Werk, der zweite, von Carmen Sánchz Lanza, analyisert es unter linguistischer Perspektive.

Wie in den vorhergehenden Nummern so findet sich auch in dieser eine bibliographische Abteilung mit kurzen und ausführlichen Rezensionen und einem neuen Band der monumentalen Sammlung der „Allgemeinen Bibliographie“ über den hl. Josefmaria und das Opus Dei. Die ersten drei Ausgaben von Studia et Documenta hatten versucht, eine umfassende Bibliographie über den hl. Josefmaria bis 2002 aufzustellen, während im vierten und jetzt im fünften Band eine „Allgemeine Bibliographie zum Opus Dei“ zusammengestellt wurde, die noch nicht beendet ist.

Für weitere Informationen (auf spanisch) klicken Sie auf www.isje.org
Istituto Storico San Josemaría Escrivá