Heiliger Josefmaria
Mit Gott sprechen

Der Gute Hirt

Stichwörter: Geistliche Leitung, Kirche
Amen, Amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Torhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen. (…) Amen, Amen, das sage ich euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. (…) Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. (…) Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe (Joh 10,1–11).

»Einmal – es ist schon sehr lange her – waren wir unterwegs durch die spanische Hochebene. Von der Straße aus sah ich in der Ferne ein Bild, das mich innerlich bewegte und mir später oft beim Gebet geholfen hat: einige Männer rammten Pflöcke in die Erde ein und spannten dann zwischen sie senkrechte Netze, um so eine Hürde zu bauen. Dann kamen die Hirten mit ihren Lämmern und Schafen heran und, indem sie diese beim Namen riefen, führten sie sie in die Hürde hinein. Dort waren sie nun, alle zusammen, geborgen.

Heute, mein Herr und Gott, erinnere ich mich wieder an jene Hirten und an jene Schafhürde, weil wir alle, die wir hier versammelt sind, um das Gespräch mit dir zu suchen, ebenso wie viele andere Menschen in der ganzen Welt, uns auf deiner Weide wissen. Du selbst hast es gesagt: Ich bin der Gute Hirt. Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich. Du kennst uns gut, du weißt, daß wir immer deiner Stimme – der Stimme des Guten Hirten – hellhörig folgen wollen, denn das ist das ewige Leben, daß sie dich erkennen, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus.«
Freunde Gottes, Nr. 1

»Denn Christus hat seiner Kirche die sichere Lehre, den Gnadenstrom der Sakramente gegeben. Er hat es so gefügt, daß es Menschen gibt, die uns den Weg weisen, uns leiten und uns ständig an den rechten Weg erinnern. Uns steht ein unendlicher Wissensschatz zur Verfügung: das Wort Gottes, das die Kirche bewahrt; die Gnade Christi, die in den Sakramenten ausgespendet wird; das Zeugnis und das Beispiel jener, die ein aufrechtes Leben führen und es verstanden haben, einen Weg der Treue zu Gott einzuschlagen. (…)

Die Heiligkeit der Braut Christi hat sich immer – genau wie heute – in der Fülle guter Hirten erwiesen. Wenn auch der christliche Glaube Einfachheit von uns verlangt, verleitet er uns doch nicht zur Naivität. Es gibt Mietlinge, die schweigen, und es gibt solche, die sprechen, deren Worte aber nicht Worte Christi sind. Wenn der Herr zuläßt, daß wir uns in der Finsternis nicht zurechtfinden – auch in kleinen Dingen –, wenn wir spüren, daß unser Glaube nicht stark ist, dann sollen wir beim Guten Hirten Zuflucht suchen. Er tritt durch die Tür ein und übt sein Recht aus, er gibt sein Leben für die andern, er will in Wort und Tat bezeugen, daß sein Herz erfüllt ist von Liebe. Vielleicht ist auch er ein Sünder, aber er vertraut immer auf die Vergebung und Barmherzigkeit Christi.«
Christus begegnen, Nr. 34

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