StartseitePersönliche ZeugnisseBin ich zu etwas Konkretem geboren?
Persönliche Zeugnisse

Bin ich zu etwas Konkretem geboren?

Edik, Steuermann, Kasachstan

21 April 2009

Stichwörter: Taufe, Glaube, Jesus Christus
Ich heiße Edik (das ist der kasachische Name der Wolga), aber mein Taufname ist Eduard. Ich bin Bürger der Republik Kasachstan.

Die ersten Erinnerungen aus meiner Kindheit habe ich von der Zeit, als ich in einer kleinen Jurte lebte (ein Zelt aus mit Fellen überdeckten Holzbrettern, das den Nomaden als Wohnraum diente).

Wir waren eine Hirtenfamilie und lebten in der Steppe. Mir machte es Spaß, mich an heißen Junitagen am frischen Ufer der Wolga hinzulegen und über das Leben nachzudenken. Es gefiel mir auch, mir selbst Fragen zu stellen, während ich durch das Dach der Jurte die Vögel beobachtete, die darüber flogen.

Zuerst wohnte ich im Haus von Onkel und Tante, später in dem meines Cousins und seiner Frau. Als ich einen Beruf wählen mußte, wurde ich Steuermann auf den Segelschiffen, die den Irtysch befahren.

Ich finde keinen Ausdruck für das, was ich in jener Zeit empfand, vor allem, wenn ich nachts am Steuer des Schiffes saß und Zeit zum Nachdenken hatte. Während ich dem Gesang der Vögel lauschte oder die Stimmen der Menschen in der Ferne hörte, fragte ich mich z.B.: Hat mein Leben einen Sinn? Bin ich zu etwas Konkreten geboren? Gibt es Gott? Wer hat diese ganze Schönheit geschaffen? Dann kam ich in die Stadt Tobolsk, wo ich zum ersten Mal eine orthodoxe Kirche betrat, und ich meine mich zu erinnern, dass ich an das Leben, den Glauben, die Existenz Gottes dachte.

Von den Jahren im Haus meiner Eltern war mir in Erinnerung geblieben, dass sie beteten und den islamischen Fastenmonat Ramadan hielten. Aber in der Sowjetunion wurde verkündet, dass Gott nicht existiert. Wenn du so entgegengesetzte Meinungen hörst, überlegst du zumindest, wer wohl Recht hat.

Später sah ich in Riga zum ersten Mal eine evangelische und dann eine katholische Kirche. Letztere gefiel mir gut. So erfuhr ich vom katholischen Glauben. Die Orgel, die Heiligenbilder, die Engel. Damals stellte ich mir ganz neue Fragen: Warum wurde Jesus gekreuzigt? Wozu ist er auferstanden? Warum ist Maria die Mutter Gottes? Wer bin ich denn in Wirklichkeit? Wohin gehe ich? Wozu bin ich hier? Aber ich hatte keine Antworten. Jedenfalls erwachte bei dem Besuch in jener Kathedrale, die mich durch ihre Schönheit beeindruckte, in mir eine gesunde geistliche Unruhe.

In Almaty lernte ich einen Priester des Opus Dei kennen. Bei unserer Begegnung sprachen wir über die katholische Religion. Der Vater erzählte mir Szenen aus dem Evangelium und gab mir geistliche Literatur zu lesen. Später stellte er mir Fragen dazu und erklärte mir, was ich nicht verstanden hatte. Eines Tages lud er mich ein, in die Messe zu gehen und so wurden wir Freunde.
Bei jedem Gespräch lernte ich mehr über das Neue Testament, wofür ich immer dankbar sein werde. Danach lernte ich weitere Mitglieder des Opus Dei kennen. Der Gründer des Opus Dei, Josemaría Escrivá, lehrte, dass wir durch unsere berufliche Arbeit heilig werden können. Das heißt, dass alle heilig sein können, jeder von uns. Das wusste ich vorher nicht. Nach kurzer Zeit wurde ich Mitarbeiter des Opus Dei.

Dank der Einladung des Präsidenten von Kasachstan, Nursultan Nazarbaev, kam 2001 Seine Heiligkeit, Papst Johannes Paul II., aus dem Vatikan nach Astana, der Haupstadt meines Landes, um uns zu besuchen.

Ich bin meinen katholischen Freunden vom Opus Dei sehr dankbar für die Einladung, an einem Treffen mit Papst Johannes Paul II. teilzunehmen. Wir fuhren mit dem Zug und kamen schließlich auf dem Platz an, wo die Begegnung stattfinden sollte. Der Papst kam und segnete alle auf dem Platz! Jeden, die Katholiken, die Gläubigen anderer Religionen und auch die, die einfach gekommen waren, und die Atheisten. Alle! Also, so dachte ich, hat der Papst auch mich gesegnet. Danach feierte er die heilige Messe.

Danach begann ich die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Mein Blick auf das Leben änderte sich so weit, dass ich ernsthaft daran dachte – und das erstaunte mich doch –, mich taufen zu lassen.

Im Jahr 2002 begegnete ich dem Papst wieder, dieses Mal bei der Heiligsprechung von Josemaría Escrivá, dem Gründer des Opus Dei, auf dem Petersplatz. Am 6. Oktober war ich einer von denen, die auf dem Platz standen, wo auch viele andere Mitarbeiter und Freunde aus der ganzen Welt versammelt waren. Der bewegendste Augenblick, voller Freude und Spannung, war der Moment, als Josemaría Escrivá endgültig in die Liste der Heiligen aufgenommen wurde. Danach hörte man begeisterte Rufe und einen Applaus aller Gläubigen.

In Rom betete ich viel und dachte nach. Ich dachte besonders an die Märtyrer, die ihr Leben für den Glauben gegeben haben. Ich besuchte die Katakomben. Und am Ende entschloss ich mich, katholisch zu werden. Bei der Vorbereitung lernte ich vieles, was mir neu war. Zum Beispiel dass Gott der Schöpfer aller Dinge ist, dass mein Leben kein Zufall ist, sondern dass Er einen Plan für mich hat. Und Ostern darauf wurde ich getauft.

Mein Glaube hilft mir in der Arbeit und in der Familie. Das tägliche Gebet und das Gebet des Rosenkranzes helfen mir, verständnisvoller und geduldiger mit den Leuten zu sein. Und wenn ich bei der Arbeit sehr müde bin, denke ich an Jesus, der sich für uns ans Kreuz nageln ließ und ich sage mir: "Du musst weitermachen." Aber das Wichtigste für mich ist, dass ich jetzt eine Antwort auf die wichtigsten Fragen meines Lebens habe. Und wenn ich heutzutage nach der Arbeit ausruhe, den Vögeln im Hof zusehe und die Geräusche der Blätter und der Insekten höre, dann sehe ich in all dem Gott, der zu mir kommt.