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Benedikt XVI. - Sein Buch über Jesus Christus

25 November 2006

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“Dieses Buch ist Ausdruck meines persönlichen Suchens »nach dem Angesicht des Herrn«”, sagt der Papst in der Einführung zu seinem Buch “Jesus von Nazareth. Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung”, das im Frühjahr 2007 erscheinen wird. Wir stellen einige Abschnitte seines Vorwortes vor.

Zu dem Jesus-Buch, dessen 1. Teil ich hiermit der Öffentlichkeit vorlege, bin ich lange innerlich unterwegs gewesen. (...)
Diese methodischen Hinweise glaubte ich dem Leser schuldig zu sein, weil sie den Weg meiner Auslegung der Gestalt Jesu im Neuen Testament bestimmen. Für meine Darstellung Jesu bedeutet dies vor allem, daß ich den Evangelien traue. Natürlich ist alles das vorausgesetzt, was uns das Konzil und die moderne Exegese über literarische Gattungen, über Aussageabsicht, über den gemeindlichen Kontext der Evangelien und ihr Sprechen in diesem lebendigen Zusammenhang sagen. Dies alles – so gut ich konnte – aufnehmend wollte ich doch den Versuch machen, einmal den Jesus der Evangelien als den wirklichen Jesus, als den „historischen Jesus“ im eigentlichen Sinn darzustellen. Ich bin überzeugt und hoffe, auch der Leser könne sehen, daß diese Gestalt viel logischer und auch historisch betrachtet viel verständlicher ist als die Rekonstruktionen, mit denen wir in den letzten Jahrzehnten konfrontiert wurden. Ich denke, daß gerade dieser Jesus – der der Evangelien – eine historisch sinnvolle und stimmige Figur ist. Nur wenn Außergewöhnliches geschehen war, wenn die Gestalt und Worte Jesu das Durchschnittliche aller Hoffnungen und Erwartungen radikal überschritten, erklärt sich seine Kreuzigung und erklärt sich seine Wirkung. (...)

Ich habe versucht, über die bloß historisch-kritische Auslegung hinaus die neuen methodischen Einsichten anzuwenden, die uns eine eigentlich theologische Interpretation der Bibel gestatten und so freilich den Glauben einfordern, aber den historischen Ernst ganz und gar nicht aufgeben wollen und dürfen. Gewiß brauche ich nicht eigens zu sagen, daß dieses Buch in keiner Weise ein lehramtlicher Akt ist, sondern einzig Ausdruck meines persönlichen Suchens „nach dem Angesicht des Herrn“ (vgl. Ps 27,8). Es steht daher jedermann frei, mir zu widersprechen. Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuß an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt.

Wie ich zu Beginn dieses Vorworts gesagt habe, bin ich lange innerlich auf dieses Buch zugegangen. Die ersten Arbeiten dafür habe ich im Sommerurlaub 2003 machen können. Im August 2004 habe ich dann den Kapiteln 1-4 ihre endgültige Form gegeben. Nach meiner Wahl auf den Bischofssitz zu Rom habe ich alle freien Augenblicke genützt, um das Buch voranzubringen. Da ich nicht weiß, wie lange mir noch Zeit und Kraft geschenkt sein werden, habe ich mich nun entschlossen, die ersten 10 Kapitel, die von der Taufe am Jordan bis zum Petrusbekenntnis und zur Verklärung reichen, als 1. Teil des Buches zu veröffentlichen.

Die vorliegende Fassung wurde ZENIT (zenit.org) vom Rizzoli-Verlag zur Verfügung gestellt, der die Rechte der deutschen Ausgabe an den Herder-Verlag abgetreten hat.