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Auf der Suche nach der Schönheit begegnete ich Gott!

Josefina Calvente, Architektin, Argentinien

4 April 2013

Stichwörter: Bekehrung, Glaube, Bildung, Jahr des Glaubens
Mit 25 Jahren packte ich die Koffer und machte mich auf den Weg nach Valencia. Der vorgetäuschte Grund meiner Reise war, dass ich dort einen Master in Architektur machen wollte. In Wirklichkeit wollte ich einfach weg und etwas anderes sehen. Ich fühlte mich unglücklich und suchte nach einer Abwechslung. Niemals hätte ich erahnen können, dass sie so radikal ausfiel.

Ein verschwommener Weg
Ich kam in einer christlichen Familie zur Welt. Ich habe vage Erinnerungen daran, mit meiner Großmutter den Rosenkranz gebetet und samstags Blumen zu einem Bild der Muttergottes gebracht zu haben. Vor kurzem traf ich auf einige Sätze aus dem Evangelium, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, sie geschrieben zu haben. In einer Schublade fand ich ein Exemplar des Buches des hl. Josefmaria, “Der Weg”. Wahrscheinlich hatte ich es in meiner Jugend gelesen, vielleicht ohne es recht zu verstehen. In den letzten Jahren meiner Schulzeit verspürte ich den Wunsch, Gott zu dienen aber fast gleichzeitig das Bedürfnis, fest in der Welt verankert zu sein.

Während meines Studiums gingen die Dinge immer mehr bergab. Ich lebte alleine und genoss unbegrenzte Freiheit. Da es mir an Argumenten und an klarer Einsicht fehlte, ließ ich meinen Glauben weiter schleifen. Eigentlich hatte ich nicht die Absicht, mich vom Glauben zu entfernen. Fast ohne mein Zutun ließ ich schließlich alles auf sich beruhen. Es vergingen viele Jahre ohne dass ich beichtete oder die hl. Messe besuchte. Alle guten Gewohnheiten, die ich in meiner Jugend erworben hatte, lösten sich in Luft auf und schließlich fand ich mich weit von Gott entfernt wieder. Der Weg hatte nur noch verschwommene Umrisse.

Ich suchte nach mehr!
Aber Gott hatte seine eigene Taktik mich zu suchen. Er gelangte zu mir durch viele Erlebnisse, die eigentlich mit dem Glauben nichts zu tun hatten, mir aber viel bedeuteten. In meiner Erinnerung war der Rat meiner Großmutter fest verankert, die uns oft ermunterte: „Studieren, Studieren, Studieren!“ Deshalb wählte ich das Architekturstudium. Als ich in meinen Studien schon weiter fortgeschritten war, wuchs in mir die Sehnsucht, den richtigen Ausdruck dafür zu finden. Ich suchte nach etwas Tiefem; ich wollte die Schönheit finden und Harmonie zum Ausdruck bringen. Ich beschäftigte mich mit Harmonie, Ordnung und Komposition. Ich ahnte, dass ich dazu auf etwas stoßen musste, das mir jetzt noch verborgen war. So entschloss ich mich, danach auf die Suche zu gehen, nahm mein Studium sehr ernst.

Während dieser Jahre sagte einmal ein Freund zu mir: „Du träumst viel, aber am Ende machst du nichts” und zu allem Überfluss fügte er hinzu: “Dankst Du wenigstens Gott, wenn Du zum Himmel aufschaust?”Mit diesen beiden Aussagen im Gepäck und in der Überzeugung, dass ich mich aufmachen musste, um etwas in meinem Leben zu ändern, machte ich mich auf den Weg nach Spanien. Ich hatte nur zwei klare Orientierungspunkte: einmal wollte ich lernen, anderen zu helfen, deshalb entschied ich mich für einen Master in Sozialwissenschaft und Nachhaltigkeit; und mein zweites Ziel war, Gott dankbar sein zu können. Dabei war mir völlig unklar, wie ich dieses zweite Ziel erreichen könnte.
Pfeile, die den Weg nach Santiago markieren
Pfeile, die den Weg nach Santiago markieren

Ich fuhr los mit dem Wunsch, die Welt kennen zu lernen, die Freiheit zu genießen und alles tun zu können, was mir einfiel. So verbrachte ich die Freizeit, die mir das Studium bot, hauptsächlich mit Reisen. Mich bewegte die Suche nach der Harmonie zwischen Kunst und Architektur. Andererseits ließ ich keine Gelegenheit aus, mich amüsieren zu können. Ich erinnere mich noch genau an einen Tag auf der griechischen Insel Mykonos, wo ich mich fragte: „Ist das nun die Freiheit, die ich suche?“ Damals hatte ich schon alles ausprobiert, was mir in den Sinn gekommen war, trotzdem fühlte ich eine tiefe innere Leere in mir. Aber ich suchte weiter.

In Mikonos, einer griechischen Insel, fragte ich mich nach einem wunderschönen Tag: „Ist das nun die Freiheit, die ich suche?“ Damals hatte ich schon alles ausprobiert, was mir in den Sinn gekommen war, trotzdem fühlte ich eine tiefe innere Leere in mir.
Ich suchte in Marokko, wo ich ich zusammen mit meiner brasilianischen Freundin Deb an der Rezeption des Hotels nach einer Moschee fragte, und ob wir unerkannt dort mitbeten könnten. Das ginge aus Gründen der Ehrfurcht nicht, wurde uns von unserem Gesprächspartner gesagt, aber wir könnten um 5 Uhr morgens zu ihm auf die Terrasse kommen: er bete immer wenn der Iman ruft… Ich suchte in Venedig, wo ich die wundervolle Architektur bestaunte und die Fähigkeit, die der Mensch besaß, solches zu schaffen….. Ich suchte in Lanzarote, in Mailand, bei allen treffen mit den vielen Menschen, die ich kennen lernte und mit denen ich die Natur bestaunte. Und wieder einmal hörte ich aus dem Mund einer kolumbianischen Freundin, die mit mir unterwegs war, ein Urteil: „Du bist frivol – mit nichts zufrieden!“ Ich fühlte mich niedergeschlagen. Mir war durchaus bewusst, dass ich Dinge falsch machte, was ich aber keinesfalls sein wollte, war frivol sein. Sie hatte recht. Ich hatte das Ziel meiner Reise aus den Augen verloren. Eigentlich war ich aufgebrochen, um meiner beruflichen Laufbahn ein sozialeres Ziel zu geben und nach dem tieferen Sinn dessen zu suchen, was ich tat. Gott sei Dank hat mich in diesem Moment jemand aufgerüttelt.

Eine entscheidende Wegemarke
Mein Onkel, der in Madrid wohnte, rief mich überraschend an. Er bot mir eine mögliche Stelle bei einer Architektin an, die ich von der Arbeit her schon kannte. Mir fehlten damals nur noch einige Monate, um den Master zu beenden. Ich nahm das Angebot an und machte mich unverzüglich auf den Weg nach Granada.

Als ich das Studio von Loreta, der Bekannten meines Onkels betrat, wusste ich sofort, dass ich hier am richtigen Platz war. Neben der wunderschönen Einrichtung und den Projekten, die sie mir anbot, gab es da noch etwas weit Wichtigeres: die Wärme, die Loreta ausstrahlte. Sofort fühlte ich mich angenommen. Ich wollte sofort mit der Arbeit loslegen.“ Du musst noch ein bisschen Geduld haben“, sagte sie mir, “denn am 15. Juli pilgere ich nach Santiago.“ Zu diesem Termin endete mein Master Immer schon hatte ich mir gewünscht einmal nach Santiago zu pilgern. Bisher hatte ich noch niemanden gefunden, der mit mir gehen wollte. Ich fragte Loreta, ob ich mit ihr gehen dürfte und sie nahm an, ohne irgendwelche Bedingungen zu stellen. Alles schien wunderbar glatt zu laufen: ich hatte eine Arbeit gefunden und jemand, der mit mir nach Santiago pilgern wollte.“Jetzt wird es endlich dazu kommen, dass ich Gott Dank sagen kann“, dachte ich. Aber Gott hatte noch ein ehrgeizigeres Ziel mit mir, jetzt wollte er zunächst mich selbst erobern.

“Ich soll die Sünde hassen”
Ich bestieg zusammen mit 40 Mädchen den Bus. Viele von den Teilnehmerinnen nahmen an Aktivitäten in Alsajara, einem Colegio Mayor teil, das von Leuten des Opus Dei betreut wurde. In diesem Moment wurde mir klar, dass Loreta dem Opus Dei angehörte. Ich wusste eigentlich sehr wenig über das Opus Dei. Das störte mich momentan wenig. Ich wollte nur mein Ziel erreichen, den Weg nach Santiago in Begleitung zurückzulegen. Ich hatte keine weiteren Ambitionen.

Zum Übernachten hielten wir an einer Landwirtschaftsschule, die auch ein korporatives Werk des Opus Dei war. Am ersten Tag sagte mir jemand, dass ein Priester bereit stünde, um Beichte zu hören. Ich sah die Tür des Beichtstuhls offen stehen und ohne weiter zu überlegen, ging ich rein. Das, wovor ich mich jahrelang gedrückt hatte, schien mir jetzt absolut nötig. Am folgenden Tag hielt der Priester eine Betrachtung für die ganze Gruppe. Dabei sagte er einen Satz, der mir tagelang nicht mehr aus dem Kopf ging.“Wir sollten die Sünde hassen“ Ohne es zu bemerken wiederholte ich während des Gehens immer wieder diese Worte. Ich dachte darüber nach, wie mein Leben bis dahin verlaufen war, und als Hintergrundmusik erschien immer wieder der Gedanke: „Ich soll die Sünde verabscheuen.“ Ich betete und bat Gott darum, dass sich diese Worte in meinem Leben verwirklichten. Ich bat ihn darum, mich ändern zu können, denn dazu hatte ich die Koffer gepackt und war umher gezogen. „Dass ich die Sünde hasse“

Außer den Betrachtungen bestand die Möglichkeit, täglich an der hl. Messe teilzunehmen. Ich kannte die Messe nur als etwas, das man am Sonntag absolvierte. Ich wusste nicht, dass sie täglich gefeiert wurde. Für mich war auch die Weile der Danksagung, die Zeit einer besonderen Intimität im Umgang mit dem Herrn nach dem Kommunionempfang neu. Ich bemerkte, wie einige Mädchen vor dem Tabernakel eine Kniebeuge machten. Es überraschte mich, ich bewunderte es und wollte es baldmöglichst auch selbst so machen. Aber schließlich schien mir das alles zu weit weg, zu hoch, um es dauerhaft leben zu können. Ich kam zu dem Schluss, dass ich mich nicht ändern könne und es besser sei, die schon bekannte Routine beizubehalten.

Schließlich erreichten wir Santiago de Compostela und betraten die Kathedrale. Einzeln gaben wir alle dem Apostel Jakobus die traditionelle Umarmung. Als ich an die Reihe kam, umarmte ich ihn mit aller Kraft und bat ihn inständig darum, die Sünde mit aller Kraft verabscheuen zu können...
In Marokko
In Marokko

Wo Himmel und Erde sich vereinen
Ich begann bei Loreta zu arbeiten und befreundete mich mehr und mehr mit ihr. Beide waren wir besessen von der Idee der Suche nach der Schönheit in der Architektur. Sie lehrte mich, diese Suche mit dem Wunsch zu verbinden, meine Arbeit gut zu machen, sie bis zu Ende zu bringen. Gleichzeitig hatten wir viel Spaß miteinander. Wir transportierten Material, das wir zum Arbeiten brauchten, auf dem Motorroller und besuchten Kunstausstellungen. Häufig gingen wir spazieren und machten dabei immer wieder Entdeckungen .Wir betrachteten die Dinge um uns herum. Wir wunderten uns darüber, was Gott tat und darüber, was der Mensch dazu beitrug. Loreto brachte mich zu Gott. ohne dass ich selbst es bemerkte.

Die Harmonie, die es zwischen Gott und meiner Arbeit gab, schien mir von Tag zu Tag natürlicher und selbstverständlicher .Ich bemerkte, dass dies das Ziel meiner Suche gewesen war. Die ganze Zeit über hatte ich danach verlangt, so in der Gegenwart Gottes leben zu können. Da ich einen großen Teil meiner Kindheit auf dem Land verbracht hatte, hatte ich sicher eine besondere Leichtigkeit die Schönheit in der Natur wahrzunehmen. Deshalb war es mir leicht, die Worte des hl. Josefmaria zu verstehen: „Am Horizont, meine Kinder, scheinen sich Himmel und Erde zu vereinen. Aber nein, dort wo sie sich wirklich treffen ist in euren Herzen, wenn ihr heilig mäßig das gewöhnliche Leben lebt.“

Nach und nach verlor ich die Angst, diesen neuen Lebensstil nicht mein ganzes Leben lang durchhalten zu können. Mir war klar geworden, dass es sich um ein echtes Leben handelte. Gleichzeitig wusste ich, dass ich viel Unterstützung brauchen würde bei dieser neuen Etappe meines Lebens. Ich suchte sie in der christlichen Bildung, die im Studentenheim Alsajara erteilt wurde.

Von der Anziehung zur Entscheidung
Während meiner Arbeit in Granada wohnte ich bei einer Cousine in Monachil, einem Dorf in der Nähe von Granada. Es war für mich wegen der Verbindungen nicht leicht, an den Ausbildungsmitteln in Alsajara teilzunehmen. Aber ich wollte auf die Betrachtungen nicht verzichten; mein Ziel war es den Glauben besser kennenzulernen und wirklich beten zu lernen. Die hl. Messe wurde für mich besonders wichtig. Ich erinnere mich an einen Nachmittag, an dem ich zusammen mit meiner Cousine an einem Yogakurs teilnahm, der von einigen Hippies auf dem Dorfplatz erteilt wurde. Plötzlich hörte ich die Glocken der Kirche läuten, da konnte ich nicht mehr widerstehen. Sicher gibt es jetzt dort eine Messe, dachte ich. Ohne jemanden etwas zu erklären stand ich auf und rannte zur Kirche. Die hl. Messe sollte gleich beginnen, so blieb ich dort.
In Mikonos
In Mikonos

Hinter dieser Anziehungskraft gab es etwas, besser gesagt, Jemanden. Ich konnte mein Leben nicht mehr ohne Gott führen. Das bemerkte ich besonders auf einer Reise nach Istanbul. Ich hatte mich sehr auf diese Reise gefreut, da mich die islamische Architektur sehr anzog und ich gespannt darauf war, die Überreste von Konstantinopel bewundern zu können. Meine Enttäuschung war groß, als ich bemerkte, dass die Moscheen wunderbare Orte zum Beten waren, sehr reich ausgestattet waren, aber leider Gott dort nicht anwesend war. Die Hagia Sophia, die zunächst eine Kirche gewesen war, später als Moschee diente, war jetzt ein Museum und hatte somit ihren ursprünglichen Sinn eingebüßt. Das Zentrum meiner Aufmerksamkeit lag jetzt nicht mehr auf dem Gebäude und dessen Gestaltung, sondern auf dem, der darin wohnte.

Plötzlich hörte ich die Glocken der Kirche läuten, da konnte ich nicht mehr widerstehen. Sicher gibt es jetzt dort eine Messe, dachte ich. Ohne jemanden etwas zu erklären stand ich auf und rannte zur Kirche.
Durch all diese inneren Erlebnisse bemerkte ich, dass Gott mich um etwas bat. Ich hatte aber noch nicht verstanden, um was es sich handelte. Ich dachte, dass die Berufung zum Opus Dei eine Gnade wäre, die mir nicht zustände. Andererseits war mir auch klar, dass das der Weg war, den Gott für mich bestimmt hatte. So schrieb ich am 11. Februar 2011 an den Prälaten und bat ihn um die Aufnahme in das Opus Dei.

“Buen camino” - Alles Gute für unterwegs!
Wenn man den Weg nach Santiago zurücklegt, ist es Tradition, dass man an bestimmten Punkten der Wegstrecken einen Stempel bekommt. Jeder Stempel beweist, dass man unterwegs ist nach Santiago zum Grab des Apostels. „Buen camino“ – so wünschen diejenigen, die die Stempel erteilen.

Ja ich war auf einem für mich guten Weg, so dachte ich öfters, wenn ich meine Erlebnisse von unterwegs Revue passieren ließ. Ich hatte die Schönheit gesucht, den Wunsch zu dienen entdeckt, die Leidenschaft für die Architektur entwickelt, und mir war die Einheit zwischen Arbeit und Kontemplation bewusst geworden. Ich hatte gelernt, alles auf Gott zu beziehen, und schließlich hatte ich dem Ruf zu einer totalen Verfügbarkeit entsprochen. So besiegelte Gott jetzt auf diese Weise meinen Weg. Er war es gewesen, der mich auf diesen guten Weg (Buen camino!) geführt hatte und mich die ganze Zeit bei meiner Suche begleitet hatte.