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Persönliche Zeugnisse

„Meine Erfahrung: Gott ist immer großzügiger als wir“

Alvaro Vidal, Leiter der Verwaltungsabteilung eines Großhandels, Uruguay

1 Januar 2009

Stichwörter: Großzügigkeit, Kinder, Katechetische Reisen
Ich arbeite als Großhandelskaufmann, bin seit 25 Jahren verheiratet und Vater von zehn Kindern, sieben Mädchen und drei Jungen. Meine älteste Tochter ist verheiratet und so bin ich schon Großvater, während mein jüngster Sohn gerade fünf Jahre alt ist. Ich selbst habe auch viele Geschwister, 11 Brüder – also eine ganze Fußballmannschaft –, und natürlich eine Frau.

Mein Vater hat zeit seines Lebens hart gearbeitet und für seine Kinder auf vieles verzichtet. Ein Beispiel ist der Besuch des Gründers des Opus Dei in Argentinien, 1974, als meine Eltern sich entschlossen alle gerade erworbenen Einrichtungsgegenstände für die Badezimmer wieder zu verkaufen, um mit diesem Geld per Schiff nach Buenos Aires zu fahren.

Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich kaum etwas über das Opus Dei. Einer meiner älteren Brüder hatte mir etwas erzählt, und ich hatte ein paar Mal an Veranstaltungen eines Jugendclubs teilgenommen. An die Treffen des Gründers mit großen Gruppen in Buenos Aires erinnere ich mich wohl noch, und auch daran, daß er meine Familie empfing und uns allen den Segen gab.

Als wir dann wieder in Montevideo waren, riss jeglicher Kontakt zum Opus Dei ab. Als ich 1976 als Kassierer in einem Supermarkt zu arbeiten begann, musste ich jeden Morgen um 2 Uhr aufstehen, da die Kasse um 4 Uhr geöffnet wurde. In dieser Zeit hatte ich eine Freundin und daher keine Zeit, viel zu schlafen. Das war wohl der Grund dafür, daß die Kasse mehrere Male nicht stimmte. Da ich meine Arbeit also nicht gut machte, hatte sie keinen großen Wert für mich, und so erklärte ich eines Tages meinem Chef, dass ich nicht weiter dort arbeiten würde. Er verhalf mir zu einem anderen Arbeitsplatz, wo ich dann einen Kassierer kennenlernte, der vom Opus Dei ist. Da ich mit ihm zusammen arbeitete, erzählte er ab und zu vom Werk und bald nahm ich an Bildungsmitteln teil.

Was mich am meisten anzog, war die Botschaft, daß wir alle zur Heiligkeit berufen sind. Diese beeindruckende Tatsache erforderte natürlich auch etwas von seiten des Menschen. Mir wurde klar, daß auch ich etwas einsetzen mußte, selbst wenn es mir schwerfiel. Schließlich taten andere es auch, und eigentlich war ich von dieser Idee begeistert.

Als ich schon verheiratet und Vater zweier Mädchen war, bat ich um die Aufnahme ins Opus Dei. Von klein auf hatte ich viele Kinder haben wollen, das war eins der wichtigen Themen für mich. Ein anderes war die Erziehung der Kinder. Gott richtete für meine Frau und mich alles so ein, daß wir beides verbinden konnten. Dabei spielte sicher eine Rolle, daß die ersten sechs Kinder Mädchen waren, denn sie konnten im Haushalt helfen, was meiner Frau ermöglichte, weiter arbeiten zu gehen. Viele meinten, ich warte nur auf einen Sohn, aber als dieser geboren war, bekamen wir trotzdem noch weitere Kinder.

Ich lebte mit meiner Frau 10 Jahre lang in einer Wohnung von 51 qm mit drei Schlafzimmern. Noch mit 9 Kindern schafften wir es, da zu wohnen. An den Geburtstagen mussten wir beide unser Schlafzimmer leerräumen, damit alle Platz hatten. Als es einfach nicht mehr ging, wandten wir uns alle – auch die Kinder – an den heiligen Josefmaria, um das Wohnungsproblem zu lösen. Das tat er auch. Nicht nur bekamen wir ein Haus für einen enorm günstigen Preis. Wir hatten ihn auch gebeten, dass eine Kirche in der Nähe wäre, damit wir ohne Auto leicht zur Messe kommen könnten. Es ist fast unglaublich, aber um die Ecke gibt es ein Kloster, wo jeden Tag die Messe gefeiert wird, und etwas weiter eine andere Kirche.

Ich behaupte nicht, dass es einfach ist, eine große Familie zu haben. Man muß viele Opfer bringen und auf vieles verzichten. Aber ich bin überzeugt, dass es möglich und die Mühe auch wert ist. Für diese Sicht der Dinge ist mir das Leben des Gründers des Opus Dei eine Hilfe. Immer hat er zu allem, was Gott von ihm wollte Ja gesagt, ohne in seinem Engagement nachzulassen.

Ein anderer erstaunlicher Aspekt, der für mich hilfreich ist, ist die herzliche Zuneigung, die er zu allen wie zu seinen Kindern hatte. Sie zeigte sich in seiner Art zu sprechen, Dinge zu erlären und darin, dass für ihn Kleinigkeiten wichtig waren. Jedes Mal, wenn ich ein Video mit einem Beisammensein des Gründers mit seinen Kindern sehe, bin ich bewegt zu sehen, wie Josemaría Escrivá liebte. Es hilft mir, an seinen beständigen Einsatz zu denken. Auch daran, dass er oft ohne Lust gearbeitet hat und müde war. Ich versetze mich dann in seine Lage und mache weiter, auch wenn ich keine Lust mehr habe, mich anzustrengen, wirklich gut zu arbeiten.

Der Gründer des Opus Dei hat mich auch im Familienleben unterstützt. Ich arbeite wirklich viel an mir, und es gibt noch einiges, was sich bei mir bessern muß. Zum Beispiel hat mir immer gut gefallen, was der heilige Josefmaria über das helle und frohe Zuhause sagte. Und dass man der erste sein soll, der als Ehepartner oder Elternteil um Verzeihung bittet. Auch wenn mir gerade das besonders schwer fällt, versuche ich immer, um Entschuldigung zu bitten.

Je mehr Kinder kamen, desto häufiger meinten die Leute, dies sei unverantwortlich. Ob wir wussten, was wir taten? Manchmal scheint mir, sie wollen sich selbst durch diese Kritik rechtfertigen. Für uns gilt allerdings, dass wir keine überflüssigen Sachen kaufen wollen. Außerdem vergisst man schnell, was man alles durchgemacht hat. Was bleibt, ist alles übrige, das sind die Kinder, die Freude, die sie uns machen. Außerdem ist mir klar geworden, daß Engpässe jeder Art bei der Erziehung hilfreich sind,

Auch wird manchmal gesagt, das Opus Dei sei nur für eine gehobene Schicht. Ich habe jedoch nie Probleme damit gehabt, dass ich nicht reich bin. Überhaupt habe ich mich nie fehl am Platz gefühlt, denn ich bin immer Leuten jeden Typs und jeder Stellung begegnet. Vielleicht fällt es jemandem, der viel besitzt, schwerer, das Seine zu geben als mir, der ich wenig habe. Im Opus Dei sind, so weit ich sehe, großzügige Menschen, die immer für die anderen da sind, obwohl sie ihrer finanziellen Lage nach ganz anders leben könnten. Wer weiß, wo ich jetzt wäre, wenn ich aus einer wohlhabenden Familie käme. Gott weiß schon, was er tut!